Am Sonntag beginnt in Köln die wichtigste Süßenwarenmesse der Welt. Die Branche setzt große Hoffnungen auf die Fußball-WM und stellt Kuriositäten wie Schokolade zum Inhalieren vor. 

Ob Schoko-Sushi oder Schoko-Burger - die Süßigkeiten-Hersteller denken sich immer neue Kuriositäten aus, um die Geschmacksnerven der Verbraucher zu stimulieren. Auf der Internationalen Süßwarenmesse ISM, die an diesem Sonntag in Köln beginnt und bis zum 3. Februar läuft, zeigen rund 1.500 Aussteller aus 66 Ländern ihre Produkte.

Ein französischer Hersteller hat nach Angaben der Koelnmesse eine Schokolade zum Einatmen erfunden. Mit einem Atemzug werden hunderte winziger Schoko-Partikelchen inhaliert.

Praline mit Kölnisch Wasser gefüllt

Eine Firma aus dem Münsterland präsentiert unterdessen eine Praline mit einer Füllung aus "Kölnisch Wasser". Die Trüffelmasse enthält Zutaten wie Bergamotte, Zitrone und Orange - genau wie das berühmte Parfüm. Die Fruchtgummis eines Schweizer Unternehmens sollen nach Knoblauch oder Zigaretten riechenden Atem geruchsneutral machen.

"Die Hersteller experimentieren immer viel", sagt der Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI), Torben Erbrath. Die Erfahrung zeige aber: "Von zehn neuen Varianten hält sich auf Dauer nur eine."

Gemeinsam knabbern zur Fußball-WM

Vor allem neue Geschmacksrichtungen würden ausprobiert. Dazu gehören Schokoladen mit Ingwer- oder Rosmarinaroma, Chili-Mango-Geleebohnen und Waldfrucht-Prosecco-Marzipan. Natürlich spielt auch die Optik eine Rolle: Gezeigt werden zum Beispiel Weingummi-Sorten in Form von Hühnerfüßen, Halloween-Augen mit flüssigem Innenkern und Fußball-Lollies mit Nationalflaggen.

Auf die Fußball-Weltmeisterschaft im Juni setzen Süßwarenhandel und -hersteller ohnehin große Hoffnungen: Eine WM gehört zu den Ereignissen, die bei den von der Branche sogenannten "fernsehrelevanten Artikeln" - dazu gehören etwa Chips und Cracker - für einen Umsatzschub sorgen. Denn beim gemeinsamen Fußballgucken werde besonders viel und gerne geknabbert.

Kauflaune ist abhängig vom Wetter

Auch das Wetter hat große Auswirkungen auf die Kauflaune: "Ein verregneter Sommer kann negativen Einfluss auf Speiseeis, ein kalter Herbst positiven Einfluss auf Schokolade haben", sagt der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands HDE, Stefan Genth.

"Das Jahr 2009 zeigte leider keine außergewöhnlichen saisonalen Effekte", bedauert Genth. Andererseits habe aber die Wirtschaftskrise bislang auch nicht zu direkten Umsatzeinbußen geführt. Insgesamt sind Industrie und Handel einigermaßen stabil durch das vergangenen Jahr gekommen. Im Süßwarenhandel sank der Umsatz um etwa ein Prozent, in der Süßwarenindustrie ging er um 0,6 Prozent zurück.

Süßwarenpreise sollen steigen

Die Hersteller klagen vor allem über den rasant gestiegenen Kakao-Preis, der die Branche unter Druck setze. Deshalb müssen sich Verbraucher in den kommenden Monaten wohl auf steigende Süßigkeitenpreise, vor allem rund um die Schokolade,  einstellen.

Statistisch gesehen verputzte jeder Deutsche laut BDSI im vergangenen Jahr rund 30 Kilogramm Süßwaren im Wert von 110,83 Euro. Während die Lust auf Knabberartikel im Vergleich zu 2008 zunahm, ging der Konsum von Keksen, Schokolade, Eis und Zuckerwaren zurück.

Qualität wichtiger als der Preis

Beim Kauf von Süß- und Salzgebäck sind für die überwiegende Mehrheit der Verbraucher offenbar Geschmack und Qualität entscheidender als der Preis. Das ergab eine aktuelle repräsentative Forsa-Umfrage unter 1.000 Erwachsenen im Auftrag des Keksherstellers Griesson de Beukelaer.

Demnach ist 84 Prozent der Befragten wichtig, dass das Produkt gut schmeckt, 80 Prozent nannten die Qualität als wichtigstes Kriterium. Mit deutlichem Abstand folgen transparente Informationen über Zutaten (65 Prozent) noch vor dem Preis (60 Prozent).

Petra Albers, dpa