Vor zwei Monaten schien Weltbild schon gerettet. Dann gab es Berichte, der Investor wolle hunderte weitere Jobs streichen. In dieser Woche präsentierte der Insolvenzverwalter überraschend einen neuen Käufer.

Die Hiobsbotschaften beim insolventen Weltbild-Konzern häuften sich in den vergangenen Wochen. Die Verhandlungen mit dem Investor Paragon, die eigentlich schon im Mai abgeschlossen sein sollten, zogen sich in die Länge. In Medienberichten wurde das bevorstehende Scheitern immer häufiger angedeutet. Dies hat sich nun bestätigt. Doch die mehr als 2.000 Beschäftigten der Augsburger Weltbild-Mutter und der Filialtochter können dennoch aufatmen. Ein neuer Investor ist gefunden - und er soll ein langfristiges Interesse am deutschen Amazon-Hauptkonkurrenten haben.

Die Verlagsgruppe wird laut Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz mehrheitlich an die Droege International Group AG aus Düsseldorf verkauft. Bereits in der kommenden Woche soll ein Notar das Geschäft fix machen. Er habe das Angebot der Münchner Beteiligungsgesellschaft Paragon letztlich abgelehnt, weil es zu unterschiedliche Positionen gegeben habe, sagte Geiwitz.

Mit Droege hat Geiwitz die Einigkeit erreicht, die es mit Paragon offenbar nie gab. "Droege ist kein Finanzinvestor, der schnell kauft und verkauft", lobt Geiwitz. Wir sind beide der Meinung, dass es nur noch geringfügige Anpassungen geben darf."

Betriebsrat und Gewerkschaft äußern sich positiv

Auch der Betriebsrat und die Gewerkschaft Verdi äußern sich ähnlich positiv. Die Mitarbeiter erwarteten von Droege ein längerfristiges Engagement von 10 bis 20 Jahren, sagte Weltbild-Betriebsratschef Peter Fitz. Paragon habe hingegen bereits nach 2 bis 4 Jahren einen Weiterverkauf angestrebt und zudem eine "Filetierung" geplant - der Logistikbereich habe ausgegliedert werden sollen.

In den vergangenen Wochen gab es immer wieder Berichte, dass Paragon bis zu 250 weitere Jobs abbauen wollte - dies war Geiwitz entschieden zu viel. Denn er hat bereits ein Sanierungskonzept "Weltbild 2.0" umgesetzt, wonach etwa 950 Beschäftigte in eine Auffanggesellschaft wechseln. Der größte Teil dieser Mitarbeiter hat Weltbild schon verlassen, einige sind vorläufig noch bei der Verlagsgruppe. Geiwitz setzt weiterhin auf eine Mischung von Onlinehandel und Geschäften vor Ort. Von den einst 220 Buchläden sollen 53 Filialen schließen, die Zukunft von weiteren 20 defizitären Geschäften ist noch offen.

In der Insolvenz liefen die Geschäfte bei Weltbild wieder besser. Geiwitz rechnet zwar noch nicht mit einer Rückkehr in die schwarzen Zahlen im kürzlich begonnen Bilanzjahr, schloss dies aber auch nicht aus: "Vielleicht gelingt es uns sogar schon, es zu drehen."