Vorab Umweltfreundliche Produktverpackungen stehen bei Konsumenten hoch im Kurs. Gleichwohl sind die Deutschen immer noch Europameister beim Müll, zeigt eine Studie der KPMG.

Pappbecher für den Kaffee zum Mitnehmen, Kartons und Umverpackungen bei der Onlinebestellung, mehrfach verpackte Lebensmittel im Supermarkt – und bei jedem Einkauf eine Plastiktüte: Rund 213 Kilo Verpackungsmüll erzeugt der Einzelne hierzulande pro Jahr. Damit sind die Deutschen Europameister bei der Müllproduktion.

Gleichwohl legen Konsumenten eigentlich Wert auf umweltfreundliche und praktische Produktverpackungen, zeigt die aktuelle Studie Consumer Barometer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IfH) und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, deren Ergebnisse Der Handel vorab vorstellt. Neun von zehn Befragten finden es demnach gut, dass Händler auf Plastiktüten verzichten. Ebensoviele wünschen sich, dass Onlineshops ihren Verpackungsmüll auf das Nötigste reduzieren und 94 Prozent erwarten, dass sie die Versandverpackung zur Retoure wiederverwenden können.

Drei von vier befragten Konsumenten geben an, dass ihnen die Umweltfreundlichkeit von Verpackungen wichtig ist. Vor allem bei Getränken (85 Prozent) und Lebensmitteln (82 Prozent) achten Konsumenten demnach am häufigsten darauf, ob Artikel in umweltfreundlichen Flaschen, Tüten oder Kartons stecken.

Onlinehandel verschärft Situation

"Der wachsende Onlineanteil verschärft die Situation zusätzlich, sowohl im Hinblick auf Verpackungsanforderungen als auch in Bezug auf den Verpackungsmüll. Neue Lösungen zur Reduktion der Versandverpackungen gehören deshalb ebenfalls auf die Agenda von Herstellern und Händlern", ist Mark Sievers, Head of Consumer Markets bei KPMG, überzeugt.

Artikel mit praktischen Verpackungen – zum Beispiel Kartons mit Tragegriffen – wissen rund 72 Prozent der Befragten zu schätzen. Beim Kauf von Elektronikartikeln spielen diese für knapp neun von zehn, bei Lebensmitteln sowie Schmuck und Uhren für jeweils acht von zehn Konsumenten eine größere Rolle. Beim Thema Produktverpackungen sind Frauen deutlich umweltbewusster als Männer. So ist es 78 Prozent der befragten Männer, aber 92 Prozent der Frauen wichtig, dass Getränkeverpackungen die Umwelt schonen. Bei Haushalts- und Dekorationsartikeln, Kosmetik sowie Schmuck und Uhren zeigen sich ähnlich große Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Und während sechs von zehn der befragten Männer auf praktische Produktverpackungen achten, sind es fast acht von zehn Frauen. Bei Kosmetikartikeln und Schuhen liegt der Anteil der weiblichen Käufer, die praktische Verpackungen wichtig finden, jeweils rund 16 Prozentpunkte über dem Anteil der männlichen.

Smart Natives mögen Verpackungen

Optik und Material sind hingegen aus Konsumentensicht nur in bestimmten Warengattungen oder bei besonders hochwertigen Produkten wichtig. Vor allem für "Smart Natives", also die technik- und internetaffinen Konsumenten, zählt demnach verstärkt das gute Aussehen: Jeder zweite zieht den Kauf von hochwertig verpackten Produkten vor. Bei den Warengruppen Schmuck, Uhren, Multimediaprodukten wie auch Kosmetika und Drogeriewaren ist der Anteil höher. Knapp 90 Prozent der Befragten erwarten bei teuren Artikeln hochwertige Verpackungen.

84 Prozent der Konsumenten geben in der Umfrage an, dass sie sich mehr verpackungsfreie Produkte wünschen. Gleichwohl bleiben Kartons, Flaschen und Co. im Handel wichtig und beeinflussen auch die Kaufentscheidung: „Bei nahezu jedem vierten Konsumenten entscheidet die Verpackung darüber, ob ein Artikel im Einkaufskorb landet oder nicht. Das ist eine Chance für Händler und Hersteller, sich nicht nur mit einem guten Produkt, sondern auch mit einer zielgruppengerechten Verpackung zu differenzieren“, rät Kai Hudetz, Geschäftsführer des IFH Köln.

Sybille Wilhelm

Der Artikel ist in der aktuellen Ausgabe von Der Handel erschienen. Zum kostenfreien Probeexemplar geht es hier. Lesen Sie Der Handel auch auf dem iPad