Nachdem keine Hoffnung mehr auf eine Hertie-Rettung vorhanden ist, reagieren die betroffenen Kommunen pragmatisch - und suchen nach lokalen Lösungen

Die angeblich letzte Chance für Hertie war wohl gar keine mehr. Erneut ist es am Freitag in Frankfurt nicht zu direkten Verhandlungen zwischen dem Eigentümer der Hertie-Kaufhäuser und einer deutsch-chinesischen Investorengruppe gekommen, die angeblich die komplette Kaufhauskette retten wollte.

Die häufig beschworenen Investoren tauchten beim von der Deutschen Bank organisierten Hertie-Gipfel erneut nicht auf, wobei fraglich ist, ob sie überhaupt willkommen gewesen wären. Statt letzter Hoffnung machte sich unter den eigens angereisten Bürgermeistern der von den Kaufhausschließungen bedrohten Kommunen Pragmatismus breit.

Bürgermeister schauen nach vorne

„Hertie - Arbeitsplätze - Handel in der Innenstadt" lautet die Reihenfolge ihrer Rettungsaktivitäten, sagt einer der Kommunalpolitiker, der den ersten Punkt bereits aufgegeben hat.

Gegenseitige Schuldzuweisungen zur Hertiepleite interessieren den Rendsburger Bürgermeister Andreas Breitner (SPD) längst nicht mehr: „Ich muss nach vorne sehen und das Beste für meine Stadt rausholen." Über die Parteigrenzen hinweg stimmen ihm die Kollegen aus Meschede, Detmold oder Kamen zu.

Übernahme im Norden?

Im Norden zeichnet sich nach Breitners Worten eine Lösung für neun Städte ab, wenn die Firma Hanse-Kontor aus Flensburg für ihr Textilhandelskonzept Verträge mit dem Immobilien-Eigentümer MABV abschließen kann.

Nordlicht Breitner lobt den Einsatz der Deutschen Bank, die Kommunen mit den richtigen Ansprechpartnern zusammengebracht habe. Über die Rolle des Instituts bei der Gewährung des Kredits für die überbewerteten Immobilien und dessen anschließender Verbriefung kein Wort.

Unverkäufliche Betonkästen

Haus für Haus ist der MABV-Manager Chris Hancock mit den Kommunalpolitikern die Immobilien durchgegangen und hat Optimismus verbreitet: 11 Häuser seien bereits verkauft, für etliche weitere gebe es ernsthafte Interessenten.

Im Hertie-Lager halten sie hingegen viele der sanierungsbedürftigen Betonkästen für unverkäuflich. Längst nicht jedes ist so schön wie das alte Wertheim aus der Gründerzeit in Görlitz, von dem Bürgermeister Joachim Paulick zum Hertie-Gipfel in Frankfurt am vergangenen Freitag extra Fotos mitgebracht hat.

Christian Ebner, dpa