Das wachsende Online-Geschäft fordert von Handel und Paketdiensten mehr Kapazitäten. Zur Zustellung der Ware braucht es mehr Transporter. Die Fahrzeughersteller stellen sich auf die wachsende Nachfrage ein. Nach Jahren der Stagnation kommt Bewegung in die Szene.

Marktführer Mercedes-Benz schickt im nächsten Jahr den neuen Sprinter, der der ganzen Fahrzeugklasse seinen Namen gibt, an den Start. Volkswagen hat die Zusam-menarbeit mit den Stuttgartern aufgekündigt, präsentiert ebenfalls 2016 den selbst entwickelten Crafter. Ford Transit und Iveco Daily wurden gerade erst frisch aufgelegt. Fiat lobt aktuell eine zeitlich befristete Vier-Jahres-Garantie für seine Modelle aus. Und jetzt kommt auch noch ein ganz neuer Wettbewerber ins Spiel: Hyundai. Der koreanische Hersteller startet mit dem 3,5-Tonnen-Kastenwagen H 350 ins Nutzfahrzeuggeschäft.

Neuland im Nutzfahrzeuggeschäft

Nach einer gefühlt ewig langen Ankündigungsphase und der Weltpremiere im vergangenen September auf der Internationalen Automobil-Ausstellung Nutzfahrzeuge in Hannover ist der H 350 nun tatsächlich startklar. An 44 Standorten in Deutschland betreten die Hyundai-Händler Neuland und wagen sich mit dem 3,5-Tonnen-Kastenwagen ins Nutzfahrzeuggeschäft.

„Wir haben bevorzugt Betriebe ausgewählt, die über eine Zweitmarke bereits Erfahrung in diesem Bereich gesammelt haben und über die entsprechenden technischen Einrichtungen verfügen“, erklärt Steffen Dittmar, Leiter Großkunden bei Hyundai Motor Deutschland in Offenbach. Bis 2017 sollen 80 bis 100 Verkaufspunkte installiert sein.

Erfahrung im Lastwagenbau

Dass die Koreaner alles andere als Novizen im Transportbereich sind, erklärt Deutschland-Geschäftsführer Markus Schrick: „Unser Konzern hat 2014 mehr als 220.000 Lkw und Busse in rund 100 Ländern verkauft. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen mehr als 8.000 Mitarbeiter in der Entwicklung und Fertigung von Nutzfahrzeugen.“

Nur in Europa sind die Asiaten, abgesehen vom Modell H-1, in dieser Hinsicht noch nicht sonderlich in Erscheinung getreten. Das soll sich nun langsam aber stetig ändern. „Wir sind nicht der Preisbrecher. Wir wollen das Geschäft nachhaltig aufbauen“, sagt Schrick und hofft alsbald auf „2.000 bis 3.000 Zulassungen pro Jahr“, wohl wissend, dass der Markt zwar beständig wächst, aber bereits heftig umkämpft ist.

Selbstbewusster Einstiegspreis

Mit einem Einstiegspreis von 30.980 Euro (ohne Mehrwertsteuer) für den Kastenwagen mit kurzem Radstand (5,52 Meter Gesamtlänge) und 110 kW/150 PS-Dieselmotor liegt Hyundai selbstbewusst auf dem Niveau des Sprinter, der mit 120 kW/163 PS und vergleichbarer Laderaumlänge für 31.390 Euro angeboten wird.

Foto: Hyundai
Foto: Hyundai
Warum also zum Neuling greifen? „Weil unser Fahrzeug mit langem Radstand fünf beladene Europaletten transportieren kann, insgesamt 12,9 Kubikmeter fasst, über drei Tonnen Anhängelast verfügt und serienmäßig mit einer Drei-Jahres-Garantie ohne Kilometerbegrenzung ausgestattet ist“, antwortet Steffen Dittmar. Zudem preisen die Hyundai-Manager das Führerhaus in Pkw-Anmutung mit großem Navigationsbildschirm – allerdings nur, wenn der Fuhrparkmanager die 1.570 Euro teurere „Profi“-Ausstattung samt dem „Wert-Paket“ für 3.400 Euro gewählt hat.

Euro-6-Motoren erst im nächsten Jahr

Unverständlich bleibt, warum die beiden Motoren mit 110 kW/150 PS und 125 kW/170 PS bei diesem komplett neu konzipierten Fahrzeug nicht gleich die ab September 2016 gültige Euro-6-Norm erfüllen. Die für das kommende Jahr angekündigte Bus-Variante soll immerhin gleich nach Euro 6 eingestuft werden und bis dahin werden in der Produktion in der Türkei auch die Antriebe für den Kastenwagen auf die künftige Norm umgestellt.

Bernd Nusser