Die Wirtschaftskrise fiel weniger schlimm aus, als befürchtet. Grund dafür waren die Staatshilfen - und die Ausgabefreude der privaten Haushalte. Anzeichen eines Aufschwungs sind sichtbar.

Die Kauflust der Verbraucher und die Finanzhilfen des Staates haben die deutsche Wirtschaft im Frühjahr aus der Rezession gerettet. Die Wirtschaft legte im zweiten Quartal wie erwartet real um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu und wuchs zum ersten Mal seit einem Jahr wieder. Das meldete das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden und bestätigte seine erste Berechnung.

Noch zu Jahresbeginn war die Wirtschaft in Deutschland wegen der Finanzkrise mit 3,5 Prozent so stark abgestürzt wie noch nie seit Beginn der Statistik 1970.

Boom dank Abwrackpämie und stabile Preise

Die Wirtschaft erholte sich vor allem dank der privaten und staatlichen Konsumausgaben wieder. Die Deutschen kauften kräftig und steckten 0,7 Prozent mehr in den privaten Verbrauch als zu Jahresbeginn - unter anderem wegen der stabilen Preise und der Abwrackprämie von 2.500 Euro, die einen Boom beim Autokauf auslöste.

Der Staat erhöhte seine Ausgaben um 0,4 Prozent. Dank der Frühjahrsbelebung und der staatlichen Konjunkturprogramme zum Ausbau der Infrastruktur hatte auch die Bauindustrie mehr zu tun. Die Bauinvestitionen stiegen um 1,4 Prozent, allerdings hatte die Industrie zu Jahresbeginn besonders unter dem strengen Winter gelitten.

Folgen der Finanzkrise belasten weiterhin

Damit ist aber längst nicht alles ausgestanden, die Folgen der Finanzkrise belasten die Wirtschaft immer noch. 2009 wird die Wirtschaftsleistung wegen des schlechten Jahresauftakts so stark sinken wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik.

Wegen der guten Daten aus dem Frühjahr dürfte das Minus im gesamten Jahr 2009 aber kleiner ausfallen als gedacht. Volkswirte revidierten am Dienstag ihre Prognosen und rechnen nun mit minus vier bis fünf statt - wie die Bundesregierung - mit sechs Prozent.

Weniger Im- und Exporte

Die Exporte machen jedoch Sorge. Wegen der weltweiten Flaute sank die Nachfrage nach Produkten "Made in Germany" im Frühjahr. Der deutsche Außenhandel trug dennoch zum Mini-Aufschwung bei, da die Importe stärker zurückgingen (minus 5,1 Prozent) als die Exporte (minus 1,2 Prozent).

Gebremst wurde die Konjunktur dagegen von vielen Unternehmen. Wegen der ungewissen Aussichten räumten viele ihre Lager und fuhren die Produktion herunter. Zudem steckten sie wegen der schwachen Auslastung der Werke und der Kreditklemme 0,5 Prozent weniger Geld in Maschinen und Ausrüstung als im Vorquartal. "Die Talfahrt bei Exporten und Ausrüstungsinvestitionen hat an Schwung verloren, das lässt auf eine dauerhafte Wende zum Besseren hoffen", kommentierte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen die Zahlen.

Commerzbank rechnet mit Anstieg des Bruttoinlandprodukts

Für das dritte und vierte Quartal rechnet die Bank mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von jeweils 0,8 Prozent gegenüber dem jeweiligen Vorquartal. Wegen des erheblichen Einbruchs zum Jahresbeginn steht die deutsche Wirtschaft aber immer noch schlechter da als vor einem Jahr.

Im zweiten Quartal sank das BIP im Vorjahresvergleich um 7,1 Prozent, kalenderbereinigt nur um 5,9 Prozent. Auch diese Daten bestätigte das Bundesamt.

Höhere Löhne gefordert

IG Metall-Vorstand Wolfgang Rhode warnte davor, bereits jetzt Entwarnung zu geben. Wenn die Unternehmen statt Kurzarbeit Personal entlassen würden, werde das auf den privaten Konsum durchschlagen. "Dann wäre ein konjunktureller Rückschlag im Herbst nahezu unvermeidlich", sagte Rhode.

Der Gewerkschafter forderte höhere Löhne, um die Binnennachfrage zu stärken und die Exportabhängigkeit zu verringern.

Defizitärer Staatshaushalt

Die Wirtschaftskrise hat den deutschen Staatshaushalt im ersten Halbjahr tief in die roten Zahlen gestürzt. Wegen sinkender Steuereinnahmen und hoher Ausgaben belief sich das Finanzierungsdefizit des Staates auf 17,3 Milliarden Euro - nach einem Überschuss von gut sieben Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2008.

Das deutsche Staatsdefizit lag in den ersten sechs Monaten bei 1,5 Prozent des BIP, damit erfüllte Deutschland das Maastricht-Kriterium von maximal 3 Prozent.