Der Finanzkrise zum Trotz: Die Deutschen gehen weiter fleißig einkaufen. Die GfK glaubt sogar, dass es einen Jahresendspurt gibt. Aber für das Jahr 2009 sind die Verbraucher pessimistisch.

Zwar hat sich das Konsumklima in Deutschland zum Jahresende noch leicht verbessert, aber die Verbraucher sind hinsichtlich der Konjunkturaussichten so pessimistisch wie lange nicht mehr. Dieses Fazit zog die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Dienstag in Nürnberg aus ihrer jüngsten Untersuchung.
 
Der Indikator, der die Konjunkturerwartungen erfasst, sank nach GfK-Angaben auf den niedrigsten Wert seit Beginn der gesamtdeutschen Erhebungen 1991. Die Rezessionsängste seien inzwischen Realität. Das Konsumklima könne zum Jahresende auf niedrigem Niveau aber noch einmal zulegen, lauteten die  Erkenntnisse der Konsumforscher. Sowohl steigende Einkommensaussichten als auch eine verbesserte Anschaffungsneigung trügen dazu bei.  

Fallende Energiekosten heben die Kaufstimmung

Zum vergleichsweise stabilen Konsumklima habe die weiterhin niedrige  Arbeitslosigkeit ebenso beigetragen wie die gesunkene Inflationsrate. Zuletzt hätten fallende Preise für Heizöl und Benzin dafür gesorgt, dass die Einkommensaussichten etwas optimistischer beurteilt werden, berichteten die Konsumforscher. Auch die Tarifabschlüsse in der Metall- und Elektroindustrie seien für den vierten Anstieg der Verbraucherstimmung in Folge mit verantwortlich.

"Damit konnte sich das Konsumklima zum Jahresende noch erfolgreich gegen die wachsenden Rezessionstendenzen behaupten", teilte die GfK mit. Der Indikator stieg von 1,9 auf 2,2 Punkte. Allerdings blicken die Bundesbürger der GfK-Untersuchung zufolge düster in die Zukunft. Produktionsstopps in der Automobilindustrie dürften die Angst vieler Beschäftigter vor einem Jobverlust weiter schüren, hieß es.

"Steuersenkungen jetzt vorziehen"

GfK-Chef Klaus Wübbenhorst plädiert für sofortige Steuerentlastungen, um die Konsumlaune der Verbraucher zu steigern. "Es nützt nichts, Steuerentlastungen erst für 2010 anzukündigen", sagte er in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Nürnberg. "Es gibt keinen Grund, damit zu warten. Wenn man Steuersenkungen ins Auge fasst, dann sollte man sie jetzt vorziehen. Das kann den Konsum antreiben." Wenn den Verbrauchern mehr Geld zur Verfügung stünde, würden sie auch wieder mehr ausgeben.

Wübbenhorst nannte in diesem Zusammenhang die britischen Pläne, mit einer Senkung der Mehrwertsteuer die Konsumlaune zu verbessern, interessant. Eine befristete Senkung der Mehrwertsteuer wäre auch in Deutschland eine gute Maßnahme, um die Rezession nicht tiefer werden zu lassen, sagte er. In schwierigen Zeiten seien Mut und Kreativität gefordert. Daneben müsse die Politik auch die Frage der "kalten Steuerprogression" anpacken. Durch höhere Besteuerung würden Lohnzuwächse teilweise wieder aufgefressen.

Positive Faktoren für privaten Konsum

Für den privaten Konsum im kommenden Jahr sieht Wübbenhorst nicht schwarz. "Wir halten ein Wachstum von 0,5 Prozent für möglich", sagte er. Deutschland stehe zwar vor einem schwierigen Jahr; es gebe aber auch positive Faktoren. Die Arbeitslosigkeit sei niedrig, die Inflationsrate nicht mehr so hoch, und die jüngsten Tarifabschlüsse seien in Ordnung gewesen. "Man muss den Konsum für 2009 nicht
abschreiben", sagte der Vorstandschef des größten deutschen Marktforschungsinstituts.

Schlechte Stimmung in der Wirtschaft, bessere im Volk

Erst am Montag hatte das Münchner ifo Institut über eine weitere Verschlechterung der Stimmung in der deutschen Wirtschaft berichtet. Der ifo-Geschäftsklimaindex sank im Zuge der weltweiten Finanzkrise im November zum sechsten Mal in Folge von 90,2 Punkten im Vormonat auf 85,8 Punkte.

Damit ist die Stimmung in der deutschen Wirtschaft so schlecht wie seit 15 Jahren nicht mehr. In einer Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) rechnete ein Drittel der Unternehmen für das kommende Jahr mit Stellenabbau.

Doch die Verbraucher haben sich nach Wübbenhorts Worten bisher von der zunehmend schlechten Stimmung in der Wirtschaft noch nicht anstecken lassen. Die Einkommenserwartungen der Bürger seien im November ebenso gestiegen wie die Anschaffungsneigung. Für das Weihnachtsgeschäft gebe es deshalb keinen Anlass zu übertriebenem Pessimismus. "Die Konsumenten möchten sich das Weihnachtsfest nicht verderben lassen", sagte Wübbenhorst.