Die Stimmung der Verbraucher hat sich im April leicht eingetrübt. Konjunktur- und Einkommenserwartungen der Deutschen gehen zurück. Doch es gibt auch eine gute Nachricht für den Einzelhandel.

Höhere Preise, die Atomkatastrophe in Japan sowie sich ausweitende politische Unruhen in Nordafrika und Nahost lassen die Rahmenbedingungen für die Konsumenten im Augenblick nicht mehr ganz so erfreulich erscheinen.

"Dies äußert sich im April dieses Jahres vor allem in einer weniger optimistischen Konjunktur- und Einkommensstimmung", bilanzieren die Marktforscher der GfK in ihrem monatlichen Konsumklima-Index. Doch es gibt auch gute Nachrichten aus Nürnberg: "Die Anschaffungsneigung dagegen kann ihr gutes Niveau halten."

Privater Konsum als Stütze der Konjunktur

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle münzt den nur leichten Rückgang im Index daher auch in eine Erfolgsmeldung um: "Die Reaktorkatastrophe in Japan, steigende Energie- und Rohstoffpreise und die anhaltenden Unruhen in Nordafrika und der arabischen Welt haben zwar ein paar Wolken am Konsumhimmel aufziehen lassen. Gleichwohl zeigt aber das weiterhin hohe Niveau des Konsumklimas, dass die Verbraucher die Auswirkungen dieser Ereignisse auf die deutsche Wirtschaft bislang als begrenzt beurteilen", verlautbart der Minister in einer Pressemitteilung.

"Diese Einschätzung steht auch im Einklang mit Ergebnissen aus jüngsten Unternehmensbefragungen. Der Aufschwung in Deutschland steht auf einer soliden Grundlage. Der private Konsum wird in diesem Jahr eine entscheidende Stütze bleiben", gibt sich Brüderle zuversichtlich.

Konjunkturerwartung: trotz Rückgang weiter auf hohem Niveau

Der GfK-Konsumklima-Index besteht aus drei Indikatoren: Der Konjuktur- und Einkommenserwartung sowie der sogenannten Anschaffungsneigung der Verbraucher.

Nach etwas stärkeren Verlusten im Vormonat muss die Konjunkturerwartung im April vergleichsweise moderate Einbußen hinnehmen, stellen die GfK-Experten fest. Insgesamt gesehen liege das Niveau trotz des leichten Rückgangs aber immer noch ausgesprochen hoch.

"Der etwas stärker gewordene Gegenwind in der geopolitischen Großwetterlage hat bei der Konjunkturstimmung der Verbraucher seine Spuren hinterlassen", analysieren die Marktforscher. Gerade Deutschland als Exportnation sei in besonderer Weise auf ein ruhiges weltwirtschaftliches Umfeld angewiesen.

Einkommenserwartung: moderate Verluste

Die gesunkene Konjunkturerwartung zeigt auch bei der Einkommensstimmung ihre Spuren. Die Einkommenserwartung verliert im April 5,5 Punkte. Mit aktuell 35 Zählern liegt der Indikator trotzdem noch immer deutlich über seinem langjährigen Durchschnittswert von 0 Punkten.

Neben den weltwirtschaftlichen Risiken sei vor allem die zuletzt gestiegenen Preise für das gemäßigtere Einkommensklima verantwortlich. Rekordstände bei Benzin und Heizöl dämpfen die Kaufkraft der Konsumenten, so die GfK-Forscher.

Anschaffungsneigung: stabile Entwicklung

Im Gegensatz zu Einkommens- und Konjunkturerwartung zeigt sich die Anschaffungsneigung im April dieses Jahres nahezu unbeeindruckt. Der Indikator weist mit 34,2 Punkten fast exakt den gleichen Wert wie im Vormonat (34,3 Zähler) auf. Im Vorjahresvergleich verzeichnet der Indikator ein Plus von knapp 13 Punkten.

"Damit kann der Indikator sein gutes Niveau trotz weniger guter Rahmenbedingungen behaupten", heißt es aus Nürnberg. "Vor allem die exzellente Inlandskonjunktur mit zunehmender Beschäftigung sorgt offenbar weiter für eine rückläufige Angst vor Jobverlust". Dies gebe Planungssicherheit gerade im Hinblick auf größere Anschaffungen und verhindere derzeit ein Abrutschen der Konsumneigung aufgrund steigender Inflationsgefahren.

Konsumklima: leichter Rückgang

Der Gesamtindikator prognostiziert für Mai einen Wert von 5,7 Punkten nach 5,9 Punkten im April. Inwieweit sich dies zu einem Trend entwickeln kann, hängt in erster Linie vom weiteren Verlauf der weltweiten Rahmenbedingungen ab, so die GfK-Experten.

"Da die Voraussetzungen für eine gute Konsumkonjunktur im Inland selbst nach wie vor gegeben sind, dürfte der Konsum auch in den kommenden Monaten eine bedeutende Rolle spielen", heißt es. Vor allem vor dem Hintergrund einer zu erwartenden Verlangsamung des Exportwachstums werde es wichtig sein, neben den Ausfuhren ein zweites starkes Standbein für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland zu haben.