Das Insolvenzverfahren ist eröffnet, jetzt wird an einem Sanierungskonzept für die Arcandor-Töchter gebastelt. In der ersten Novemberhälfte muss alles unter Dach und Fach sein.

Nach der Eröffnung der Insolvenzverfahren für die wichtigsten Arcandor-Töchter wird mit Hochdruck an einem Sanierungskonzept für Karstadt und den Versandhändler Primondo gearbeitet. Spätestens bis zu den in der ersten Novemberhälfte angesetzten Gläubigerversammlungen müssten die Gespräche abgeschlossen sein, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg am Mittwoch in Essen.

Alle Beteiligten seien aufgefordert, Sanierungsbeiträge zu leisten. Dazu zählten neben den Beschäftigten auch die Vermieter der Warenhäuser. Noch bis in den Dienstagabend hinein hatte das Essener Amtsgericht insgesamt 40 vorliegende Anträge für Insolvenzverfahren von Arcandor-Gesellschaften bearbeitet und 37 Verfahren eröffnet.

Bei allen 37 Verfahren sei Görg als Insolvenzverwalter bestellt worden, sagte ein Sprecher. Zwei Verfahren für Quelle-Töchter wurden an das Amtsgericht in Fürth verwiesen. Ein weiteres für die myworld GmbH ging nach Frankfurt. In der vergangenen Woche hatte das Amtsgericht Fürth bereits die Verfahren für drei weitere Quelle-Töchter eröffnet.

Herzberg soll Verkauf an Metro vorangetrieben haben

Der überraschend aus dem Unternehmen ausgeschiedene Karstadt-Chef Stefan Herzberg soll nach Informationen der Financial Times Deutschland (FTD) eigenmächtig den Verkauf von Karstadt-Teilen an den Rivalen Metro vorangetrieben haben. Metro hatte erneut Interesse an Teilen von Karstadt bekundet.

Insolvenzverwalter Görg strebt dagegen einen Verkauf oder eine Sanierung von Karstadt als Ganzes an. Sprecher von Metro und des Insolvenzverwalters wollten sich zu dem Bericht nicht äußern.

Eicks Abfindung weiterhin in der Kritik

Zusammen mit Herzberg hatten vier weitere Vorstandsmitglieder sowie Vorstandschef Karl-Gerhard Eick das Unternehmen verlassen. Eick blieb auch weiterhin in der Kritik wegen seiner erwarteten Abfindung von 15 Millionen Euro.

Der Vorsitzende der CSU-Mittelstands- Union, Hans Michelbach, äußerte Unverständnis, dass "jemand für sechs Monate Erfolglosigkeit ein Erfolgshonorar für fünf volle Jahre erhält. Das ist völlig daneben. Es stellt das Leistungsprinzip auf den Kopf", sagte Michelbach in München. Eick hatte angekündigt, bis zu einem Drittel der Summe spenden zu wollen.

Madeleine Schickedanz soll mit 215 Millionen haften

Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz kann die Insolvenz nach einem Bericht des Magazins Stern teuer zu stehen kommen: Die 65-Jährige hafte mit bis zu 215 Millionen Euro ihres Privatvermögens für Kredite beim Bankhaus Sal. Oppenheim, die sie für den Kauf von Arcandor-Aktien aufgenommen habe, berichtete das Hamburger Magazin. Demnach hat Schickedanz am 16. Oktober 2008 alles verpfändet, was ihr in Deutschland persönlich und als Alleineigentümerin gehört.

Die Bank ließ sich nach dem Bericht Grundschulden von 215 Millionen Euro in die Grundbücher der Schickedanz-Anwesen eintragen. Mindestens elf Immobilien und Grundstücke könne die Bank seitdem per Zwangsvollstreckung einziehen und verkaufen, wenn Schickedanz bei Fälligkeit der Darlehen nicht zahlt, heißt es im Stern.

Verarmung droht nicht

Mitte Juli hatte Madeleine Schickedanz gesagt, wenn die Rettung von Arcandor scheitere und die Bankkredite fällig würden, drohe ihr der Verlust ihres gesamten Privatvermögens. Allerdings hat Schickedanz, die früher zu den reichsten Deutschen zählte, nach Recherchen des Stern vorgesorgt: Sie übertrug danach das größte Anwesen der Familie, die repräsentative Familienvilla mit Park bei Fürth, zum allergrößten Teil bereits 2005 ihrem Sohn. Schickedanz genieße dort lebenslanges Nutzungsrecht.