Der spanische Automobilhersteller Seat feiert mit einem 290 PS starken Leon "20 Jahre Cupra-Modelle" und freut sich auf seinen ersten SUV.

Was wusste das Topmanagement? Wer sind die wahren Schuldigen? Wie teuer wird die Affäre tatsächlich? Der Abgasskandal im Volkswagenkonzern beschäftigt auch fünf Monate nach Bekanntwerden noch immer interne Ermittler und die Öffentlichkeit.

Die vom Flensburger Kraftfahrt-Bundesamt angeordneten Rückrufe für die mit einer manipulierten Software bestückten Modelle verlaufen dagegen bislang vergleichweise unspektakulär. Von Problemen ist nach derzeitigem Stand nichts bekannt. Nach dem Start mit dem allerdings weniger volumenreichen Pick-up-Modell Amarok erhalten in diesen Tagen Passat-Besitzer die Aufforderung zum Werkstattbesuch. Dann wird es in den Partnerbetrieben sicher turbulenter.

Auch Seat startet Rückrufaktion

Im Windschatten der mächtigen Konzernmutter hat nun auch die spanische VW-Tochter Seat die Rückrufaktion für ihre mit dem 2,0-Liter-Dieselmotor mit der Werkskennung EA 189 ausgerüsteten Fahrzeuge begonnen. Seit Beginn dieser Woche erhalten die Halter eine erste schriftliche Information. Mit einem zweiten Schreiben werden die Kunden dann konkret aufgefordert, einen Termin bei einem autorisierten Seat-Partner zu vereinbaren. Ab nächsten Monat sollen die betroffenen Modelle von der Betrugssoftware befreit und in einen gesetzestreuen Zustand versetzt werden.

Natürlich kam der aus Wolfsburg eingeschleppte Skandal für Seat zur Unzeit. Gerade hatte sich das spanische Sorgenkind berappelt, die Absatzzahlen kontinuierlich gesteigert und 2015 erstmals seit 2007 weltweit wieder mehr als 400.000 Fahrzeuge abgesetzt.

Deutschland wichtigster Markt – noch vor Spanien

In Deutschland kommen Ibiza, Leon, Alhambra und Co. sogar besonders gut an. Fast 95.000 Zulassungen verbuchte der Importeur mit Sitz in Weiterstadt laut Kraftfahrt-Bundesamt im vergangenen Jahr – und repräsentiert damit den wichtigsten Absatzmarkt der Marke weltweit, sogar noch vor der spanischen Heimat.

Jetzt scheint die Kundschaft in Folge der Dieseldebatte allerdings doch einige Zweifel an den Produkten zu hegen. Schon im Dezember und erneut im Januar mussten Geschäftsführer Bernhard Bauer und sein Team einen Dämpfer (jeweils minus 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat) hinnehmen. Und dem Vernehmen nach schoben Hersteller und Händler zum Jahresbeginn das Geschäft mit einer Eigenzulasungsquote von mehr als 50 Prozent auch noch extrem an.

Erster SUV steht ab Juli zum Verkauf

Foto: Seat
Foto: Seat
So hofft die Marke aus Martorell, dass sich die Wogen um den Dieselbetrug durch eine reibungs- und geräuschlose Umrüstung nun endlich glätten und dass der lange ersehnte neue Kompakt-SUV namens Ateca in dem boomenden Segment auch tatsächlich wie erwartet einschlägt. Ab Juli steht der 4,36 Meter kurze Trendsetter zum Verkauf. Die ersten Bilder sind verheißungsvoll...

Bis dahin drücken die Spanier nach der Einführung des schnellen Ibiza zunächst weiter die Sporttaste, feiern "20 Jahre Cupra-Modelle" und spendieren dem bislang schon nicht untermotorisierten Leon Cupra nochmals zehn zusätzliche Pferdestärken. Der Kraftmeier aus Katalonien kommt damit auf 213 kW/290 PS und braucht sich im aktuellen Wettrüsten der Branche mit BMW M 2, Ford Focus RS oder dem VW Golf R nicht zu verstecken. Die Preise starten bei 33.120 Euro für den coupéhaften Zweitürer. Der Kombi für eilige Transporteure kostet wenigstens 34.450 Euro.

Bei 2 Prozent Verkaufsanteil an der gesamten Leon-Baureihe wird der Cupra die Absatzzahlen zwar kaum nennenswert in die Höhe treiben. "Das ist eher unser Imageträger", begründet Unternehmenssprecherin Melanie Stöckl aber den Aufwand um den Alltagssportwagen. Und am Image können die VW-Marken in diesen Skandaltagen gar nicht genug feilen.

Bernd Nusser