Die Handelsbranche ist deutlich stärker von der restriktiven Kreditvergabe betroffen als anderer Wirtschaftszweige. Das ergab eine Umfrage des Branchenverbands HDE.

"Die Krise hat sich deutlich negativ auf die Finanzierungsbedingungen für den Einzelhandel ausgewirkt. Von Kreditklemme zu sprechen, ist aber nach wie vor unzutreffend", erklärte heute in Berlin Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE).

Der Verband  hatte im Rahmen einer Umfrage der staatlichen Förderbank KfW Einzelhandelsunternehmen zu ihrer Finanzierungssituation befragt. Dabei gaben knapp 40 Prozent der Handelsbetriebe an, dass sich die Bedingungen für die Kreditaufnahme erheblich erschwert haben.

Ein Viertel der Händler hat drastische Schwierigkeiten beim Kreditzugang

Die Handelsbranchen hat sowohl im Vergleich zum Vorjahr (36 Prozent) als auch im Vergleich zu allen anderen Wirtschaftszweigen (36 Prozent) deutlich größere Schwierigkeiten bei der Finanzierung. Mehr als 26 Prozent der Einzelhandelsunternehmen gaben sogar Probleme an, überhaupt noch Kredite zu bekommen.

"Ursache dieser Benachteiligung ist vor allem die Struktur des Einzelhandels, der überwiegend aus kleinen und mittelständischen Unternehmen besteht", sagte Genth. „Ein hoher Finanzierungsbedarf für Miete, Ausstattung und Warenbestand geht im Handel zumeist mit einer vergleichsweise geringen Eigenkapitalausstattung einher". Einzelhandelsunternehmen seien überproportional stärker von der Krise betroffen und hätten weniger Alternativen, an Finanzierungsmittel zu kommen.

Gestiegene Anforderungen an die Dokumentation

Als Gründe für die gewachsenen Probleme mit den Kreditinstituten würden die Handelsbetriebe die gestiegenen Anforderungen an die Dokumentation (49 Prozent), die Offenlegung von Informationen (48 Prozent) und die gestiegene Bearbeitungs- und Entscheidungsdauer nennen. „Gerade in schwierigen Zeiten bedeuten zeitliche Verzögerungen und bürokratischen Hürden bei der Finanzierung schnell das Aus", warnte der HDE-Chef.