Die technische Struktur des Internet leidet unter einem Problem, das die Funktion des Netzes zukünftig bedeutend stören könnte: Große Überkapazitäten, die sich in den Boomjahren angehäuft haben, führen zu einer Pleitewelle der Carrier.

Nach dem Aus des bedeutenden niederländischen Internet-Providers Ebone haben viele Experten einen Kollaps des Internet-Verkehrs in Europa erwartet. In diesem Fall blieb das Netz davon verschont. Verschärft sich allerdings die finanzielle Lage der Carrier, können in Zukunft massive Probleme auftreten, warnt das Computermagazin c't in seiner aktuellen Ausgabe.

Obwohl Ebone seine so genannten Backbones, die zentralen Datenleitungen zur Verbindung der Einzelnetze im Internet, abgeschaltet habe, sei die Geschwindigkeit der Internetzugänge in Deutschland auf konstantem Niveau geblieben. Die Verbindungen zwischen verschiedenen Netzen und weltweit verteilten Austauschknoten verhinderten, dass die Abschaltung einzelner Teile das gesamte Internet lahm lege. Fast immer führten verschiedene Wege die Daten zu ihren Zielrechnern.

Doch die technische Struktur des Internet leide unter einem Problem, das die Funktion des Netzes zukünftig bedeutend stören könnte, meint c't-Redakteur Jürgen Kuri. Große Überkapazitäten, die sich in den Boomjahren angehäuft hätten, führten zu einer Pleitewelle der Carrier. Bereits jetzt konzentriere sich die Internet-Infrastruktur auf wenige große Anbieter, deren Backbones unerlässlich für den Datenfluss seien. Fielen nur wenige von ihnen weg, würden Internet-Nutzer die Folgen an langsamen Datenflüssen deutlich zu spüren bekommen. Die schlechte finanzielle Lage der Anbieter habe auch zur Folge, dass wenig Ressourcen für die Entwicklung neuer Techniken zur Verfügung stünden.

Ein ständiges Auf und Ab von Überkapazitäten und Performance-Engpässen, in der Halbleiterbranche "Schweinezyklus" genannt, könne aber weder im Interesse der Industrie noch der Internet-Nutzer liegen. "Das Wachstum des Datenaufkommens im Internet mag sich verlangsamt haben", so Kuri. "Gestoppt ist es bei weitem nicht." (ST)