Die Möbelbranche hofft, vom Wirtschaftsaufschwung zu profitieren. Denn die Verbraucherstimmung ist gut - und mit Designerküchen kann man inzwischen besser angeben als mit so manchem Auto.

Es ist ein langsames Comeback: Im vergangenen Jahr brach der Umsatz der deutschen Möbelindustrie um 11,4 Prozent auf rund 18,2 Milliarden Euro ein, jetzt aber geht es wieder bergauf. Zwar erwarten die Möbelhersteller nicht, den weniger extrem als in anderen Branchen ausgefallenen Rückgang schon in diesem Jahr aufzuholen.

Aber bis Ende 2012 gebe es eine Chance, das Vorkrisenniveau wieder zu erreichen, sagt der Präsident des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM), Elmar Duffner. Die Branche brauche noch Zeit.

Doch Deutschlands Möbelhersteller sind optimistisch. Nach Duffners Einschätzung sind Wohnen und Einrichten Zukunftsthemen: "Vor allem die Küchen profitieren." Besonders der Luxusmarkt beschäftige sich zunehmend mit Fragen wie Umwelt und Nachhaltigkeit.

"Vieles, was weniger perfekt ist, hat künftig keine Chance mehr", sagte der VDM-Präsident, der auch Chef des Luxusküchenherstellers Poggenpohl ist. Im Moment allerdings verhielten sich die Verbraucher noch vorsichtig - der Möbelkauf kann sich eben als echte Investition herausstellen.

Branche hofft auf Plus von 5 Prozent

Doch nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ist die Stimmung der Verbraucher so gut wie lange nicht. Ikea, großer Konkurrent und Marktführer unter den Möbelmärkten, steigerte seinen Umsatz in Deutschland im Geschäftsjahr 2009/2010 (Stichtag 31. August) um 4,2 Prozent auf 3,48 Milliarden Euro. Allerdings entfielen den Angaben zufolge nur 60 Prozent des Umsatzes auf Möbel.

Im kommenden Jahr wird für den internationalen Möbelhandel jedoch ein Plus von 5 Prozent vorhergesagt. Zwischen Januar und September stieg der Umsatz der deutschen Möbelindustrie um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, allein im September um 3,6 Prozent.

Im Gesamtjahr 2010 erwarte er ein Plus von bis zu 3 Prozent, kündigt Duffner an. Und 2011? "Unsere Mindesterwartung ist, eine Entwicklung wie in diesem Jahr zu sehen - was uns immer noch nicht auf das alte Niveau hievt", sagt der VDM-Präsident. Um das zu erreichen, müssten sich vor allem wichtige Märkte wie der niederländische erholen.

Export erholt sich - außer in die Niederlande

Allerdings sank der Export der deutschen Möbelbauer in das Nachbarland in den ersten neun Monaten um 10,9 Prozent auf 575 Millionen Euro. Insgesamt erholte sich der Export in dem Zeitraum um 8,4 Prozent.

Die Beschäftigung - im vergangenen Jahr auf gut 100.000 Mitarbeiter in den Betrieben recht spürbar gesunken und zwischen Januar und September 2010 um 3,4 Prozent rückläufig -  werde eher stabil bleiben, sagt Duffner. "Kurzarbeit ist kaum mehr ein Thema."

Besser als das erste soll das zweite Halbjahr 2010 ausfallen - zumindest in der Küchenmöbelbranche. Der Einbruch 2009 sei in dem Segment im Ausland "sehr stark", aber im Inland gar nicht bemerkbar gewesen, sagt Lucas Heumann, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der deutschen Küchenmöbelindustrie.

Bis Ende September verzeichneten die Hersteller ein Plus von 0,52 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro, dabei war das Wachstum im Ausland mit einem Plus von 1,8 Prozent deutlich stärker - im Inland gab es ein leichtes Minus von 0,23 Prozent.

"In Asien merken Sie von der Krise gar nichts", sagt Heumann. Kritisch sei es in den USA und Spanien - bis vor zwei Jahren einer der großen Wachstumsmärkte: "Das tut schon weh." 2011 erwartet er ein Wachstum von 2 bis 3 Prozent.

Büromöbel schwächeln

Die bessere Verbraucherstimmung macht sich wohl schon bemerkbar, nachdem die Möbelbranche ursprünglich einen Umsatzrückgang erwartet hatte: Konsummöbel, also Wohnmöbel und Küchenmöbel, seien in den ersten neun Monaten besser gelaufen als Büromöbel, die ein Minus von 4,7 Prozent verbuchten, erläutert Duffner. Unternehmen halten sich demnach noch zurück.

Auch der Versandhändler Takkt bleibt beispielsweise Medienberichten zufolge derzeit auf seinen Luxus-Büromöbeln sitzen und hatte den Wert der Geschäftssparte entsprechend in der Bilanz reduziert - mit der Folge, dass das Ergebnis des Unternehmens im laufenden Jahr um knapp 13 Millionen Euro niedriger ausfallen wird. 

Hoffnung Export

Ausbauen lässt sich nach Duffners Meinung jedoch der Export - in den ersten drei Quartalen lag die Exportquote bei 27,5 Prozent, bei Küchen bei 37,2 Prozent. Helfen mag da besonders den Herstellern von Küchenmöbeln ein Wertewandel, den eine Studie der Unternehmensberatung Progenium festgestellt haben will: Demnach sieht nur noch eine Minderheit beispielsweise das Auto als Statussymbol.

Interessanter werden dagegen Kleidung, Reisen oder Smartphones wie das iPhone von Apple. Oder auch Designerküchen, die offensichtlich mehr Glanz verbreiten als viele Autobauer.