In Großbritannien gibt es nun einen Pilot-Supermarkt, in dem nur mit Karte oder Smartphone bezahlt werden kann. Ganz selbstverständlich geschieht das an SB-Kassen. In Deutschland ist Bargeld König – und das sogenannte Self-Scanning steckt noch in den Kinderschuhen. Das liegt offenbar nicht an den Kunden.

In Großbritannien hat vor kurzem die erste Supermarkt-Filiale ohne Bargeld eröffnet, berichtete die "Lebensmittelzeitung". Und bezahlen können die Kunden an fünf Selbstbedienungskassen. Zugegeben: Bei der Filiale handelt es sich um einen nur 130 Quadratmeter großen Convenience Store des Supermarktfilialisten Waitrose, der in dem Pilotmarkt die Mitarbeiter des Fernsehsenders Sky in London bedient.

Doch neben dem interessanten Fakt, dass zum ersten Mal in einem Supermarkt nur per Karte oder Smartphone bezahlt werden kann, zeigt das Projekt ganz nebenbei, dass auch sogenannte SB-Kassen in Ländern wie Großbritannien selbstverständlich sind. Das ist auch in anderen europäischen Ländern wie den Niederlanden, Frankreich und Skandinavien so.

310 Geschäfte mit SB-Kassen deutschlandweit

Im deutschen Einzelhandel hingegen gibt es bisher noch wenig Angebote mit Self-Checkout-Systemen. Derzeit finden sich bundesweit 300 bis 310 Geschäfte mit stationären SB-Kassen, ist das Ergebnis einer Studie des EHI Retail Institutes. Beim stationären Self-Checkout scannt der Kunde am Ende des Einkaufs jedes einzelne Produkt selbst ein und verpackt es in bereitgestellte Tüten oder mitgebrachte Taschen. Danach bezahlt er den Einkauf an einem Automaten per Karte oder bar.

Nur rund 25 Geschäfte hierzulande bieten laut EHI mobiles Self-Scanning an. Beim mobilen Self-Scanning erhält der Kunde bereits am Eingang des Geschäftes ein Lesegerät und scannt die Artikel während des Einkaufs mit dem mobilen Erfassungsgeräts selbst ein. Am Ende des Einkaufs werden die Daten in das Kassensystem übernommen und der Kunde zahlt an einem Automaten oder an einer Extrakasse. Die Nutzung der mobilen Self-Scanning-Lösungen setzt zumeist eine vorherige Registrierung mit Angabe persönlicher Daten voraus.

Kunden offen für SB-Kassen

Dass es in Deutschland nur so wenig Self-Scanning-Angebote gibt, liege aber weniger an der Kundenakzeptanz, so ein Ergebnis der EHI-Kundenbefragung „Self-Scanning Systeme“: Nahezu alle Nutzer von mobilen Self-Scanning-Systemen, nämlich 99 Prozent, sind zufrieden mit dem Service.

Daher seien die Nutzer der Self-Scanning-Systeme sehr loyal: 61 Prozent von ihnen nutzten diesen Service immer und 36 Prozent häufig. Die größte Gruppe der Self-Scanning-Fans seien die 30 bis 39-Jährigen, knapp zwei Drittel von ihnen gehören zu den immer oder häufigen Nutzern.

Zeitersparnis und kein erneutes Umpacken

Als Grund für die Nutzung der SB-Kassen sagten 96 Prozent, dass sie den Komfort schätzen, die Ware an der Kasse nicht noch einmal umpacken zu müssen. Zudem nannten sie Zeitersparnis, die Vermeidung von Wartezeiten an der Kasse, als weiteren Grund.

Nicht als störend empfinden die Befragten hingegen eine Stichprobenkontrolle ihres Einkaufskorbs. 90 Prozent der Nutzer zeigten dafür Verständnis oder fühlten sich nach erfolgreicher Prüfung bestätigt, alles richtig gemacht zu haben. Nur wenige bemängelten den dadurch entstehenden Zeitverlust oder empfanden diese Rescans als zu häufig sowie unangenehm, weil ihnen Fehlverhalten unterstellt würde.

Von denjenigen, die Self-Scanning nicht nutzen, gaben 35 Prozent die Registrierungspflicht als Störfaktor an und 38 Prozent mochten aus Datenschutzgründen keine persönlichen Angaben machen.
Für die Umfrage befragte das Institut 246 Kunden dreier Lebensmittelhändler, die Self-Scanning anbieten.