Cash bleibt King an den Kassen des deutschen Einzelhandels, doch der Bargeldanteil sinkt. Die aktuelle Studie des EHI Retail Institutes zur Zahlungsentwicklung im Handel fördert überraschendes zu Tage.

Der Anteil der Bargeldzahlungen an den Kassen des deutschen Einzelhandels ist im vergangenen Jahr um 1,2 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr gesunken. 57,2 Prozent des gesamten Handelsumsatzes (ohne Apotheken, KfZ-Handel und Tankstellen) wurden laut der aktuellen Studie des EHI Retail Institutes zur Entwicklung der Zahlungsverfahren im Handel im Jahr 2011 mit Scheinen und Münzen bezahlt.

Damit verstetigt sich die Entwicklung, die seit einigen Jahren in der alljährlichen EHI Studie zu beobachten ist: der Bargeldanteil im Handels sinkt von Jahr zu Jahr um rund einen Prozentpunkt. 2010 lag er bei 58,4 Prozent, 2009 bei 59,1 Prozent - während im Jahr 1994 noch 78,7 Prozent des Handelsumsatzes mit Bargeld erlöst wurde.

Jeder fünfte Euro mit Karte und PIN-Eingabe, ELV legt zu

Gut jeder fünfte Euro im Handel wird inzwischen über das girocard-Verfahren der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) mit Debitkarte und PIN-Eingabe bezahlt (20,7 Prozent), eine Steigerung um 0,8 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Rund 80 Prozent des gesamten girocard-Umsatzes der DK werden laut EHI damit im Einzelhandel realisiert. Nach Schätzungen des EHI beliefen sich die Einnahmen der deutschen Banken aus den girocard-Gebühren im vergangenen Jahr auf rund 251 Millionen Euro. 

Trotz Gegenwind von Datenschützern und Presseartikeln über Kontenabfragen, Bonitätsprüfungen und Sperrdateien stieg der Anteil der Kartenzahlungen im elektronischen Lastschriftverfahren (ELV) auch im vergangenen Jahr erneut an. Nach wie vor erfreut sich das kostengünstige Kartenverfahren mit Unterschrift im Einzelhandel einer wachsenden Beliebtheit.

Jede dritte Kartenzahlung und insgesamt 12,6 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes werden tagtäglich an den Ladenkassen über das "wilde Lastschriftverfahren" abgewickelt, dass einst von Peek & Cloppenburg und der Deutschen Bank entwickelte wurde. Im ELV-Verfahren fallen keine Bankgebühren für die Kartenzahlungen an, dafür erhält der Händler jedoch auch keine Zahlungsgarantie von der kartenausgebenden Bank, wie es im girocard-Verfahren (früher EC-Karte) mit PIN-Eingabe der Fall ist.

Zukunft des ELV-Verfahrens ungewiss

Grafik: EHI Retail Institute
Grafik: EHI Retail Institute
Im Zuge der Single Euro Payments Area (SEPA) wird es Lastschriften in der bislang in Deutschland gebräuchlichen Form nicht mehr geben. Das europäische Parlament hat endgültig beschlossen, die bargeldlosen Zahlungsverfahren Überweisung, Lastschriften und Kartentransaktionen europaweit zu vereinheitlichen. Die etablierten nationalen Verfahren werden zum Stichtag 1. Februar 2014 zwangsweise durch die neuen SEPA-Verfahren ersetzt.

Zwar ist es dem Handelsverband HDE gelungen, für das nur in Deutschland bekannte ELV-Verfahren eine Übergangsfrist bis zum Februar 2016 durchzusetzen. Doch ob es gelingt, bis zu diesem Stichtag ein SEPA-konformes Lastschriftverfahren für Kartenzahlungen zu entwickeln, ist noch offen.

Der Anteil der Kreditkartenzahlung stieg ebenfalls leicht an, wenn auch Kreditkarten mit einem Anteil von mittlerweile 5,3 Prozent am gesamten Handelsumsatz an den Ladenkassen nach wie vor eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Kontaktlose Kartenzahlung als Hoffnungsträger

Insgesamt 151 Milliarden Euro werden im deutschen Einzelhandel mit Karten umgesetzt, das entspricht einem Anteil von 39,7 Prozent am Gesamtumsatz. Durch kontaktlose Zahlverfahren wie girogo sollen die Kartenzahlungen für die Kunden bequemer und schneller werden. Banken und Händler hoffen durch diese Technologie den Anteil der Kartenzahlungen in Zukunft weiter erhöhen zu können.

An der Studie zur Zahlungsentwicklung im Handel, deren Ergebnisse am heutigen Dienstag auf dem EHI Kartenkongress vorgestellt wurden, nahmen 510 Unternehmen aus 34 Handelsbranchen mit einem Brutto-Umsatz von 228,3 Milliarden Euro (2011) teil. Die Studie gilt in der Kartenbranche als verlässlichste Datenbasis zur Bezahlpraxis an den Kassen des deutschen Einzelhandels.