Mehr Transaktionen an den Ladenkassen, mehr ausgegebene Kreditkarten: Für Visa lief es auch in Deutschland gut im vergangenen Geschäftsjahr. Doch ein Wermutstropfen bleibt.

Die Kunden von Visa zücken ihre Kreditkarte häufiger - und für etwas geringere Beträge als früher. Der durchschnittliche Transaktionsbetrag sank im jetzt abgeschlossenen Geschäftsjahr um 3,6 Prozent auf rund 69 Euro, berichtete das Unternehmen. "Die Kreditkarte wird zum alltäglichen Zahlungsmittel", interpretiert Albrecht Kiel, der seit Oktober das Zentraleuropa-Geschäft von Visa verantwortet, die Entwicklung.

Parallel dazu stieg die Anzahl der ausgegebenen Kredit- und Bankkarten um 12 Prozent auf 59,1 Millionen Stück, die Visa-Transaktionen an den Ladenkassen hierzulande kletterten ebenfalls um 20 Prozent.

Nach den Verhandlungserfolgen mit neun der zehn großen Einzelhändler überrascht diese Entwicklung jedoch wenig: Außer Penny akzeptieren nun unter anderem Lidl, Aldi Nord und Süd, Rewe sowie viele Edekamärkte die Zahlung per Kreditkarte. Hauptgrund dafür ist die Deckelung der Kartengebühren. "Wir rechnen damit, dass sich dieser Trend fortsetzen und auf die mittelständischen Betriebe übergreifen wird", sagte Kiel.

Kontaktloses Bezahlen: Noch immer in den Kinderschuhen

Auch das kontaktlose Bezahlen kommt laut Kiel so langsam in Deutschland an. Zumindest der Ausbau der Infrastruktur geht voran: Etwa 100.000 Terminals sind mittlerweile für das Zahlen via NFC-Technik gerüstet, verkündete der Visa-Manager. Rund 350.000 weitere Terminals benötigten ein Software-Update. Die Anzahl kontaktloser Karten sei um 52 Prozent auf 4,1 Millionen gestiegen.

Das ist immer noch ein kleiner Anteil, in Relation zu den insgesamt 20,2 Millionen ausgegebenen Visa-Kreditkarten hierzulande. Deshalb nennt das Unternehmen auch nur europaweite Zahlen: Über eine Milliarde kontaktlose Transaktionen habe Visa im vergangenen Geschäftsjahr gezählt, sagt Kiel. In England, wo unter anderem die U-Bahn kontaktlos bezahlt werden kann, nutze mittlerweile jeder siebte diese Möglichkeit, "vor einem Jahr war es noch einer von 25." Polen gilt ebenfalls als  Vorzeigeland, wenn es um die Nutzung technischer Neuerungen im Zahlungsverkehr geht.

Mit Marketing-Aktionen wie dem "Cupgrade" in Kooperation mit Starbucks will das Kreditkarten-Unternehmen bei den deutschen Kunden das kontaktlose Bezahlen bekannter machen: Wer kontaktlos bezahlt, bekommt einen kostenlosen Upgrade auf die nächsthöhere Bechergröße.

Fusion mit Visa: Keine neuen Details

Was angesichts der im November bekanntgegebenen Fusion mit Visa Inc. auf die Händler zukommt, wollte Kiel immer noch nicht genauer erläutern. Im dritten Quartal soll die Übernahme von Visa Europe durch Visa Inc. abgeschlossen sein. Ganz allgemein sprach der Manager von Marketingmaßnahmen, zudem betonte er die Wichtigkeit der bestehenden Partnerschaften mit Banken und Händlern und bestätigte die Ersetzung von V.me durch Visa Checkout.

Neue Vertragsverhandlungen dürften eine Konsequenz der Verschmelzung sein. Die Händlerbanken beschwichtigen: Die kartenausgebenden Institute, die so genannten Issuer, und die Händlerbanken müssten nun mit Visa über neue Lizenzen und Regularien verhandeln. Für den Handel werde inhaltlich alles gleich bleiben, sagte Luca Zanotti, für rechtliche Fragen beim Acquirer Concardis verantwortlich. Einige Händler rechnen hingegen mit steigenden Kosten.