Ralf Ritter, Personalchef von Netto-Markendiscount, spricht im Interview über den Tarifvertrag mit Verdi, Mindestlöhne im Handel sowie die Gefahr weiterer Preiskämpfe.

Netto-Personalchef Ralf Ritter. (Foto: Steffen Gerth)
Netto-Personalchef Ralf Ritter. (Foto: Steffen Gerth)
Netto hat sich mit Verdi auf einen Tarifvertrag geeinigt. Ist das eine Reaktion auf die Forderung von Lidl-Chef Gehrig zur Einführung von Mindestlöhnen im Einzelhandel?
Die Gespräche zwischen unserem Unternehmen und Verdi begannen bereits im Frühjahr 2009. Oberste Ziele waren hierbei die Gleichbehandlung aller Mitarbeiter sowie ein einheitliches, flächendeckendes Betriebsratskonzept. Zu Beginn dieses Jahres ist es uns gelungen, dafür die tarifvertraglichen Voraussetzungen als Grundlage zu vereinbaren.

Braucht die Handelsbranche Mindestlöhne, um Lohndumping zu verhindern?
Wir setzen auf tariflich festgelegte Gehaltsstrukturen. Bei der Diskussion ist zu beachten, dass die Unternehmen, die den jeweiligen Tarifvertrag ordnungsgemäß anwenden, bereits schon Mindestlöhne in Form der Grundlöhne der untersten Tarifklassen haben. Mindestlöhne sind daher eher für die Handelsunternehmen von Bedeutung, die sich nicht wie Netto Marken-Discount tariflich binden wollen.

Im vergangenen Jahr gab es im Lebensmitteleinzelhandel zwölf Preissenkungsrunden. Wird dieser ruinöse Wettbewerb nicht auch auf Kosten der Mitarbeiter ausgetragen?
Die in Deutschland einmalige Wettbewerbssituation spiegelt sich auch in günstigen Verbraucherpreisen. Kundenumfragen haben gezeigt, dass Qualität und Auswahl neben dem Preis die wichtigsten Einkaufskriterien für deutsche Verbraucher sind. Allerdings müssen wir aufpassen, dass das Vertrauen der Kunden in die Qualität nicht durch die Fokussierung auf den Preis erschüttert wird. Die Vergütung der Mitarbeiter steht in keinem Zusammenhang zu Preissenkungsrunden.

Interview: Steffen Gerth

Dieses Interview erschien in der März-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel. Klicken Sie hier um ein kostenloses Probeexemplar anzufordern.