Überraschende Wende im Fall des angeschlagenen Baumarktkonzerns Praktiker: Der Vorstand verhandelt mit der Semper Constantia Bank über eine Alternative zum Notkredit von Anchorage.(Aktualisiert)

In einer Ad-hoc-Mitteilung gab der Vorstand der Praktiker AG am Donnerstagabend bekannt, "unverzüglich Verhandlungen mit der Semper Constantia Privatbank AG über ein von dieser gestern vorgelegtes, neues Kreditangebot aufzunehmen".

Damit kommt Bewegung in die seit Wochen andauernde Hängepartie um die Finanzierung des bereits eingeleiteten Restrukturierungskurs.

"Anchorage hatte in den Kreditverhandlungen Nachforderungen gestellt, die trotz Entgegenkommens der Beteiligten nicht umfänglich erfüllt werden konnten", heißt es in der Pflichtmitteilung.

Das ist eine überraschende Wendung. Noch am Donnerstagmorgen hatte ein Sprecher von Praktiker erklärt, dass mit keinen Erklärungen zum Verhandlungsstand zwischen Aufsichtsrat und Anchorage zu rechnen sei. Bislang hatte sich der amtierende Praktiker-Vorstand gegen das Angebot der Großaktionäre um Isabella de Krassny gestellt.

Ein "wesentlicher Schritt" für das Sanierungskonzept

"Mit Semper Constantia wurde bereits heute ein erstes Gespräch über das Kreditangebot und dessen Realisierungswahrscheinlichkeit geführt. Dieses ist positiv verlaufen und lässt erwarten, dass nunmehr ein Vertragsabschluss über die Super Senior Facility kurzfristig und zudem zu besseren Konditionen erfolgen wird", heißt es nun in der Mitteilung. Damit sei ein weiterer wesentlicher Schritt zur Realisierung des vom Vorstand und Aufsichtsrat beschlossenen Sanierungskonzepts erreicht.

Spannend wird nun die Frage, in wieweit de Krassny, Vertreterin der Großaktionäre Semper Constantia und Maseltov, nun auch ihre abweichende Vorstellungen zur operativen Führung des Konzerns umsetzen kann. Die Österreicherin vertraut auf den ehemaligen Obi-Manager Andreas Sandmann und ein von ihm ausgearbeitetes Sanierungskonzept

Die Börse bewertet die neuen Nachrichten über Praktiker überaus positiv: Der Kurs der Aktie reagierte am Freitagmorgen mit zweistelligen Zuwachsraten.

Erforderliches Volumen und bessere Konditionen

In einer am Nachmittag versendeten Pressemitteilung erklärte sich der Praktiker-Vorstandschef Kay Hafner zur Offerte der Semper Constantia Bank: "Dieses neue Angebot entspricht dem erforderlichen Finanzierungsvolumen, weist die notwendige Transaktionssicherheit auf und bietet deutlich bessere Zinskonditionen und Vertragsinhalte als das von Anchorage".

Foto: Hanno Bender
Foto: Hanno Bender
Die Privatbank werde die Finanzierung als Arrangeur strukturieren.  "Da bereits wesentliche offene Punkte bereinigt sind bietet sich auch die Chance, kurzfristig zu einem positiven Abschluss zu kommen", so Hafner. Durch das vorliegende Angebot werde Praktiker in die Lage versetzt, "das Restrukturierungskonzept und die strategische Neuausrichtung des Geschäftsmodells in Deutschland zügig und ohne Abstriche umzusetzen".

Welches Restrukturierungsprogramm unter wessen Führung nun bei Praktiker umgesetzt wird, bleibt nach der Mitteilung offen. Es spricht jedoch viel dafür, dass es das Konzept sein wird, für das Ex-Obi-Manager Andreas Sandmann auf der diesjährigen Hauptversammlung viel Applaus erhielt. Sandmann gilt als Wunschkandidat von de Krassny für den Vorstandsvorsitz bei der Praktiker AG.