Dem deutschen Lebensmittelhandel geht es relativ gut, die Branche ächzt jedoch unter dem wachsenden Preisdruck. Immerhin sollen die Lebensmittelpreise nicht weiter fallen.

Die neunte Preissenkungswelle seit Jahresbeginn sei derzeit eingeläutet, die Ernährungsindustrie habe jedoch bereits „alle Möglichkeiten" zur Preissenkung ausgereizt, sagte Sabine Eichner Lisboa vom Bundesverband der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) am Dienstag in Köln im Vorfeld der Nahrungsmittelmesse Anuga.

Die Ernährungsindustrie musste in den ersten sieben Monaten 2009 wegen der Preisreduzierungen ein nominales Umsatzminus von 4 Prozent auf 85,7 Milliarden Euro verdauen. Preisbereinigt bleibe die Branche fast stabil mit minus 0,3 Prozent, erläuterte Eichner Lisboa.

LEH: 2 Prozent Umsatzrückgang

Für den Handel sagte Michael Gerling als Hauptgeschäftsführer des BVL (Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels): "Wenn wir leiden, dann leiden wir unter den Preisen." Im vergangenen Jahr setzte der Lebensmittelhandel 164,3 Milliarden Euro um, ein reales Minus von 2,9 Prozent.

Nachdem die ersten sieben Monate einen preisbereinigten Rückgang um 2 Prozent brachten, werde bis Ende 2009 wohl eine leichte Verbesserung möglich sein, meinte Gerling. Der Verbraucher zeige sich bisher nahezu „krisenresistent".

Discounter profitieren vom Preiswettbewerb

Für Lebensmittel mussten Verbraucher im September rund 3 Prozent weniger Geld auf die Ladentheke legen als noch ein Jahr zuvor. Die Preise in Deutschland fallen laut BVE im europäischen Vergleich extrem niedrig aus.

Von dem starken Preiswettbewerb profitierten nach Angaben des BVL vor allem die Discounter. 2008 vergrößerten sie ihren Marktanteil auf fast 42 Prozent. Verlierer bleiben kleine Supermärkte und Verbrauchermärkte.

Die Trends auf der Anuga

Bei der Anuga (10.-14. Oktober) mit gut 6.500 Anbietern aus 97 Ländern stehen angesichts vieler übergewichtiger Menschen kalorienreduzierte Produkte wie „Anti-Fat-Food", aber auch Bio-Speisen oder vegetarische Nahrungsmittel im Fokus.

Koschere Produkte und Halal-Food - sie wenden sich vor allem an jüdische und muslimische Verbraucher - nehmen in diesem Jahr ebenfalls einen größeren Raum ein, wie die Koelnmesse mitteilte.

Außerdem reagiert die Branche auf eine wachsende Zahl von Senioren und Single-Haushalten: Die Packungen werden kleiner und „Wellness"- oder „Anti-Aging"-Speisen sollen den Appetit wecken.