Die Investitionen in Diebstahlpräventionen sind hoch - doch nicht ausreichend. Denn die Handelsbranche beklagt seit Jahren Milliardenverluste durch Langfinger.

Jedes Jahr verbuchen deutsche Einzelhändler sogenannte Inventurdifferenzen. Zuletzt war das ein Betrag in Höhe von 3,9 Milliarden Euro, der Geschäften unterm Strich fehlte, wie das Kölner Handelsforschungsinstituts EHI in einer Studie berechnet hat. Den größten Anteil machten dabei Ladendiebstähle durch Kunden mit geschätzt rund 2,1 Milliarden Euro aus.

Mitarbeiter sorgten für einen Schaden von fast 900 Millionen Euro an Warenverlusten, auf das Konto diebischer Lieferanten und Servicekräfte gehen demnach mehr als 300 Millionen Euro. Die restlichen rund 600 Millionen Euro Schaden entstehen durch organisatorische Mängel wie Fehlbuchungen, verlegte Ware oder Fehletikettierungen.

Die meisten Diebstähle bleiben unentdeckt

Bundesweit ist die Zahl der angezeigten Ladendiebstähle seit zehn Jahren rückläufig. Das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden registrierte vor gut zehn Jahren noch mehr als 500.000 Fälle pro Jahr, nach aktuellen Zahlen (2014) waren es knapp 346.000.

Fachleute vom EHI gehen davon aus, dass mehr als 98 Prozent der Ladendiebstähle unentdeckt bleibt. Bundesweit komme es jedes Jahr zu etwa 26 Millionen Delikten, schätzt EHI-Experte Frank Horst. "Kleine und relativ teure Waren werden besonders häufig gestohlen. Parfüm, Rasierklingen, Kosmetik- oder Elektronikartikel sind stark diebstahlgefährdet", sagt Horst.

Internationale Banden dominieren das Geschäft

Die meisten Diebstähle werden von organisierten Banden verursacht, überwiegend aus Osteuropa. Der Polizist Rolf Geckle, Ladendiebstahlsexperte am Karlsuher Polizeipräsidium, beschäftigt sich seit Jahren mit dieser "Branche" und stellt fest: "Es gibt hier eine zunehmende Globalisierung." Internationale Netzwerke haben Deutschland als Klau-Paradies auserkoren.

Dank Internet sind auch die Vertriebswege einfach geworden. Früher musste oft alles mühsam auf Flohmärkten verhökert werden. Heute geht der Verkauf via Web für alle zigmal schneller, die Renditen für die Langfinger steigen deswegen bis auf 80 Prozent des Verkaufspreises, sagt Kommissar Geckle.

Um gegen Inventurdifferenzen vorzugehen, investieren Einzelhändler pro Jahr rund 1,2 Milliarden Euro in Maßnahmen gegen Diebstahl, Betrug und Raub. Dazu zählen etwa Videoüberwachung, der Einsatz von Detekteien oder Mitarbeiterschulungen.