Land Rover präsentiert den modifizierten Kompakt-Geländewagen Freelander. Damit öffnet sich die britische Traditionsmarke auch wieder für das Flottengeschäft.

Zu dick, zu durstig. Nach dem Boom der Geländewagen kündigten voreilige Marktbeobachter unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise und im Zeichen der Umweltdebatte bereits schon wieder den Niedergang dieser Gattung an.

Doch die Offroader feiern fröhliche Urständ. In Deutschland verzeichnet das SUV-Segment Jahr für Jahr Wachstumsraten, 2010 legten die Allradler um weitere 20,6 Prozent auf insgesamt 295.254 Verkäufe zu. Das sind bereits 10,1 Prozent der Gesamtzulassungen. Auf den besonders florierenden Märkten in China, Indien, Brasilien oder Russland fallen die Steigerungsraten noch deutlicher aus.

30,6 Prozent Steigerung

Da nimmt es nicht weiter Wunder, dass ausgerechnet Land Rover, der Inbegriff für Geländewagen, hierzulande mit dem kräftigsten Umsatzplus aufhorchen lässt. 2010 legten die Briten in Deutschland um 30,6 Prozent auf 6.850 Zulassungen zu. So viel wie kein anderer Hersteller.

Ohnehin konnten sich nur noch Jaguar (8,8 Prozent), Porsche (6 Prozent) und BMW/Mini  (3,4 Prozent) im Vorjahresvergleich steigern. Weltweit entschieden sich immerhin 181.395 Kunden für einen Land Rover (plus 25,6 Prozent).

"2010 war für uns ein schönes Jahr"

Nach dem Absturz im Finanzkrisenjahr 2009, in dem die Marke nicht von der Abwrackprämie profitieren konnte, ist der Nischenhersteller nun wieder auf dem Niveau von 2008 angekommen. "2010 war für uns ein schönes Jahr. Und dieses Ergebnis wollen wir mindestens bestätigen, beziehungsweise leicht ausbauen", beschreibt Deutschland-Geschäftsführer Peter Modelhart die Vorgaben.

Dazu soll das Händlernetz von derzeit lediglich 95 Partnern rasch enger geknüpft werden.  "130 Händler sind für uns eine gute Größenordnung", sagt der Salzburger auf dem Chefsessel in Schwalbach am Taunus.

Mittelständler im Visier

Doch nicht nur die Anzahl der Verkaufsstützpunkte soll wachsen. Auch dem Geschäft mit gewerblichen Kunden nähert sich Land Rover wieder. "Mit aller Vorsicht. Wir haben schließlich aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt", wie Unternehmenssprecherin Andrea Leitner-Garnell erklärt.

Gemeinsam mit der Schwestermarke Jaguar nimmt Land Rover kleinere Flotten in mittelständischen Unternehmen ins Visier. Den Händlern steht bei der Betreuung potenzieller Dienstwagenfahrer neuerdings ein spezialisierter Ansprechpartner in der Importeurszentrale zur Seite.

Neues Modell kommt im Spätsommer

Größter Hoffnungsträger für die nahe Zukunft ist allerdings der Land Rover Evoque, der auf den jüngsten Messen schon für Furore sorgte. Doch bevor sich die unter dem indischen Tata-Konzern offensichtlich aufblühende Traditionsmarke mit dem futuristisch gezeichneten Evoque im Spätsommer auf die Lifestyle-Bühne wagt, schicken die Briten zunächst ihr kleinstes Modell, den Freelander, überarbeitet ins Rennen.

Und auch hier begibt sich die ehemalige Ford-Tochter auf neues Terrain. Der innen wie außen frisch geschminkte und technisch geliftete Freelander kann ab März zu Preisen ab 28.200 Euro nun auch mit Frontantrieb bestellt werden. Damit trägt Land Rover dem Zeitgeist Rechnung und bietet erstmals in der Unternehmensgeschichte ein Fahrzeug ohne Allradantrieb an. "Das ist keine Abkehr von unserer Philosophie, sondern ein Zusatzangebot, das den verstärkten Kundenwünschen Rechnung trägt", versichert Modelhart.

Sparsam wie noch nie

So sinkt neben dem Einstiegspreis auch der Durst. Der 75 Kilogramm leichtere Freelander mit dem Namenszusatz "eD4" ist mit einem Normverbrauch von 6 Litern (158 g/km) immerhin der sparsamste Land Rover, den es je gab.

Dafür sorgen der neue 2,2-Liter-Diesel (110 kW/150 PS) und die serienmäßige Start/Stopp-Funktion, die nun noch schneller reagiert und bereits bei Temperaturen ab dem Gefrierpunkt (bislang ab plus vier Grad) ihren Dienst verrichtet. Die maximale Anhängelast beträgt, wie beim im Handel bereits verfügbaren Allradmodell, unverändert 2.000 Kilogramm.

Gleichzeitig steht ab 36.400 Euro auch eine leistungsstärkere Version des Selbstzünders mit 140 kW/190 PS zur Wahl. Bei diesem Preis ist dann auch das Automatikgetriebe inklusive.
 
Bernd Nusser