Die Renner sind Rasierklingen, teure Modemarken sowie Smartphones: Auch 2014 wurde im Einzelhandel immens viel geklaut. Die Zahl der schweren Ladendiebstähle steigt weiter an.

Der Warenschwund bleibt ein großes Problem für den Einzelhandel, egal wie viel Geld er in Sicherheitstechnik investiert. Die Inventurdifferenzen betrugen im Jahr 2014 etwa 3,9 Milliarden Euro - wie im Jahr zuvor auch, meldet das EHI Retail Institute.

Mit einem Anteil von über 50 Prozent sind demnach Ladendiebstähle nach wie vor die Hauptursache des Warenschwunds.  Schätzungweise versursachen Diebstähle durch Kunden 2014 Schäden in Höhe von rund 2,1 Milliarden Euro. Den eigenen Mitarbeitern werden knapp 900 Millionen angelastet, Lieferanten sowie Servicekräften stehen für etwas mehr als 300 Millionen Euro an Warenverlusten. Die restlichen 600 Millionen Euro entfallen auf organisatorische Mängel, bilanziert das EHI.

Der ehrliche Kunde ist der Dumme

Die durchschnittliche Inventurdifferenz beträgt laut EHI 1 Prozent vom Umsatz, weitere Kosten entstehen durch Investitionen von rund 1,3 Milliarden Euro in Technik und Personal zum Diebstahlschutz.

Insgesamt gehen dem Einzelhandel durch Inventurdifferenzen und Investitionen zu deren Vermeidung 1,3 Prozent des Umsatzes beziehungsweise absolut rund 5,2 Milliarden Euro verloren, heißt es in der aktuellen Ausgabe der traditionellen EHI-Studie. Letztlich werde diese Summe in die Verkaufspreise einkalkuliert,  und jeder ehrliche Kunde zahle mit, heißt es. Der Mehrwertsteuerverlust, den der Staat durch Kundendiebstähle erfährt, beträgt rund 450 Millionen Euro jährlich, hat das EHI errechnet.

Immer mehr schwere Diebstähle

Bereits jetzt sind Personalschulungen zur Vermeidung von Inventurdifferenzen für fast alle befragten Unternehmen die wichtigste Maßnahme. Fast 30 Prozent planen zudem, diesen Bereich zukünftig weiter zu forcieren, wie durch Schulungen des Kassenpersonals sowie der Führungs- und Verkaufskräfte. 70 Prozent der 110 vom EHI befragten Unternehmen setzen Kamera- und Videotechnik unterschiedlicher Art als für den Kunden sichtbare Überwachungsmaßnahme ein.

Die angezeigten Ladendiebstähle sind 2014 laut polizeilicher Kriminalstatistik im Vergleich zum Vorjahr um 2,6 Prozent auf 365.373 Fälle gestiegen. Anlass zur Sorge bereitet, dass der einfache Ladendiebstahl zwar eher stagniert, schwere Ladendiebstähle (etwa von gesicherter Ware) aber stark zugenommen haben. In den zurückliegenden sieben Jahren haben sie sich mehr als verdoppelt.

Wie so oft: hohe Dunkelziffer

Die angezeigten Ladendiebstähle spiegeln laut EHI die tatsächlichen Verhältnisse nur sehr eingeschränkt, denn die polizeilichen Kriminalstatistiken erfassen nur einen Bruchteil der Taten - die Dunkelziffer liegt nach wie vor bei über 98 Prozent. Setzt man den durchschnittlichen Schaden der angezeigten Taten in Relation zu dem Anteil, den Kunden an den Inventurverlusten haben, ergibt sich, dass jährlich mehr als 26 Millionen Ladendiebstähle unentdeckt bleiben, schreibt das EHI weiter.

Den Lebensmittelhändlern werden vor allem kleine, teure Waren wie Parfüm, Kosmetik, Rasierklingen, Spirituosen oder Tabakwaren geklaut. Bei Bekleidung zeigen Diebe eine Vorliebe für hochwertige Marken und modische Accessoires wie Brillen, Tücher oder Modeschmuck. Im Elektronikhandel zählen Speichermedien, Konsolenspiele und Smartphones sowie deren Zubehör zu den beliebtesten Produkten von Dieben.