Der neue Galaxy unterstreicht Fords Bekenntnis zum Vansegment. Trotz vieler Annehmlichkeiten bleibt bei der dritten Generation auch noch Potenzial für Verbesserungen.

Alle Welt fährt SUV. Von wegen! Eine unbeugsame Dienstwagennutzerschaft hält dem Van die Treue. Vernünftiger ist die Entscheidung allemal: Stauraum und Variabilität sind im Handelsalltag schließlich deutlich häufiger gefragt als Geländetauglichkeit und trendiges Aussehen. Und in vielen Unternehmen bleiben die Offraoder aus den Fahrzeugkonfiguratoren ausgesperrt, während Vans geordert werden dürfen.

Mit Produktneuheiten halten die Automobilhersteller das Segment der Großraumlimousine auf jeden Fall am Leben. Der Branchenprimus VW Touran ist in neuer Fassung ebenso gefragt wie der 2er Gran Tourer von BMW als Neueinsteiger in der Vanszene. Und auch für Ford zahlt sich die Beharrlichkeit aus: Die im vergangenen Herbst eingeführte dritte Galaxy-Generation sorgt im Flottengeschäft für einen spürbaren Schub. Im ersten Halbjahr 2016 trug die größte von gleich vier angebotenen Van-Baureihen der Kölner, mit mehr als 1.000 Zulassungen zum Gesamterfolg des Unternehmens auf den Firmenparkplätzen (plus 29,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum) bei.

Angenehme Akustikkulisse

1996 als Zwilling des VW Sharan gestartet, hat sich der Galaxy in der dritten Auflage nun endgültig vom einstigen Kooperationspartner abgenabelt und auf Basis des Ford Mondeo zu innerer und äußerer Reife gefunden. Das macht sich am eindrucksvollsten an der angenehmen Akustikkulisse fest. Weder der 110 kW/150 PS-Diesel noch Fahrwerksgetöse oder Windgeräusche trüben das Wohlfühlambiente an Bord. Die Frontsitze kühlen, wärmen oder massieren Fahrer und Beifahrer wahlweise und unterstreichen damit den Langstreckenkomfort.

Das gilt auch für die zahllosen, durchdachten Ablagen. Selbst der Getränkehalter ist so konzipiert, dass er unterschiedliche Becherformate aufnehmen kann. Bis zu sieben Personen kommen im 4,85 Meter langen Gefährt mühelos unter und dank einer ausgeklügelten Klapp-Schiebe-Funktion der mittleren Stuhlreihe lässt sich das Heck auch ohne gymnastische Übung erreichen. Zumindest auf kurzen Strecken finden die Hinterbänkler dort ein kommodes Plätzchen.

Bis zu 2,3 Kubikmeter Ladevolumen

Händler chauffieren indes selten Menschen, dafür aber mehr Material. Dabei spielt der Galaxy seine Transportertalente aus. Im Nu sind die Sitze der zweiten und dritten Reihe zu einer ebenen Ladefläche umgeklappt. Vorbei die Zeiten, da der Vanfahrer kiloschwere Sitze ausbauen musste. Alles bleibt an Bord und verschwindet wie von Zauberhand. So ergeben sich mehr als 2,3 Kubikmeter Ladevolumen.

Und wie fährt sich nun der große Wagen? Ausgesprochen angenehm. Zum leisen Auftritt gesellt sich ein prächtiger Ausblick auf die vorliegende Straße. Die Frontscheibe erinnert schließlich an Lkw-Dimensionen. Allerdings: Beim Linksabbiegen trübt die massive A-Säule den Blick. Ein gattungstypisches Problem, für das die Ingenieure weiterhin keine Lösung zu finden scheinen.

Eindringlicher Abstandswarner

Wie heutzutage üblich, so verfügt auch der Van aus Valencia über eine Heerschar an Assistenzsystemen. Das auffälligste und wohl auch hilfreichste ist der eindringliche Abstandswarner. Das Fahrzeug überwacht permanent die Distanz zum vorausfahrenden Verkehr und meldet zu dichtes Auffahren mit einem massiven roten Balken in der Frontscheibe. Der wird bei noch weniger Abstand doppelt so lang – und spätestens dann steigt der Fahrer auf die Bremse, um das gefahrverheißende Rot wieder aus dem Sichtfeld zu eliminieren.

Viel Platz, viel Komfort, viel Technik – alles perfekt also im neuen Galaxy? Nicht ganz. Für die vierte Generation bleibt auf jeden Fall noch Verbesserungspotenzial: So ist der immerhin 110 kW/150 PS starke 2,0-Liter-Diesel mit der vollen Fuhre schlicht überfordert. Das gilt vor allem für die Allradvariante, die leer bereits mehr als 1,8 Tonnen auf die Waage bringt. Überholvorhänge wollen da gut überlegt werden und ohne fleißige Schaltarbeit ist kein zügiges Vorankommen möglich. Das wirkt sich dann negativ auf den Kraftstoffkonsum aus, der in der Praxis erheblich vom angegebenen Normverbrauchswert von 5,4 Litern abweicht.

Tipp: 135 kW/180 PS und elektrische Heckklappe

Foto: Ford:
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Wer noch „Luft“ in der Leasingrate hat, sollte tatsächlich besser die stärkere Variante mit 132 kW/180 PS wählen – zumal dann der Allradantrieb mit dem eigentlich zwingend notwendigen Automatikgetriebe kombiniert werden kann. Für die 150-PS-Variante lautet indes die klare Empfehlung: Automatik statt Allrad! Und gleich noch ein praktischer Hinweis: Für die Heckklappenbedienung sollte man sich die elektrische Betätigung (475 Euro) gönnen.

Weitere Einträge in das Beschwerdebuch gibt es für die Kartendarstellung der Navigation, die diverse Signets für Staus oder Baustellen einfach übereinander legt und so eher zur Verwirrung beiträgt. Auch das Sprachsystem, der ganze Stolz der Ford-Entwickler, ist nicht der Weisheit letzter Schluss. „Verkehrsbehinderung voraus“ ist die Lieblingsdurchsage der virtuellen Stimme. Allerdings: Entweder steht man dann schon seit etlichen Kilometern im Stau, oder aber die Strecke ist völlig frei. Uunverständlich bleibt auch, warum die Konstrukteure unmittelbar vor das Gaspedal einen hinderlichen Hügel in den Fußraum eingearbeitet haben…

Rund 45.000 Euro sollten einkalkuliert werden

Die Bruttolistenpreise für den 110 kW/150 PS-Diesel mit Vorderradantrieb beginnen bei 35.860 Euro. Automatik kostet 2.000 Euro Aufschlag. Wer sich für die besser ausgestattete Business-Variante entscheidet und noch einige der zumeist in Paketen verschnürten "Extras" odert, muss mit rund 45.000 Euro kalkulieren.

Bernd Nusser