Der Onlinehandel-Boom hält weiter an - doch das Internetgeschäft mit Lebensmitteln stockt noch etwas. Viele namhafte Handelsunternehmen haben jetzt ihre Konzepte  überarbeitet.

Wurst, Milch oder Butter per Mausklick kaufen - bislang nahmen die Verbraucher dieses Angebot noch wenig an. Auf Onlinebestellungen von Lebensmitteln soll gerade mal gut 1 Prozent des gesamten Umsatzes fallen. Vor allem bei Transport und Anlieferung verderblicher Ware hakte es oft. Viele Lebensmittelhändler gehen nun neue Wege: online bestellen und im Drive-in den Einkauf abholen, heißt ein Konzept.

Rewe testet den neuen Service bereits an sechs Standorten, darunter in Hamburg, in Köln und im Rhein-Main-Gebiet rund um Frankfurt. Dort kann man seine zuvor online bestellten Lebensmittel fertig gepackt in einem Drive-in-Bereich in den Märkten abholen. Die Bezahlung erfolgt an der Theke.

Drive-in-Konzept weiter ausbauen

"Der Kunde muss sich da nicht mehr selber die Ware in den Regalen zusammensuchen", sagt Sprecher Raimund Esser. Außerdem könne er auch den Abholtermin bestimmen. Der müsste allerdings in den Öffnungszeiten der Supermärkte liegen.

Die Tests liefen sehr gut - weitere Märkte sollen hinzukommen.
Noch vor Ende des Jahres soll es auch einen im Raum München geben. Im kommenden Jahr will Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler diesen Vertriebsweg noch weiter ausbauen.

Kunden mit viel Geld und wenig Zeit

"Das Konzept ist überall dort erfolgreich, wo Kunden leben, die viel arbeiten, gut verdienen, aber wenig Zeit haben", betont Esser. "Mann oder Frau bestellt bequem im Büro und holt die Ware auf dem Nachhauseweg ab." Vor allem in den Ballungsräumen komme das gut an. Auf dem Land funktioniere es eher weniger. Holt der Kunde die Ware selber ab, kostet das zusätzlich zwei Euro. Rewe bietet zudem noch einen Lieferservice "bis in die Wohnung" gegen eine Gebühr von fünf Euro.

Ähnliche Wege beschreitet auch die Metro-Tochter Real: Seit November vergangenen Jahres betreibt die SB-Warenhauskette einen sogenannten Drive-Markt im Raum Hannover. Einen weiteren gibt es jetzt im Großraum Köln. Im Internet können die Kunden aus mehr als 5.000 Artikeln wählen und mit wenigen Klicks ihren digitalen Einkaufswagen füllen.

Zu einem späteren Wunschtermin kann der Einkauf dann am Terminal des Drive-Marktes abgeholt werden. "Das bringt eine enorme Zeitersparnis mit sich: Der schwere Einkaufswagen muss nicht mehr geschoben werden, es gibt keine Wartezeiten an den Kassen", betont Sprecher Markus Jablonski.

Tengelmann-Gruppe seit zehn Jahren online aktiv

Die Tengelmann-Gruppe ist im Onlinegeschäft schon länger aktiv: Vor gut zehn Jahren startete sie als eine der Ersten einen Lebensmittel-Lieferdienst. In Berlin und München können Kunden im Internet aus 4.000 Produkten wählen und sich den Einkauf dann schicken lassen. Hauptsächlich junge Familien mit und ohne Kinder, Senioren, Kindergärten und kleine Unternehmen nutzen den Service, heißt es. Das Geschäft sei stark saisonabhängig. "Ist es besonders kalt oder besonders warm, dann haben wir die meisten Bestellungen."

Während der Lebensmittelhandel online noch nicht ganz so rund läuft, legt das Internetgeschäft mit Schuhen, Textilien, Unterhaltungselektronik und Computern ständig weiter zu. Für die ebenfalls zum Metro-Konzern gehörende Warenhauskette Kaufhof kommen die Zuwächse im deutschen Einzelhandel auch immer mehr aus dem Netz. Das Onlinesortiment werde daher um Mode und Accessoires erweitert.
Bis Ende des Jahres soll die neue Web-Filiale mehr als 40.000 Artikel umfassen.

Grenze zwischen E- und M-Commerce verschwindet

Dabei entkoppelt sich der Onlineeinkauf zunehmend vom heimischen Computer. "Unterwegs in der U-Bahn kauft man zwischen Status-Updates und Freundschaftsanfragen im Facebook-Shop einen neuen Mantel", heißt es beim Onlinehändler Otto in Hamburg, der mittlerweile 1,5 Millionen Artikelpositionen im Sortiment hat. Auch bei Real geht man davon aus, dass "Mobile Commerce" - der Einkauf per Smartphone - in Zukunft Teil des Alltags sein wird.

Der Bundesverband des Deutschen Versandhandels rechnet in diesem Jahr mit einem E-Commerce-Umsatz von 21,1 Milliarden Euro und damit 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Die ersten drei Quartale seien konstant erfolgreich verlaufen. In Kürze beginne das Weihnachtsgeschäft. "Wir richten nun gespannt den Blick nach vorn zum letzten und umsatztechnisch relevantesten Quartal", sagt Verbandsgeschäftsführer Christoph Wenk-Fischer.

Maren Martell
(dpa)