Ungeachtet wiederholter Kritik aus der Ernährungswirtschaft ist am Mittwoch das neue Verbraucherportal freigeschaltet worden - und trifft auf gewaltiges Interesse: Die Server sind zusammengebrochen.

Bei den Verbrauchern herrscht offenbar ein großes Bedürfnis, sich über die Kennzeichnung und Aufmachung von Lebensmitteln auszutauschen: Seit 13 Uhr ist das das neue Portal wegen Serverüberlastung nicht mehr aufrufbar. Damit wird ein Ziel erst einmal nicht erreicht: "Mehr Durchblick und Dialog bei der Lebensmittelkennzeichnung" soll die neue Internetplattform bringen, auf der Verbraucher Produkte melden können, durch die sie sich in die Irre geführt sehen. 

Den offiziellen Startschuss für die neue Plattform gab an diesem Mittwoch in Berlin Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner. Die Internetseite www.lebensmittelklarheit.de wird von den Verbraucherzentralen betrieben und vom Bundesverbraucherministerium gefördert.

Als die neue Plattform um 11 Uhr auf der Pressekonferenz präsentiert wurde, war das Portal noch für Nutzer erreichbar. Zwei Stunden später ging nichts mehr. Derzeit bemüht sich die Verbraucherzentrale um die Reparatur, teilte eine Sprecherin auf Anfrage von derhandel.de mit. Noch geht man davon aus, dass es sich lediglich um Serverüberlastung handelt und nicht um einen Hacker-Angriff wie bei Rewe.

"Missverständnisse ausräumen"

"Wir wollen Missverständnisse ausräumen, die Kommunikation zwischen Verbrauchern, Wirtschaft und Politik verbessern und potenzielle Quellen von Täuschung und Irreführung beseitigen", formulierte Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, den Anspruch des Portals.

Ob Analogkäse, Klebeschinken oder ESL-Milch - das Vertrauen der Bürger in die Lebensmittelbranche sei angekratzt. Das Portal startete mit zwanzig Produktbeispielen, die von Verbrauchern gemeldet, von der Redaktion bearbeitet und von den betroffenen Herstellern kommentiert wurden.

Kritik am Internetpranger

Unterdessen bekräftigte die Ernährungswirtschaft ihre Kritik an dem "modernen Internetpranger", die sich vor allem gegen die Nennung einzelner Produkte und Hersteller wendet. Bei der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) verweist man darauf, dass Lebensmittel und ihre Auszeichnung von den Behörden bereits streng kontrolliert würden.

"Niemand darf durch eine öffentliche Zurschaustellung betraft werden, wenn er sich an Recht und Gesetz hält. Ob dies der Fall ist, entscheiden die Kontrollbehörden und letztlich die Gerichte", wird BVE-Vorstand Jürgen Abraham in einer Erklärung zitiert.

Der BVE befürchtet unter anderem, dass Unternehmen das neue Internetportal nutzen könnten, um über Strohmänner Produkte von Wettbewerbern zu diffamieren.