Die legendäre Automarke Alfa Romeo ist fast in der Versenkung verschwunden. Mit der Giulia soll der Neustart gelingen. Ein Dieselmotor in drei Leistungsstufen macht die italienische Limousine auch für Flotten interessant.

Alfa Romeo? Da war doch was! Aber, lange nichts gehört. Bis an den Rand der Bedeutungslosigkeit und ans Ende der Zulassungsstatistik hat die Konzernmutter Fiat ihre sportliche Tochter mittlerweile gedrängt – jetzt sollen die einst so strahlende Marke Mailands und das traditionelle Scudetto im Kühlergrill endlich wieder glänzen.

Eine neue Giulia steht als Reminiszenz an die legendäre Sportlimousine aus dem Jahre 1962 bei den 190 deutschen Händlern, die seit dem 1. März mit neuen Verträgen am Netz sind. Und schon wähnt sich Alfa Romeo zurück. „Die Beliebtheit ist ungebrochen“, ist die nationale „Brand-Managerin“ Rebecca Reinermann von der Treue der eingefleischten Fans überzeugt und glaubt nach Jahren der Stagnation fest an den Neuanfang.

Sieben weitere Modelle sollen folgen

Fiat-Boss Sergio Marchionne hat dafür fünf Milliarden Euro locker gemacht, um sieben weitere Modelle entwickeln zu lassen, mit denen Alfa nun möglichst schnell aus dem Siechtum herausfahren will. Ein SUV darf heutzutage natürlich in keinem Portfolio fehlen. Das ist für Anfang 2017 angekündigt. Eine stattliche Limousine und der überfällige Nachfolger des Kompaktwagens Giulietta stehen zudem auf dem Einführungsplan. Zu den weiteren Neuheiten hält sich Rebecca Reinermann allerdings noch bedeckt.

Ebenfalls überfällig und ganz sicher auch überlebensnotwendig war zunächst die Kreation eines neuen Mittelklasseangebots, nachdem die Produktion des Modells 159 bereits 2011 ersatzlos eingestellt wurde. „Auf einem weißen Blatt Papier“, hätten die Konstrukteure begonnen, so die Deutschlandchefin: keine Konzernvorgaben, keine Gleichteile mit anderen Marken, Alfa pur.

Schnittiges Blechkleid, eher bescheidener Kofferraum

Herausgekommen ist ein 4,64 Meter langer Wagen mit Heckantrieb, schnittigem Blechkleid, attraktivem Innenraum, aber angesichts der Fahrzeuggröße eher bescheidenem Gepäckabteil (480 Liter Volumen). Hierzu sei gleich gesagt: Ein Kombi, wie einst bei 156 und 159, ist dem Vernehmen nach nicht mehr vorgesehen.

Dass es zum Start, zumindest bei den „zivilen“ Versionen, ausschließlich einen 2,2-Liter-Diesel in den Leistungsstufen 100 kW/136 PS, 110 kW/150 PS und 132 kW/180 PS mit einem Normverbrauchswert von jeweils 4,2 Litern gibt, steht einer Rückkehr auf die Firmenparkplätze zumindest nicht im Wege. Schließlich haben die Italiener auch ein „Business-Paket“ mit 6,5-Zoll-Navibildschirm und Parksensoren geschnürt, das Flottenkunden gezielt ansprechen soll.

Angesichts des Platzes im Armaturenbrett empfiehlt sich aber der größere Monitor mit 8,8 Zoll, der zumindest für die höhere Ausstattungsvariante „Super“ für 2.500 Euro als Option zur Verfügung steht. Die Listenpreise beginnen bei 33.100 Euro und reichen bis 39.650 Euro für den stärksten Selbstzünder mit Achtgang-Automatik. Im Herbst soll noch ein 2,0-Liter-Turbobenziner mit circa 200 PS folgen.

Topmodell ist der ganze Stolz der Marke

Und dann ist da noch der Quadrifoglio, das Spitzenmodell der Baureihe und der ganze Stolz der Marke. Ein 375 kW/510 PS starker Sechszylinder mit doppelter Turboaufladung, einer Beschleunigung von 0 auf Tempo 100 in 3,9 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit von 307 km/h soll belegen, dass die seit 1910 währende Sportwagen-Historie nicht in Vergessenheit geraten ist. Für 71.800 Euro können sich „Alfisti“ den Spaß für die Rennstrecke gönnen.

Bernd Nusser