Die Leipziger Innenstadt ist bei den Einzelhändlern sehr beliebt. Jedoch können sich die wenigsten die horrenden Mieten in den Toplagen leisten. Eine Immobile zu kaufen ist noch schwieriger.

Leipzig bleibt zwar ein attraktiver Standort für den Einzelhandel. Aber trotz erheblicher Flächenzuwächse sind die Mieten in der sächsischen Metropole nicht gesunken. So liegt der aktuelle Spitzenmietpreis unverändert bei 115 Euro pro Quadratmeter, zeigt die Studie "Retail Ticker Leipzig" des auf Einzelhandelsimmobilien spezialisierten Maklers Jones Lang LaSalle.

Insgesamt beziffert der Dienstleister die Einzelhandelsfläche in den innerstädtischen 1a-Lagen mit rund 270.000 Quadratmeter.

Die Petersstraße ist demnach die Toplage in Ostdeutschland. Entsprechend hoch sind die Mieten, die bei bis zu 115 Euro pro Quadratmeter liegen und seit 2005 um fast zehn Prozent gestiegen sind. Der Filialisierungsgrad liegt mit 90 Prozent auf dem Niveau der westdeutschen 1a-Lagen. Durch die Petersstraße flanieren bis zu 9.000 Personen pro Stunde, die in dieser Hinsicht zu den bundesweiten Top-Einkaufsstraßen zählt.

Neubauten beleben die Grimmaische Straße

Die Grimmaische Straße erfährt laut dem Immobiliendienstleister seit einigen Jahren einen starken Aufwärtstrend. Lange dominierte Galeria Kaufhof besonders den mittleren Teil der Lage. Der Neubau der Nachbargebäude bis zur Ecke Universitätsstraße und die Ansiedlung namhafter Einzelhändler hätten inzwischen aber zu einem umfassenden Qualitätsgewinn geführt.

Der Neubau der Universität Leipzig und rund 2.500 Quadratmeter neuer Einzelhandelsfläche hat besonders im östlichen Teil der Lage die Attraktivität erhöht. Auch der historische "Handelshof" hat nach einer sorgfältigen Restaurierung zahlreichen Einzelhändlern neue Standortoptionen eröffnet.

Die Ladenmieten erreichen in der Spitze derzeit bis zu 110 Euro pro Quadratmeter und legten seit 2005 um über 13 Prozent zu. Jüngster Neuzugang ist das britische Schuhlabel Clarks im früheren Puma-Store. Neben dem Spezialisten für Damen- und Herrenmode Empimo und L'Occitane eröffnete jüngst auch die Boutique Mico mit Antritt von der Reichsstraße. Das Objekt Grimmaische Straße 27-29 soll durch einen Neubau ersetzt werden.

Warenhäuser dominieren im Neumarkt

Der Neumarkt zählt demnach ebenfalls zu Leipzigs aufstrebenden Lagen. Über Mädler-Passage und Messehof besteht eine direkte Verbindung zur Toplage Petersstraße. Die beiden Kaufhäuser Galeria Kaufhof und Karstadt dominierten den Standort als Kundenmagneten.

Die Neugestaltung der Passagen hat offenbar ebenfalls zur Belebung beigetragen. Der südliche Teil des Neumarkts biete hingegen nur wenige Handelsflächen und wird aufgrund der Zufahrt zur Karstadt-Tiefgarage kaum von Passanten frequentiert. Die Mieten am Neumarkt erreichen in der Spitze derzeit bis zu 60 Euro pro Quadratmeter und werden nach Jones lang Lasalle voraussichtlich weiter steigen.

Die Nikolaistraße ist die "längste Einkaufsstraße der City", die überwiegend Gastronomie- und Telekommunikationskonzepte bietet. In Richtung Innenstadt dominieren regionale Trend- und Szeneläden sowie Restaurants und Straßencafés. Die Ladenmieten erreichten im ersten Halbjahr in der Spitze 55 Euro pro Quadratmeter.

Marktplatz: Herz der Innenstadt

Der historische Marktplatz stellt das Herz der Leipziger Innenstadt dar. Die Eröffnung der Marktgalerie mit dem Großmieter Breuninger in 2006 hat für einen starken Anstieg der Passantenfrequenz gesorgt. Von besonderer Bedeutung für die Zukunft der Lage ist der City Tunnel Leipzig, dessen Fertigstellung voraussichtlich 2013 erfolgt.

Die Karten für die Hainstraße werden neu gemischt. Nach dem Wegfall der Handelsnutzung in der so genannten Blechbüchse hatte die Lage ihren wichtigen Anker verloren. "Die weitere Entwicklung steht unter dem Einfluss der Höfe am Brühl, die mit 27.500 pro Quadratmeter Verkaufsfläche ab Ende 2011 neue Impulse setzen könnten" , sagt dazu Olaf Titze, Leiter Einzelhandelsvermietung bei Jones Lang LaSalle in Leipzig. Vorerst sei die Passantenfrequenz jedoch deutlich rückläufig und die Attraktivität der Lage hätte nachgelassen.

Die Karl-Liebknecht-Straße ist die Hauptverkehrsader im Leipziger Süden und eine der wichtigsten Ein- und Ausfallstraßen der Innenstadt. Sie entwickelt sich mehr und mehr zu einer Einzelhandelslage, wobei der Konsum- und Nahversorgungsaspekt im Vordergrund stehen.

Aber auch namhafte Filialisten, die in den innerstädtischen 1a-Lagen vertreten sind, finden hier nach Meinung dder Makler optimale Standortoptionen für Zweitshops. Der interessanteste Teil befindet sich demnach zwischen Riemannstraße und Südplatz. Die Spitzenmiete beläuft sich derzeit auf bis zu 37 Euro pro Quadratmeter.

Eigentümer wollen eher kaufen als verkaufen

Der Investmentmarkt für innerstädtische Geschäftshäuser ist nach wie vor von einer sehr geringen Verkaufsbereitschaft geprägt, so Jones Lang LaSalle. Erschwerend komme hinzu, dass die Eigentümerstruktur im Vergleich zu den westdeutschen Metropolen stark von privaten Bestandshaltern dominiert wird.

"Der Anteil langfristig orientierter privater Eigentümer in den Toplagen Petersstraße und Grimmaische Straße liegt bei jeweils 40 Prozent, sagt Martin Zimmermann, Leiter Einzelhandelsinvestment Leipzig. Sehr viele Mehrfacheigentümer würden derzeit nicht an Verkäufe denken sondern im Gegenteil nach Zukaufsmöglichkeiten suchen. Objekte in den beiden Lagen häten sich in den vergangenen Jahren als äußerst wertstabil erwiesen und gute Anlagealternativen seien derzeit rar.

"Die zahlreich vorhandenen Kaufinteressenten legen ihren Fokus klar auf die beiden Toplagen Petersstraße und Grimmaische Straße", sagt Zimmermann. Bei Kaufpreisen, die derzeit bis zum 18,5-fachen der Jahresnettomiete reichen, erwarten er vor diesem Hintergrund auch im Gesamtjahr 2010 einen anhaltenden Nachfrageüberhang.