No-Name-Produkte in Premium-Qualität zu Discount-Preisen - mit diesem Konzept will der neue Onlineshop Lesara überzeugen. Die Strategie: Die "No Brand"-Strategie von Händlern wie Lidl, Tchibo, Butlers und Bijou Brigitte soll in die Online-Welt übertragen werden. Dabei übernimmt Lesara unter anderem das Tchibo-Themenwelten-Modell. Lesara bietet Trend- und Basicprodukte wie Kleidung, Schmuck oder Haushaltsartikel mit Best-Preis-Garantie. Zum Start sind rund 2000 Produkte im Angebot. Lesara, das seinen Sitz in Berlin hat, arbeitet mit einem Pool von Zulieferern in mittlerer vierstelliger Zahl zusammen. etailment sprach mit dem Gründer Roman Kirsch über das ambitionierte Konzept.

Herr Kirsch, Lesara ist Mitte November gestartet. Wie ist das Geschäft angelaufen?

Wir sind sehr zufrieden. Umsatzzahlen kann ich noch nicht nennen, aber man sieht bereits, dass das Konzept aufgeht: Die Kunden bestellen meist nicht einen, sondern mehrere Artikel, was wir auch erreichen wollen. Die meisten Besteller überspringen die Hürde von 40 Euro, ab der der Versand kostenlos ist. Wir betrachten uns als Premium-Discounter für Alltagsprodukte, gehen also von umfangreichen, häufig wiederkehrenden Bestellungen aus.

Sie greifen No-Brand-Anbieter aus der Offline-Welt an, Händler wie Tchibo, Butlers, aber auch C&A und Takko. Das erfordert niedrige Preise. Wie können Sie die erzielen, wenn Sie gleichzeitig bei Ihren Lieferanten zum Start keine großen Mengen abnehmen?

Zum einen gibt es ein großes Angebot an Zulieferern, die mit uns arbeiten wollen und auch interessant sind. Der Markt ist also nicht so eng, dass günstige Preis nur mit großen Absatzmengen möglich sind. Zum anderen stößt das Offline-Geschäft im No-Brand-Bereich an seine Wachstumsgrenzen. Die Hersteller sind also interessiert, sich auch das Internet als Absatzkanal zu erschließen. Daher hat die Kooperation mit uns für sie auch strategischen Charakter, was ebenfalls zu günstigen Konditionen für uns führt.

No-Brand-Produkte sind dem Verbraucher im Gegensatz zu Artikeln eingeführter, bekannter Marken nicht im Detail bekannt. Stellt dies die Produktpräsentation bei Lesara vor besondere Herausforderungen?

Die Präsentation, vor allem die Qualität der Fotos, ist sicherlich wichtig. Allerdings erwartet man in unserem Segment nicht die Qualität, die man etwa aus dem High-End-Fashion-Bereich kennt. Wir gehen davon aus, dass Dachmarke Lesara für das notwendige Vertrauen in die Produkte sorgen wird. Zudem streuen wir auch einige Markenartikel ins Sortiment, die positiv auf die No-Names abstrahlen und kooperieren mit namhaften Herstellern, die auch für bekannte Marken arbeiten.

Warum glauben Sie an den No-Brand-Markt?

Weil das Markenbewusstsein der Verbraucher sinkt. Dies gilt insbesondere für unsere Zielgruppe von Frauen 35+. Sie möchten weiterhin gute Qualität, lassen sich aber nicht von Marken und hohen Preispunkten blenden, sondern wissen genau, was sie sollen. Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass Handelsmarken oder No-Brand-Produkte durchaus dieselbe Qualität haben können wie hochpreisige Brands. Und: In vielen Segmenten, zum Beispiel Home, sind die Marken ohnehin gar nicht so bekannt.