Mit der vierten Generation des Geländewagens RX hofft die vornehme Toyota-Tochter endlich auch in Deutschland auf einen Achtungserfolg.

Eigentlich könnten die Manager in der fernen Toyota-City höchst zufrieden sein. Der japanische Autobauer steuert auf ein neues Rekordjahr zu, die Position als Weltmarktführer ist nach kurzzeitigem Intermezzo von Volkswagen an der Spitze zurückerobert und der härteste Widersacher hat sich mit seinen dreisten Abgasmanipulationen selbst von der Überhol- auf die Standspur manövriert.

Doch die Toyota-Welt ist tatsächlich nur eigentlich in Ordnung. Zum einen wird der größte Fahrzeugproduzent auf dem Globus selbst immer wieder von Rückrufaktionen heimgesucht, zum anderen will es ausgerechnet auf dem deutschen Terrain nicht gelingen. Lediglich 53.968 Zulassungen stehen in den ersten zehn Monaten des Jahres für die Kernmarke zu Buche. Minus 9,5 Prozent, während der Gesamtmarkt im gleichen Zeitraum um 5,1 Prozent zulegte. Toyota gehört aktuell, trotz der Auffrischung der Volumenmodelle Auris und Avensis, zu den ganz wenigen Verlierern.

Weltweit gefragt, hierzulande geschmäht

Das gleiche Schicksal erleidet die angeschlossene Nobelmarke Lexus. Weltweit sind die feinen Japanboliden gefragt, in Deutschland werden sie von der Kundschaft regelrecht geschmäht, was nur 1.333 Neuanmeldungen bis einschließlich Oktober belegen. Dabei präsentierte Lexus-Deutschlandchef Ferry Franz mit dem stylischer NX gerade erst einen Kompakt-SUV, der genau in das aktuelle Trendsegment zielt.

Aber die ehrgeizigen Japaner lassen nicht locker und wollen im Land der Daimlers, BMWs und Audis endlich einen Achtungserfolg. Den soll der neue RX ergattert, bislang mit 2,2 Millionen Verkäufen seit 1998 ohnehin das wichtigste Modell des Nischenanbieters. Vom 23. Januar 2016 an steht der stattliche Geländewagen mit einem Längenwachstum von zwölf Zentimeter auf 4,89 Meter bei den Händlern.

Riesiger Bildschirm auf dem Armaturenbrett

Für die vierte Generation haben sich die ambitionierten Asiaten einiges einfallen lassen: So den riesigen Navigationsbildschirm auf dem Armaturenbrett - im wahrsten Wortsinn ein echter Hingucker. Dagegen wirkt praktisch jedes andere Navi wie eine Miniaturausgabe. Allein die S-Klasse von Mercedes-Benz kann hier noch mithalten. 3.190 Euro Aufpreis sind allerdings ebenfalls oberklasse-verdächtig.

Ein ebenso groß dimensioniertes Head-up-Display, eine Klimaanlage, die das Kommando für die adäquate Raumtemperatur selbst übernimmt, elektrisch klappende Rücksitzlehnen, die Kofferraumklappe, die mit einer Handbewegung über dem Firmenlogo wie von Geisterhand öffnet, oder das edle Holzfurnier im Innenraum, das nach der Handwerkskunst des Klavierbauers Yamaha mit Intarsien verziert wird, zeugen ebenso vom festen Aufstiegswillen.

Es bleibt beim Hybrid - ohne Stecker

Und unter der Motorhaube darf natürlich der markentypische Hybrid nicht fehlen. Der Sechszylinder-Benziner (ab 58.900 Euro) kommt in Kombination mit dem Elektromotor auf eine Systemleistung von 230 kW/313 PS. Das Zusammenspiel ist über die Jahre gereift und wirkt routiniert. Dass der Hersteller trotz des Leistungspotenzials und der Fahrzeugmasse von rund 2,2 Tonnen einen Verbrauch von lediglich 5,3 Litern und eine CO-2-Emission von 120 g/km angibt, ist allein dem für Hybridmodelle günstigen Messverfahren geschuldet und hat mit der Realität überhaupt nichts zu tun. Auf ersten Testkilometern lag der RX 450 h selbst bei gemütlicher Fahrweise auf Landstraßen und geschwindigkeitsbeschränkten Autobahnen bei rund elf Litern. Glatt doppelt so viel wie der Normwert!

Ein Plug-in-Hybrid mit aufladbarem Akku durch einen Stecker und damit erhöhter Reichweite im rein elektrischen Betrieb hätte dem Wagen sicher zu besseren Verbrauchswerten im Alltagsbetrieb verholfen. Lexus sieht hierfür derzeit allerdings keine Nachfrage.

Basispreis liegt bei 49.900 Euro

Die scheint auch für den zweiten Motor, den Vierzylinder-Turbo mit 175 kW/238 PS aus dem NX (Preise ab 49.900 Euro mit Frontantrieb) eher bescheiden. Für den RX 200 t, der im ersten Test ebenfalls einen zweistelligen Verbrauchswert anzeigte, kalkuliert Ferry Franz selbst gerade mal mit einem Verkaufsanteil von zehn Prozent. Keine Frage: Ohne Diesel wird Lexus zumindest hierzulande seine Verkäufe auf absehbare Zeit kaum steigern können.

Bernd Nusser