Der Handels- und Touristikkonzern Arcandor hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2008/09 das Ergebnis gesteigert. Der Nettoverlust wird aber immer größer.

Während die wichtigste Tochter Thomas Cook im Quartal ihre Verluste reduzierte, rutschte die Versandtochter Primondo in die roten Zahlen. Für den weiteren Verlauf zeigte sich Arcandor zurückhaltend: Eine Prognose wollte der scheidende Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff nicht mehr abgeben.

"Die allgemeine Erwartung eines rezessionsbedingt schwachen Quartals hat sich erfreulicherweise nicht bestätigt", bilanzierte Middelhoff für die Monate Oktober bis Dezember. Der bereinigte Umsatz wuchs um 1,1 Prozent auf 4,79 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA stieg um 18 Prozent auf rund 180 Millionen Euro. Unter dem Strich erhöhte sich jedoch der Konzernfehlbetrag auf 57,97 Milliarden Euro.

Die Touristik-Tochter Thomas Cook erhöhte den Umsatz in einem schwierigen Marktumfeld um 2,9 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro.

Spezialversender unter Druck

Die Versandsparte Primondo verzeichnete mit Oktober und November zwei schwächere Monate, die das Segment jedoch im letzten Monat des Jahres ausglich. Der Umsatz stieg um 0,4 Prozent auf 1,22 Milliarden Euro. Als erfreulich nannte der Konzern ein starkes Umsatzwachstum von Quelle Deutschland im Dezember. Ebenfalls positiv trugen die Bereiche E-Commerce, das Auslandsgeschäft und Homeshopping bei.

Die Konjunktureintrübung wirkte sich jedoch deutlich auf einzelne Spezialversender aus - insbesondere auf jene Anbieter, die sich auf ältere Kundengruppen spezialisiert haben. Insgesamt sanken die Erlöse der Spezialversender um 3 Prozent.

Beim Erlös rutschte Primondo in die Verlustzone und verzeichnete einen Fehlbetrag von 22,1 Millionen Euro. Neben den Problemen im Spezialversand fehlten die Beiträge der inzwischen geschlossenen Fox-Märkte. Hinzu kamen Aufwendungen für Restrukturierungen, so etwa Rückstellungen für die Schließung einzelner Stationärgeschäfte.

Karstadt mit stabilen Umsätzen

Das Warenhausgeschäft Karstadt zeigte sich stabil. Im Vergleich zu den vorangegangenen Quartalen, in denen hohe Verluste verzeichnet worden seien, habe Karstadt die Trendumkehr geschafft, berichtete Arcandor. Insgesamt stagnierte der Umsatz bei 1,35 Milliarden Euro. Das EBIT war mit 99 Millionen Euro leicht rückläufig.

Für das laufende Geschäftsjahr 2008/09 will Arcandor keine Prognose mehr abgeben. Angesichts "fehlender Visibilität" im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise sei eine Ergebnisprognose nicht mehr sinnvoll und seriös abzugeben, erklärte Vorstandsvorsitzender Middelhoff. Das zuletzt genannte Prognoseziel von Arcandor sah ein bereinigtes EBITDA der operativen Bereiche für 2008/09 von mehr als 1,1 Milliarden Euro vor.

Natali Schwab, Dow Jones Newswires