Gleiches Logo, gleiches Angebot und vor allem gleiche Qualität: Beim so genannten Franchisesystem wird ein Unternehmenskonzept auf mehrere Filialen mit eigenen Betreibern übertragen. Das hat nicht nur Vorteile.

Man nehme ein erfolgreiches Unternehmen und drücke die Kopier-Taste: Nach diesem Prinzip funktioniert das so genannte Franchisesystem, bei dem der Gründer anderen gegen Gebühren ein vorhandenes Konzept zur Verfügung stellt. Was einer Marke eine schnelle Expansion bei vergleichsweise niedrigen Investitionen ermöglicht, hat aber auch Schattenseiten - etwa wenn ein großer Franchise-Partner Probleme macht wie aktuell bei Burger King.

"Burger King hat durch das Verhalten des Franchise-Partners einen Imageschaden erlitten. Die Frage ist, wie lange das in den Köpfen der Leute hängen bleibt", sagt Felix Peckert. Der frühere Chef des Deutschen Franchise-Verbands (DFV) berät Franchise-Geber beim Aufbau eines solchen Systems. Nach seinen Angaben gibt es derzeit in Deutschland etwa 1.000 solcher Formate.

Mister Minit und Leonardo

Dabei handelt es sich aber keineswegs nur um Restaurantketten wie Burger King: Nach Angaben des DFV gibt es die meisten Unternehmen von der Stange im Dienstleistungsbereich, gefolgt vom Handel und der Gastronomie. Die Fitnesskette Mrs. Sporty zählt dazu ebenso wie die Schuhreparatur Mister Minit und die Hotelkette Leonardo. In Deutschland wurde das Prinzip laut DFV 1971 mit den Baumärkten von Obi und den Burgerrestaurants von McDonald's eingeführt.

Risse im System wie aktuell bei Burger King, wo gleich 89 Restaurants wegen Hygienemängeln und schlechter Arbeitsbedingungen bei einem Partner dichtmachen mussten, sind Branchenkennern zufolge aber die Seltenheit. Dass ein Franchise-Nehmer überhaupt so viele Filialen auf einmal betreibe, sei "untypisch", erklärt Martin Ahlert, Geschäftsführer des Internationalen Centrums für Franchising und Cooperation (F&C) an der Universität Münster.

Unternehmer im Zusammenspiel

"Der Vorteil des Zusammenspiels ist es ja, dass der einzelne Unternehmer das gut und effizient machen kann, weil er vor Ort ist." Bei einer Masse an Filialen sei es für den Franchise-Partner aber schwer, die lokalen Gegebenheiten im Blick zu behalten. Auch wenn die Zusammenarbeit in der Regel ohne größere Zwischenfälle ablaufe: "In jedem System gibt es Menschen, die aus der Reihe tanzen."

Das bekam zuletzt auch die Fast-Food-Kette Subway zu spüren: Dort meuterten unzufriedene Franchise-Partner vor einigen Jahren und stiegen aus dem System aus. Einige Unternehmer machten damals unter anderem Namen weiter - auch weil ihnen die Gebühren für die Zugehörigkeit zu hoch waren. Die Restaurant-Kette Vapiano wiederum kündigte in der Türkei nach eigenen Angaben ebenfalls der Yi-Ko Holding - dem umstrittenen Franchise-Partner von Burger King.

Auch die Beschäftigten sind in einem Franchise-Betrieb nicht immer gut bedient, wie gerade das Beispiel Yi-Ko zeigt. Sie müssen sich zwar an viele Standards des Franchise-Gebers halten, doch hapere es häufig mit der Mitbestimmung, sagt Gastronomieexperte Guido Zeitler von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. In Sachen Tarifbindung seien Franchiser zudem oft Flickenteppiche, weil jedes einzelne Unternehmen darüber für sich entscheiden kann.

Standortentwicklung ohne hohe Investitionen

Das System hat aber durchaus auch Vorzüge: "Das Franchisesystem hat den Vorteil, dass es eine sehr schnelle Expansion ermöglicht", sagt Experte Peckert. "Der Franchise-Nehmer kann vergleichsweise einfach in den Markt einsteigen. Der Geber wiederum spart sich hohe Investitionen in die Standortentwicklung." Hinzu kommt: Hinter einem Franchise-Betrieb steht ein selbstständiger Unternehmer, der ein Interesse daran hat, seine Investitionen einzuspielen, wie der DFV-Geschäftsführer Torben Brodersen sagt. Das sei für den Konzern ein Vorteil gegenüber dem Filialsystem mit angestellten Mitarbeitern, die ein Gehalt beziehen.

Im vergangenen Jahr arbeiteten nach DFV-Angaben 525.300 Menschen in der Franchise-Wirtschaft. Innerhalb von zehn Jahren ist ihre Zahl damit um 35 Prozent gestiegen. Der Umsatz über solche Systeme lag zuletzt bei knapp 63 Milliarden Euro. Für weitere Franchise-Konzepte sehen Experten auch künftig noch viel Potenzial.

Einer der größten Pluspunkte ist wohl die Kundenbindung. "Die Marke gibt ein Leistungsversprechen", erklärt Ahlert. Zufriedene Kunden steuern ihm zufolge auch andere Filialen einer Kette an, weil sie wissen, was sie dort erwartet. "Dafür braucht man aber zwingend Kundenzufriedenheit", betont Ahlert. "Wenn es zu einem negativen Image kommt, dann färbt das auf die gesamte Marke ab."