Lidl verstärkt seine Bemühungen gegen Korruption und Wirtschaftskriminalität. Volker Hoffmann wurde als neuer Ombudsmann gewonnen. Der Jurist soll nicht für allgemeine Beschwerden zuständig sein.

Der Lebensmittel-Discounter Lidl hat einen unabhängigen Korruptionsexperten eingestellt. Als sogenannter Ombudsmann sei der Rechtsanwalt Volker Hoffmann (Mainz ) gewonnen worden, schreibt das Unternehmen.

Ab sofort könnten sich die mehr als 50.000 Lidl-Mitarbeiter in Deutschland und die Geschäftspartner von Lidl vertraulich an den Juristen wenden, wenn sie Kenntnis über Korruption und Wirtschaftskriminalität haben. Hinweisgeber müssten durch ihre Mitteilung keine Nachteile befürchten, teilt Lidl mit. "Der Anti-Korruptionsbeauftragte und ein aus Geschäftsleitung, Revisions- und Rechtsabteilung bestehendes Gremium gehen dann dem Hinweis nach. Vertraulichkeit ist garantiert", heißt es weiter.

Schon bei Thyssen-Krupp erfolgreich gearbeitet

Hoffmann gilt als deutscher Pionier unter den Ombudsmännern und hat das Prinzip des Vertrauensanwalts bereits Ende der 1990er Jahre beim Stahlkonzern Thyssen-Krupp eingeführt. In der Folgezeit war Hoffmann bei mehreren deutschen und internationalen Konzernen in gleicher Funktion tätig.

Lidl ist seit Jahren nicht nur wegen der Bespitzelung von Mitarbeitern, sondern auch wegen seiner Haltung zu Arbeitnehmerrechten in der Kritik. "Wenn sich etwa jemand melden würde, um zu erklären, dass die Arbeit des Betriebsrats behindert werde, muss man das sehr ernst nehmen. Denn das kann nach Paragraph 119 Betriebsverfassungsgesetz eine Straftat sein", sagte Hoffmann dem "Handelsblatt".

"Nicht für allgemeine Beschwerden"

Die Online-Ausgabe der "Lebensmittelzeitung" berichtet, dass Lidl vergangene Woche schriftlich sämtlichen Geschäftspartner mitgeteilt habe, dass sich das Unternehmen mit dem Vertrauensmann gegen die wachsende Gefahr von Wirtschaftskriminalität wappnen wolle. "Der Vertrauensanwalt ist nicht Ansprechpartner für allgemeine Beschwerden, Unmutsäußerungen und Querulantentum", teilte der Discounter in dem Schreiben weiter mit.

Bereits Mitte Februar hatte Lidl Bernd Ungerer ebenfalls als Korruptionsbeauftragen eingestellt. Dieser sitzt in der Unternehmenszentrale in Neckarsulm.