Nächste Runde im "Brausestreit": Lidl will demnächst wieder Coca-Cola in die Regale stellen. Deren kurzzeitige Verbannung dürfte den Discounter mehr getroffen haben als den Hersteller.

Vorsichtige Entspannung im Brausestreit: Der zweitgrößte deutsche Discounter Lidl verkauft ab März wieder die klassische Coca-Cola. Doch endgültig ausgestanden ist der Zwist zwischen der Kultmarke aus Atlanta und dem Discounter aus Neckarsulm damit wohl nicht. Denn ob auch andere Produkte aus dem Angebot des Herstellers wie Fanta, Sprite oder Coca-Cola Light wieder in den Läden zu finden sein werden, blieb offen. "Da stehen sich jetzt zwei Riesen gegenüber, und einer will den anderen mürbe kriegen", beschreibt ein Branchenkenner seine Einschätzung der Lage.

Lidl hatte die Getränke des US-Konzerns erst kürzlich aus den Regalen geworfen. Ein Cola-Sprecher hatte damals erklärt, die Unternehmen hätten sich "nicht auf ein gemeinsames Vermarktungskonzept" einigen können. Der Schritt von Lidl war als Eskalation im Preiskrieg des deutschen Einzelhandels gewertet worden.

Schaden minimieren, Druck aufrechterhalten

Eine Kultmarke wie Coca-Cola aus den Läden zu verbannen, gilt als ungewöhnlich drastischer Schritt. Und das Vorgehen des Discounters ist durchaus umstritten. Der Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg etwa meint: "Lidl hat sich mit dem Verzicht auf Coca-Cola wahrscheinlich selbst mehr geschadet als dem Getränkehersteller. Wo Lidl einen Euro Umsatz verliert, muss Coca-Cola vielleicht auf 30 Cent verzichten."

Das künftig zumindest der größte Umsatzbringer im Coca-Cola-Sortiment, die klassische Cola, wieder bei Lidl zu finden ist, hat für den Wirtschaftsprofessor denn auch taktische Gründe. "Lidl will den eigenen Schaden minimieren, aber dennoch den Druck auf Coca-Cola aufrechterhalten."

Der Discounter selbst wollte sich nicht zu den Hintergründen der Rückkehr der Classic-Cola in die Regale äußern.

Nichts ist mehr, wie es war im Limonademarkt

Tatsache ist, der Markt für Limonade hat sich grundsätzlich verändert, seitdem Discount-Marktführer Aldi vor gut einem Jahr begonnen hat, neben der billigen Eigenmarke auch Coca-Cola, Sprite und Fanta zu verkaufen. Als Aldi im vergangenen Jahr den Dauerpreis für 1,25 Liter der braunen Brause von 99 auf 89 Cent senkte, geriet der Preis für Coca-Cola insgesamt ins Rutschen.

Coca-Cola Deutschland kann der in den Sonderangebots-Beilagen zu beobachtende Preisverfall bei seinem wichtigsten Produkt nicht recht sein. Nach Informationen des Fachblatts "Lebensmittel Zeitung" verlangte der Markenartikler in diesem Jahr von seinen Kunden trotz der oft niedrigen Preise im Verkauf mehr Geld für seine Produkte. Da war der Konflikt mit dem selbstbewussten Handelsriesen wohl programmiert.

Für den Handelsexperten Roeb scheint der Ausgang des Kräftemessens allerdings vorhersehbar. "Lidl sitzt wohl am kürzeren Hebel", meint er. Denn wenn Coca-Cola bei den Preiskonditionen einknicke, sei der Schaden für den Getränkehersteller viel größer als der Nutzen einer kompletten Wiedereinlistung bei Lidl. "Das brächte das ganze Konditionengefüge restlos durcheinander. Aldi wäre dann der Erste mit Nachforderungen", so der Experte.