Der Discounter Lidl unterstützt öffentlich einen branchenübergreifenden Mindestlohn von 10 Euro - und bleibt damit oberhalb der Forderung mancher Gewerkschafter.

Der Discounter Lidl will von Saulus zu Paulus mutieren: Einst geächtet durch seine schlechten Arbeitsbedingungen, die in einem Datenschutzskandal gipfelten, fordert der Billiganbieter nun öffentlich zum wiederholten Mal einen Mindestlohn für die Handelsbranche.

Das branchenübergreifende Entgelt sollte nicht unter 10 Euro pro Stunde bleiben, heißt es in einer Pressemitteilung. Zudem unterstütze Lidl "jede politische Initiative, die die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns für den Lebensmittelhandel und jede andere Branche zum Ziel hat".

Mit diesem Vorschlag bleibt Lidl sogar oberhalb der Forderung mancher Verdi-Landesbezirke aus der letzten Tarifrunde. Sie verlangten damals einen Mindestgehalt von rund 9,20 Euro.

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"Gleiche Arbeit für gleiche Lohn"

Nur mit einem verbindlichen Mindestlohn lasse sich der Missbrauch von Lohndumping wirksam unterbinden, sagte Lidl-Deutschlandchef Jürgen Kisseberth. "Gleiche Arbeit - gleicher Lohn. Gute Arbeit - fairer Lohn", gab er zudem als "künftiges Motto für die Situation aller Beschäftigten" aus.

Lidl sei sehr daran interessiert, dass die Diskussion um das Thema Mindestlohn "bald in eine fruchtbare und zielführende Entscheidung des Gesetzgebers mündet", betonte der Manager. Der Discounter habe sich deshalb an die Fraktionsvorsitzenden aller im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien gewandt.

Verhandlungen zum Mindestlohn laufen

Warum Lidl sich ausgerechnet an die Politik wendete, bleibt jedoch schleierhaft. Denn der Mindestlohn wird im Handel nicht von den Politikern bestimmt, sondern unter den Tarifparteien ausgehandelt. Die Gespräche sind bereits fortgeschritten.

In der Schweiz liefert sich Lidl mit Aldi einen Wettbewerb um die bessere Bezahlung der Mitarbeiter. Dabei akzeptierte der Neckarsulmer Discounter sogar kürzere Wochenarbeitszeiten und bis zu sechs Wochen Jahresurlaub.