Der Discountriese Lidl will nach Übersee expandieren. Konkrete Standortpläne gibt es noch nicht, allerdings liege die Westküste im Fokus. Zunächst seien 100 Filialen geplant.

Hanno Bender
Hanno Bender
Aldi hat es vorgemacht, nun will auch Lidl einen Fuß auf den US-Markt bekommen. Der Discounter prüft derzeit eine Expansion in die USA - dabei gibt es allerdings einige Stolpersteine.

 

Milch in Gallonen und XXL-Chipstüten: Nach den Erfolgen von Aldi in den USA fasst auch Erzrivale Lidl eine Expansion auf den gewaltigen Markt in Übersee ins Auge. Der Lebensmitteldiscounter untersucht derzeit Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit des Vorhabens. Die Prüfung solle bis Ende 2014 oder spätestens Anfang 2015 abgeschlossen sein, teilte Lidl am Donnerstag in Neckarsulm mit. Konkrete Standorte habe man noch nicht im Visier, sagte ein Sprecher. Allerdings liege momentan die Ostküste im Fokus. Lidl hat derzeit ausschließlich Filialen in Europa.

 

Größe der Konkurrenz als Stolperstein

 Konkurrent Aldi ist auf dem US-Markt indes schon ein alter Hase und dort bereits seit 1976 vertreten - inzwischen mit mehr als 1.200 Filialen. Branchenkenner räumen Lidl trotz der starken Konkurrenz gute Marktchancen ein: "Die USA sind ein großes Land, da ist sicher Platz für viele", sagte Discount-Experte Matthias Queck vom Branchendienst Planet Retail. "Es könnten sich sogar beide gegenseitig befruchten, weil das Konzept bekannter wird."

 

In einem ersten Schritt plant Lidl nach Informationen der "Heilbronner Stimme" etwa 100 Filialen. Stolpersteine sieht Queck allerdings in der Größe der Konkurrenz: "Was natürlich eine Problematik sein könnte, ist, dass Aldi im Einkauf einen Vorsprung hat aufgrund der großen Volumina, die Aldi über Jahrzehnte dort aufgebaut hat." Es sei schwer, das aufzuholen.

 

Den Essgewohnheiten der Amerikaner angepasst

 Optisch ist Aldi in den Staaten allerdings eher als Aldi Süd - mit dem gelb umrandeten "A" als Logo - vertreten. Die Schwestergesellschaft Aldi Nord mit dem geschwungenen "A" als Logo tritt eher versteckt auf. Sie hatte 1979 den Lebensmittelhändler Trader Joe's übernommen - eine Art Edel-Aldi mit besserer Auswahl zu etwas höheren Preisen.

 

Lidl hatte auf dem Heimatkontinent vor allem dadurch gepunktet, auch Markenprodukte in den Regalen zu haben. In den USA müsste der Discounter sein Sortiment allerdings nahezu komplett umstellen, sagte der Experte. "90 Prozent des Basissortiments lassen sich nicht einfach aus Europa importieren." Nicht nur die Packungsgrößen, sondern auch die Produkte müssten den Essgewohnheiten der Amerikaner angepasst werden. Statt wie in Europa üblicherweise in 1-Liter-Tüten werde Milch dort beispielsweise in Gallonen (knapp vier Liter) verkauft.

 

Niedrige Preise ziehen

Auch der Verkauf von Markenprodukten werde schwierig, erklärte Queck. Lidl stehe im direkten Preisvergleich mit US-Anbietern und könne gerade zum Start noch nicht durch große Volumina Kosten drücken.

 

Konkurrent Aldi hatte in den vergangenen Jahren auch die Wirtschaftskrise für eine beschleunigte Expansion auf dem US-Markt genutzt. Da viele Amerikaner sparen müssen, gehören Discounter dort zu den wenigen Einzelhändlern, die in den USA wachsen. Obwohl die Amerikaner eigentlich an Gratis-Tragetüten und Einpackservice gewöhnt sind, ziehen derzeit vor allem die niedrigen Preise - eine Lücke, in die auch Lidl stoßen könnte.

 

Die Deutschen fordern in den USA vor allem den Platzhirsch Wal-Mart heraus. Der US-Riese hatte sich bereits vor Jahren nach hohen Verlusten aus Deutschland zurückgezogen - unter anderem weil er dort nicht gegen Aldi und Lidl ankommen konnte.