In knapp drei Jahren wagt sich auch Lidl auf den nordamerikanischen Markt - und hat dort viel vor. Auch in Europa möchte der Discounter expandieren. Zudem will sich das Unternehmen erneuern - nicht nur mit schickeren Filialen.

Aldi ist schon längst auf dem nordamerikanischen Markt aktiv. Im Jahr 2018 will auch Hauptkonkurrent Lidl folgen. Die ersten Filialen sollen in der so genannten Mid-Atlantic-Region eröffnet werden - das sind die Bundesstaaten Virginia, North Carolina, South Carolina, Maryland - sowie in Washington DC. Der Discounter mit Sitz in Neckarsulm will dabei das Lidl-Konzept auf die Bedürfnisse vor Ort anpassen, sagte Unternehmenschef Sven Seidel dem "Handelsblatt". Geplant sei eine mittlere zweistellige Anzahl an Filialen, je nach Verfügbarkeit von Baugrundstücken.

Geplant ist demnach auch, dass Lidl in den Vereinigten Staaten nicht mit dem Namen Discounter auftritt. Dieser Begriff stehe dort für Non-Food-Läden, betonte Seidel, "das wäre für die Amerikaner verwirrend. Wir sprechen lieber von 'limited assortment'". Einem begrenzten Angebot also.

Das Lidl-Prinzp soll indes gleich bleiben: "Wir bringen in USA beste Qualität zum besten Preis", kündigte der Unternehmenschef an. Angst vor Aldi, das bis zum Jahr 2018 rund 2.000 Filialen in den Staaten haben wird, hat Seidel nicht. "Die USA sind ein weites Land, da stören wir uns nicht."

Wachsen auch in Europa

Vielmehr glaubt er, dass Aldi mit seiner Expansion den Markt für die beiden deutschen Discounter vorbereiten würde. Schließlich will Lidl dort wachsen, daher werde das Tempo sehr hoch sein. "Die USA sind ein strategischer Markt für uns", kündigte Seidel weiter an.

Auch in Europa will Lidl weiter wachsen, so ab 2016 in Litauen, 2018 in Serbien. Das französische Filialnetz soll für 3 Millionen Euro modernisiert werden. Generell funktioniere eine Lidl-Filiale erst ab 1.000 Quadratmeter Fläche, sagte Seidel. "Wenn wir zwei kleine Filialen schließen können und dafür eine große aufmachen können, dann machen wir das."

Ob auch in Deutschland weitere Standorte dazukommen sollen, vermag Seidel derzeit nicht zu sagen. Etwa 3.200 Filialen betreibt Lidl derzeit. "Ob es am Ende 3.000, 3.400 oder vielleicht 3.100 Filialen mit einer größeren Fläche sind - darauf möchte ich mich nicht festlegen." Eines sei aber sicher: Man gehe nicht in "jedes Dorf", wie es Seidel formulierte. Also keine Expansion der Marke der früheren Drogeriekette Schlecker.

Neue Läden, neue Firmenkultur

Auch bei der Gestaltung der Läden geht der Discounter aus Neckarsulm neue Wege, zu besichtigen wird dies bald in einem neuen Pilotmarkt in der Nähe des Stammsitzes sein. Seidel kündigte hier breitere Gänge, höhere Decken, mehr Licht und Kundentoiletten an. Die Mitarbeiter sollen "vernünftige" Umkleide-, sowie große Aufenthalts- und Schulungsräume haben.

Nicht nur die Läden sollen neu gestaltet werden, auch die Unternehmenskultur steht offenbar vor einer Überarbeitung. Demnach werden derzeit Ressort- und Abteilungsleitergrenzen abgebaut, auch die Kommunikation werde verbessert, so Seidel. "Lidl ist für Teamplayer, nicht für Einzelkämpfer." Für diesen Wandel stehe er persönlich. Zuletzt seien 10.000 Filialleiter unter anderem in Sachen Datenschutz geschult worden.

Seidel bezeichnete die Konzentration im Einzelhandel als hoch, eine weitere Verdichtung sei schwierig. Die Supermärkte böten tolle Flächen und Konzepte. Trotzdem wolle sich Lidl bei seinem Grundkonzept treu bleiben: Selbstbedienung. "Das ist ein Basisprinzip", betonte Seidel. Auch sein Unternehmen hatte sich die zum Verkauf stehende Supermarkkette Kaiser's Tengelmann angesehen, musste aber feststellen, dass nur wenige Standorte für Lidl in Frage kämen.