Viel Platz, ein sparsamer Motor und günstige Listenpreise - Skodas neuer Superb empfiehlt sich mit klassischen Tugenden für den Alltagsdienst.

Das heftige Beben bei der Konzernmutter in Wolfsburg ist natürlich auch in der Skoda-Zentrale in Mlada Boleslav zu spüren. Der langjährige Chef der tschechischen Traditionsmarke, Winfried Vahland, wurde gleich nach Bekanntwerden des Volkswagen-Abgasskandals als Krisenmanager in die USA entsandt, hat den Job aber gar nicht erst angetreten und das Markenkonglomerat wegen "unterschiedlicher strategischer Auffassungen" eher grußlos verlassen. In Tschechien nahm inzwischen Bernhard Maier, bislang Marketing- und Vertriebsvorstand bei Porsche, seinen Platz ein.

Obgleich dem Vernehmen nach auch bei Skoda weltweit rund 1,2 Millionen Fahrzeuge mit manipulierter Abgasanlage unterwegs sind, steht die VW-Tochter längst nicht so im Fokus der öffentlichen Kritik wie Volkswagen selbst. Bevor der Konzern seine betrügerischen Machenschaften eingestand, sorgte Skoda mit dem neuen Superb Combi auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) im September sogar noch für Furore. Die Messebesucher wunderten sich, woher die Tschechen einmal mehr den Raum für die opulente Beinfreiheit im Fond und das riesige Gepäckabteil (660 bis 1950 Liter Volumen) nehmen.

620 Liter Kofferraumvolumen sind einsame Spitze

Dabei ist schon die im Frühsommer eingeführte Limousine mit üppigen Platzverhältnissen gesegnet. Unter der stattlichen Heckklappe tun sich „unendliche Weiten“ auf. 620 Liter Kofferraumvolumen sind im Wettbewerbsumfeld einsame Spitze. 

Doch trotz aller Vorzüge steht die Limousine zumindest hierzulande im Schatten des Kombis, der satte 90 Prozent Verkaufsanteil erzielt. Weltweit sieht das freilich anders aus: Da ordern 65 Prozent der Superb-Käufer die Variante mit Kofferraumdeckel.

Der neue Superb schafft auf jeden Fall den Sprung in die Beletage der Businessgefährte – auch mit Blick auf das Budget. Mit 140 kW/190 PS-Diesel und in Top-Ausstattung mit Allradantrieb lässt sich der Basispreis auf 42.050 Euro treiben. Sparsame Chefs kommen aber bereits ab 26.490 Euro in den Genuss der üppigen Platzverhältnisse, sollten aber wenigstens 31.750 Euro für die Ausstattungsstufe „Style“ investieren.

1,6-Liter-Diesel sparsam aber brummig

Unter der Motorhaube werkelt dann der 1,6-Liter-Konzerndiesel nach Euro-6-Norm mit 88 kW/120 PS. Der ist kein Temperamentsbolzen und zwingt an langen Autobahnsteigungen häufiger zum Zurückschalten, reicht aber für stressfreies „Kilometermachen“ allemal aus. Schade, dass der Selbstzünder bemühter klingt als er eigentlich ist. Der brummelige Dauerton stört den ansonsten tadellosen Komforteindruck.

Quasi als Entschädigung sieht der Fahrer den Tankwart sehr selten. Bei üblicher Reisegeschwindigkeit sind Verbrauchswerte um die fünf Liter und damit eine Reichweite von rund 1.300 Kilometern mit einer Kraftstofffüllung zu erzielen.

Bernd Nusser

Mehr zu den Auswirkungen der Abgasmanipulationen im Volkswagen-Konzern auf den Automobilhandel und die Fuhrparkverwaltung lesen Sie in der aktuellen November-Ausgabe von Der Handel, die am 10. November erscheint. Zum Probeabo geht es hier.