Die Musikbranche ist optimistisch, dass es nun wieder bergauf geht. Die Hoffnungsträger sind Live-Auftritte und legale Downloads.

Während amerikanische Rocker gerne mal ihre Garderobe anzünden, stehen die deutschen Musiker offensichtlich mehr auf Sicherheit: „Ich werde mit dem Geld bestimmt nicht um mich werfen. Man weiß ja nicht, was morgen sein wird”, sagte der frisch gebackene „Superstar” Thomas Godoj in einem Interview. „Vielleicht spare ich ja auf eine Eigentumswohnung.”

Das ist eine kluge Entscheidung des 30 Jahre alten Musikers, der als ehemaliger Hartz-IV-Empfänger die Schattenseiten des Künstlerlebens kennt. Denn von den 15 Euro, die eine CD in einem Laden kostet, bleiben dem Künstler im Idealfall 10 Prozent, sagen Branchenkenner. 19 Prozent kassiert der Staat, bis zu 30 Prozent bleiben im Handel. Dazu kommen noch Kosten für Herstellung, Plattenfirma, Management und Marketingmaßnahmen.

Da muss eine Musikgruppe schon eine Menge Tonträger verkaufen, um davon leben zu können. Die frühere Tourmanagerin Elke Fleing geht in ihrem Buch „Live is Life” davon aus, dass eine Band bis zur ersten Goldenen Schallplatte aus ihrem Anteil 500.000 Euro investiert. Erst ab dem dritten erfolgreichen Album seien überhaupt Gewinne möglich.

Höchster Umsatz in Elektromärkten

„Der Tonträgermarkt hat enorme Umsatzeinbußen zu verzeichnen, das Live-Business boomt tüchtig”, beschreibt Fleing die aktuelle Lage. Also ist auch der Einzelhandel gut beraten, sich etwas einfallen zu lassen. Allen voran die Elektromärkte, denn dort wird knapp ein Drittel des Branchenumsatzes generiert. Die Kauf- und Warenhäuser haben einen Umsatzanteil von rund 7,3 Prozent - seit 2001 ein Minus von 4,8 Prozent.

Umsatzanteile im Handel
Umsatzanteile im Handel
Schlechter noch geht es dem Fachhandel, dessen Marktanteil sich mit 3,7 Prozent seit 2001 mehr als halbiert hat. Gewinner ist der Vertriebsweg E-Commerce mit einem Marktanteil von derzeit 18,3 Prozent; der Anteil des Download-Handels liegt mittlerweile bei 3,6 Prozent.

Zwar ist die CD mit einem Marktanteil von 81 Prozent immer noch umsatzstärkstes Produkt, gefolgt von Musikvideos mit 9 Prozent. Aber: „Das starke Wachstum bei den Downloads geht vor allem zulasten der Single, deren Umsatzanteil mit 3 Prozent weiter sinkt”, erläutert Stefan Michalk, Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie.

„Der Vertrieb über Downloads, Mobilangebote und Internethändler macht bereits fast ein Viertel des gesamten Umsatzes mit Musikprodukten aus.”

Viertgrößter Phonomarkt der Welt

Umsatzentwickulg Musikmarkt
Umsatzentwickulg Musikmarkt
2007 lag der Umsatz in Deutschland als viertgrößtem Phonomarkt der Welt bei den „großen Vier” Universal Music, Sony BMG, Warner Music und EMI um 1,65 Milliarden Euro. Der Bundesverband Musikindustrie erhebt die unabhängigen Label nicht, Schätzungen zufolge haben sie einen Anteil von rund 15 Prozent des Gesamtmarktes.

93 Prozent der 2007 in den Top-100-Single-Charts platzierten - insgesamt 774 - Titel kamen von den vier Musikkonzernen.

An der Dominanz der CD unter den Tonträgern wird sich vermutlich nicht so schnell etwas ändern, auch wenn das Marktforschungsinstitut Media Control kürzlich ein Rekordhalbjahr bei den legalen Musikdownloads meldete: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden 22,3 Millionen Musiktitel hierzulande legal aus dem Netz geladen - so viele wie noch nie.

Allerdings ist die Musik allein nicht mehr das einzige Verkaufsargument für die Silberscheibe: „Die CD ist und wird das wichtigste Format im Musikbereich bleiben”, sagt eine Sprecherin der Media-Saturn-Holding GmbH zu Der Handel. Doch: „Die Attraktivität einer CD definiert sich über die Musik selbst sowie über komplementäre Inhalte wie zum Beispiel Videos, Interviews oder Fan-Zugaben.”

Media Markt und Saturn als Vollsortimenter „erleichtern den Kunden durch Präsentation der TOP-10-Produkte und Tipps aus allen Bereichen den Einstieg in alle Musikstile”, so die Sprecherin. Die Kunden können zudem die Musik in den jeweiligen Portalen der Metro-Töchter herunterladen

Downloads als Hoffnungsträger

Die anfangs von der Branche eher ungeliebten Musikdownloads sind längst zur willkommenen Sortimentsergänzung geworden - vor allem für jüngere Konsumenten. „Der Musikindustrie wird das einen neuen Schub geben, das habe ich schon vor Jahren gesagt", so Musikmanager Thomas M. Stein

Nun mehren sich im deutschen Musikmarkt die Signale für eine Wende zum Besseren, will auch der Verband bemerken: Der Absatz der umsatzstarken CD-Alben 2007 blieb im Vergleich zum Vorjahr mit rund 149 Millionen nahezu unverändert, was die Branche als Erfolg sieht, während der Download-Markt mit einem Plus von fast 40 Prozent bei Einzeltiteln auf mehr als 35 Millionen Downloads weiter stark zugelegt hat.

„Die Zahl der Musikkäufer hat mit 41,4 Prozent den höchsten Stand der letzten fünf Jahre erreicht - und es gibt wieder mehr junge Musikkonsumenten”, freut sich Geschäftsführer Michalk.

Die Zukunftsmusik könnte also bald wieder deutlich angenehmer für die Branche klingen als in den vergangenen Jahren, in denen sie Umsatzeinbußen von 40 Prozent beklagen musste. „Die Labels haben ihre Hausaufgaben gemacht und erschließen sich neue Erlösquellen”, sagt Michalk.

„Wenn es gelingt, das Problem der Internetpiraterie weiter in den Griff zu bekommen, könnte es nach sieben harten Jahren 2008 vielleicht eine Trendwende geben.”