Selbst Handelsschwergewichte stehen beim Thema Omnichannel ohne geeignete Systeme mit leeren Händen dar. Mit der passenden Software ergeben sich dagegen auch für kleinere Händler interessante Chancen im kanalübergreifenden Handel. Das zeigt das Beispiel der Warenwirtschaftslösung Easyfilius, die der Telekommunikationsgroßhändler Komsa für seine Handelskunden entwickelt hat.

Tina Kaden, Geschäftsführerin von Komsa Data & Solutions
Tina Kaden, Geschäftsführerin von Komsa Data & Solutions
Bei Endkunden ist Komsa in der Regel unbekannt. Dabei steht der Unternehmensname für den größten deutschen Telekommunikations-Distributor, der im Geschäftsjahr 2014/15 einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro erzielte, über 10.000 Handelspartner beliefert und mehr als 1.700 Mitarbeiter beschäftigt. Seinen Hauptsitz hat das Unternehmen in der sächsischen Ortschaft Hartmannsdorf vor den Toren von Chemnitz. In einer von der Nachwendezeit alles andere als verwöhnten Region stellt die Komsa-Gruppe eine Erfolgsgeschichte dar, die auch Anlass zu regionalem Stolz gibt. Dazu passt gut, dass das Unternehmen vieles aus einer Hand anbietet: Neben dem TK-Handel zählen dazu ein eigenes Handy-Reparaturcenter, Logistikdienste sowie eine hauseigene Werbeagentur. Außerdem noch die Komsa Data & Solutions GmbH, die sich um Softwareentwicklung und IT-Dienstleistungen für die Handelsgruppe kümmert und die mit dem Warenwirtschaftssystem Easyfilius eine Lösung entwickelt hat, die für die angeschlossenen Händler in Zeiten der Handelsdigitalisierung eine große Chance darstellt.

„Easyfilius hat sich aus der1998 entstandenen Komsa-Bestellsoftware Filius heraus entwickelt und ist über die Jahre am Bedarf der Händler gewachsen“, erzählt Tina Kaden, Geschäftsführerin von Komsa Data & Solutions. Am Anfang stand der Wunsch, Händlern die Bestellung bei dem Telekommunikationsgroßhändler zu erleichtern und diese mit Produktinformationen zu versorgen. Dazu kamen mit der Zeit weitere Funktionen wie ein Kassenmodul, Lagerverwaltung, CRM-Funktionalitäten, Kalkulation und Margenrechnung sowie mobilfunkspezifische Anwendungen wie die Netzfreischaltung und die Verwaltung von Vertragsverlängerungen. Die umfangreiche Softwarelösung sei auch heute noch „zu 80 Prozent eigenentwickelt“, berichtet Tina Kaden, biete aber auch Schnittstellen zu einer Vielzahl von Drittkomponenten. Besonders stolz ist man am Komsa-Sitz in Hartmannsdorf auf die Zertifizierungen und Prämierungen, die Easyfilius bereits auf sich ziehen konnte. So trägt die Handelslösung das Prädikat „Software made in Germany“, konnte man wiederholt den Innovationspreis der Initiative Mittelstand gewinnen und auch erfolgreich eine Usability-Zertifizierung der TU Chemnitz abschließen.

Datenbasis ermöglicht Omnichannel-Funktionen

Die Verfügbarkeitsinformationen machen Easyfilius zum Omnichannel-System
Die Verfügbarkeitsinformationen machen Easyfilius zum Omnichannel-System
Vor dem Hintergrund der Handelsdigitalisierung wird Easyfilius durch seine Warenwirtschaftsfunktionen interessant: Über das Programm lassen sich Lieferverfügbarkeiten beim Großhändler Komsa einsehen, der Händler kann den bestellten Warenbestand pflegen und um eigene Artikel ergänzen und schließlich können Bestände und Verfügbarkeiten per Schnittstelle in E-Commerce-Anwendungen exportiert werden. Das macht für Komsa-Partner bereits seit mehreren Jahren unter anderem den sogenannten „E-Logistik-Auftrag“ möglich: Händler können vom Endkunden nachgefragte, im Laden nicht verfügbare Artikel aus dem Geschäft heraus über Easyfilius beim Großhändler Komsa bestellen. Der Kunde bezahlt die Artikel im Laden und erhält seinen Einkauf schnellstmöglich von dem Distributor nach Hause geliefert. „Diese Funktion wird von den Endkunden schon seit längerem sehr gut genutzt und generiert jedes Jahr Umsatzvolumina von mehreren Millionen Euro“, berichtet Komsa Data-Chefin Tina Kaden.

Die per Easyfilius mögliche On-/Offline-Verknüpfung ist auch die Voraussetzung für die 2014 gestartete Zusammenarbeit der zur Komsa-Gruppe gehörenden TK-Kooperation Aetka mit eBay. Die Verbundgruppe setzt statt eines zentralen Onlineshops auf ein Netzwerk dezentraler eBay-Shops, die mittels einer Hub-Seite übergreifend dargestellt werden. Aetka-Händler können dafür in Easyfilius auswählen, welche lokal verfügbaren Artikel sie über eBay verkaufen wollen und ob sie darüber hinaus auch E-Logistik-Aufträge in ihren eBay-Shops abwickeln wollen. Aetka zählte zu den ersten eBay-Partnern, die Click & Collect anboten und auch hier sorgte die Warenwirtschaftslösung für die entsprechenden Voraussetzungen: Wird ein Artikel im eBay-Shop eines Aetka-Partners verkauft, wird über Easyfilius sofort eine entsprechende Reservierungsmeldung erzeugt und der betreffende Artikel so für den Verkauf im Laden geblockt. „Über die Kooperation mit eBay können unsere Partner den Online-Handel mit den Stärken des Fachhandels kombinieren und über vom Verbraucher zunehmend geschätzte Leistungen entscheidend punkten“, erklärt dazu Aetka-Chef Uwe Bauer und verweist auf Services wie taggleiche Lieferung oder Abholung im Geschäft, Verknüpfung von Verkauf und Dienstleistung sowie Beratung vor und nach dem Kauf. „Der Online Marktplatz ist die Fortführung unseres Omnichannel-Ansatzes, Kunden über das Internet in den Fachhandel zu führen“, so Bauer.

„Lösung für die komplette Handelsbranche“

Der Komsa-Geschäftssitz im sächsischen Hartmannsdorf
Der Komsa-Geschäftssitz im sächsischen Hartmannsdorf
Spätestens seit der Kooperation mit eBay hat man bei Komsa Data & Solutions erkannt, welche Möglichkeiten Easyfilius gerade für kleine und mittlere Händler bietet. Die Konsequenz ist die Weiterentwicklung der Softwarelösung und die Öffnung hin zu Händlern jenseits der Komsa-Gruppe. So wurde inzwischen auf Basis von Shopware eine Onlineshop-Lösung aufgesetzt, mit der die gleichen Multichannel-Funktionen möglich sind wie über den eBay-Marktplatz von Aetka. Um den angeschlossenen Händlern Erleichterungen zu bieten, gibt es auch eine App-Version zu Easyfilius. An einer Cloud-Version des Programms wird derzeit gearbeitet, diese soll bis zum Jahresende zur Verfügung stehen. „Unsere Lösung ist für die komplette Handelsbranche geeignet“, zeigt sich Komsa Data-Chefin Tina Kaden überzeugt. Die Geschäftsführerin und ihr Unternehmen geben damit ein überzeugendes Beispiel für eine evolutionäre, aus der Praxis kommende Softwareentwicklung ab. Kleine und mittlere Händler können damit heute schon Funktionen anbieten, an denen einige Handelsschwergewichte noch knabbern.

In der Artikelserie Local Heroes werden Praxisbeispiele von Händlern und Handelsdienstleistern vorgestellt, die mit einer innovativen Verknüpfung von Online und Offline dem Einzelhandel den Weg in die Zukunft weisen. Die Artikelserie erscheint bei etailment mit Unterstützung der Handelsinitiave „Handel ist Wandel“. Daran beteiligt sind Local-Heroes-Unternehmen, die mit der Berichterstattung über besonders gelungene kanalübergreifende Handelsmodelle sowie einem wechselseitigen Erfahrungsaustausch die Handelsdigitalisierung vorantreiben wollen. Weitere Infos unter Handel-ist-Wandel.de.

Hinweis: Das im vorliegenden Beitrag erwähnte Unternehmen Aetka zählt zu den Unterstützern von „Handel ist Wandel“.