TGW Pickcenter (Foto: TGW Logistics Group GmbH)
TGW Pickcenter (Foto: TGW Logistics Group GmbH)
Mehr E-Commerce heißt auch mehr Aufwand, mehr Tempo. Das zwingt Lieferanten und Händler zu immer komplexeren Lösungen für die zugleich  effizientere Modelle gefragt sind. Jedes der Geschäftsmodelle vom kleinen Start-Up über Online Pure-Player und Katalog-Versender mit Online-Portal bis hin zu klassischen Filialisten hat dabei eigene Anforderungen an die Logistik. Besonders im Multichannel-Bereich sind ausgeklügelte logistische Lösungen gefragt, die die unterschiedlichen Formen der Kommissionierung kombiniert umsetzen können.

Lösungen aber gibt es längst nicht mehr von der Stange. Für die Umstellung auf Multichannel-Logistik müssen bestimmte Faktoren wie Auftragsstruktur sowie Kundenstruktur und Artikelstruktur betrachtet werden, um sich für die optimale Logistiklösung entscheiden zu können.

Branchen-typische Unterschiede

Multichannel-Lösungen müssen daher individuell an die Branche angepasst werden. Lebensmittelhändler müssen beispielsweise aufgrund der Frischeanforderungen eine andere Vorgehensweise aufweisen als Textil- oder Fashionhändler. Der Kunde will in beiden Fällen einen möglichst großen Warenkorb vorfinden, dennoch werden im Lebensmittelhandel für den E-Commerce-Sektor derzeit noch viele Artikel ausgespart und nicht angeboten.

Multichannel-Lösungen

Bei einem "Multi-Step"-Approach wird beispielsweise zu einer dynamischen Kommissionieranlage nach dem Ware-zur-Person-Prinzip eine zusätzliche Stufe für den Batchsplit und die Verpackung von Online-Aufträgen eingerichtet. Im filialoptimierten System werden so hochergonomische Arbeitsplätze bedient.

Put-Station (Foto: TGW Logistics Group GmbH)
Put-Station (Foto: TGW Logistics Group GmbH)
Kommen zu einem System zunehmend Online-Aufträge in den Mix, kommt es zu einer dramatischen Beeinträchtigung der Effizienz des Gesamtsystems, nicht nur die Online-Aufträge werden mit hohen Kosten per Pick abgewickelt, auch die Effizienz für das Filialgeschäft sinkt. Mit einer zusätzlichen Stufe ist hier allerdings Abhilfe geschaffen.

Die Onlineaufträge werden zu größeren Online-Batches zusammengefasst – etwa in der Dimension der idealen Filialaufträge und somit ähnlich wirtschaftlich in einer ersten Stufe kommissioniert. Der Online-Batch wird danach in einen Split- und Packbereich transportiert und dort beispielsweise mit Hilfe eines Brieffachsystems in Einzelaufträge zerlegt. Aus den Brieffächern erfolgt die Verpackung und der Abtransport in den Versand. Ideal scheint dieser Ansatz bei der Erweiterung von bestehenden Anlagen bzw. der Integration des Onlinegeschäftes in bestehende Kommissionieranlagen.

Dropbox oder ähnliche Mischsysteme

Pickstation (Foto: TGW Logistics Group GmbH)
Pickstation (Foto: TGW Logistics Group GmbH)
Bei diesem Ansatz werden die Aufträge, egal, ob sie für die Filialbelieferung oder das Onlinegeschäft bestimmt sind, in Batches gemischt. Wesentliches Kriterium für die Verbatchung ist neben systembedingten Restriktionen wie Cut-off-Zeiten oder Packvorschriften die Optimierung der Systemnutzung. Ein automatisches System führt die zu kommissionierende Ware in der Regel 1:1-Arbeitplätzen zu.

Dort werden die Artikel einzeln in platzsparende und produktschonende Transporthilfen umgepackt. Die Artikel werden in der Folge batchweise gepuffert und sortiert und abschließend in einer perfekten Sequenz den Verpackungsarbeitsplätzen zugeführt. Aus Systemsicht muss es unerheblich sein, ob Klein- oder Großaufträge abgehandelt werden. Lediglich bei der Verpackung muss die unterschiedliche Dynamik bei den Verpackungskartons berücksichtigt werden. Mit diesem System kann auch kurzfristigen saisonalen Schwankungen ideal entgegen gewirkt werden.

Fazit

Die Umstellung auf Multichannel hängt immer von den individuellen Anforderungen ab. Bereits realisierte Projekte zeigen aber, dass die Zusammenführung in ein Multichannel-Distributionszentrum durchaus wirtschaftlich sein kann, nicht zuletzt dadurch, da doppelte Bestände vermieden werden.

Zum Beitrag

Bei dem Beitrag handelt es sich um eine gekürzte Fassung eines Beitrags der TGW Logistics Group aus dem Jahrbuch Logistik 2013. Die TGW Logistics Group ist ein integriertes Lösungsnetzwerk. Seit 1969 realisiert das Unternehmen unterschiedlichste innerbetriebliche Logistiklösungen, von kleinen Fördertechnik-Anwendungen bis zu komplexen Logistikzentren für die führenden Unternehmen in verschiedensten Branchen. Dadurch erzielte die TGW Logistics Group im Wirtschaftsjahr 2011/12 Umsatzerlöse von 362,3 Mio Euro.