So langsam beginnt das Zeitalter der elektrischen Nutzfahrzeuge. Start-ups sorgen aktuell für den Anschluss, die etablierten Hersteller folgen zögerlich. Elektrolieferwagen sind auf der viel zitierten „letzten Meile“ die Idealbesetzung.

 Für den Anschluss sorgt aktuell aber nicht die schwergewichtige Automobilindustrie, sondern die Start-up-Szene. Allen voran die Deutsche-Post-Tochter Streetscooter GmbH. Das aus einem Forschungsprojekt der Universität Aachen hervorgegangene Unternehmen führt die etablierte Szene seit 2014 mit einem kleinen E-Laster vor, der inzwischen beispielsweise schon beim Fischhändler Deutsche See im Einsatz ist und bei der Ikea-Filiale in Kaarst von Kunden gemietet werden kann. In Zusammenarbeit mit dem Dienstleister Comco und der GLS Bank gibt es auch bereits ein Leasingangebot.

Größeres Modell in Planung

Nun tüfteln die Aachener an einem größeren, batterieelektrisch betriebenen Transporter auf dem Fahrgestell des Ford Transit. Auch für dieses Fahrzeug soll es perspektivisch nicht beim reinen Postdienst bleiben. Neben dem Produktionsstandort in Aachen wird bis Sommer nächsten Jahres eine zweite Fertigungsanlage in Düren entstehen. Dann will die Post jährlich 20.000 Streetscooter produzieren.

Auch Hermes experimentiert mit E-Mobilität in Hamburg

Ein wenig Spannung kommt auch in Hamburg auf: Ende 2015 gründete der Autoersatzteilspezialist Wulf Gaertner Autoparts die hundertprozentige Tochtergesellschaft Emovum mit dem Ziel, die Elektromobilität und die dazugehörige Ladetechnik weiterzuentwickeln. Mittlerweile liefert der Logistikdienstleister Hermes in der Hansestadt mit sechs durch Emovum zu Elektromobilen umgebauten Fiat Ducatos aus.
Im Arbeitsalltag des Handels bereits angekommen: der von der Post-Tochter Streetscooter entwickelte Elektro-Transporter.
© Deutsche See
Im Arbeitsalltag des Handels bereits angekommen: der von der Post-Tochter Streetscooter entwickelte Elektro-Transporter.
„Für uns führt mit Blick auf die weiter steigenden Paketmengen gerade in den Metropolen an emissionsfreien Zustellkonzepten kein Weg vorbei“, sagt Dirk Rahn, Geschäftsführer Operations von Hermes Germany.

Etablierte Automobilindustrie noch zögerlich dabei

Iveco Daily Electric, Renault Kangoo, Nissan e-NV 200 und die französischen Zwillinge Citroën Berlingo und Peugeot Partner – viel mehr Modelle hat die etablierte Automobilindustrie bislang noch nicht an die Steckdose gebracht. Jetzt startet Volkswagen mit ausgewählten Kunden einen Feldversuch mit dem e-Crafter. Ab Mitte 2018 soll die Serienauslieferung beginnen.

Zur IAA im September nächsten Jahres will Mercedes-Benz einen eVito an den Start bringen. Bestellbar ist der Transporter mit 150 Kilometern Reichweite bereits – zum Preis von 39.990 Euro (ohne Mehrwertsteuer).  Angesichts der anhaltenden Verkaufserfolge mit konventionellen Transportern gönnte sich die Branche zuletzt ohnehin eine kreative Pause. Jetzt kommt endlich wieder Bewegung in die Szene: Bereits für „das erste Halbjahr 2018“ kündigt Mercedes-Benz den neuen Sprinter an.

Es wird auch Zeit! Die aktuelle Version stammt aus dem Jahr 2006…  Und bei den Stadtlieferwagen läuft sich die neue Generation von Citroën Berlingo und Peugeot Partner warm. Davon abgeleitet wird der künftige Opel Combo. Bevor der ehemalige Kooperationspartner aus Stuttgart mit der dritten Sprinter-Generation die Schlagzeilen dominiert, lenkt die Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen noch einmal die Aufmerksamkeit auf den erstmals selbst kreierten Crafter. Nach der erfolgreichen Einführung vor Jahresfrist legen die Hannoveraner jetzt einige Derivate des viel beachteten Erstlingswerks auf: Der Lieferwagen steht nun wahlweise mit Front-, Heck- und Allradantrieb zur Verfügung.

„Kunden können so nach ihren Anforderungen wählen, ob sie mehr Ladevolumen oder mehr Nutzlast benötigen“, erklärt Volkswagen-Produktmanager Julian Retzlaff. Mit vier Karosserievarianten, drei Aufbaulängen und drei Dachhöhen ergeben sich 69 Versionen. Auch ein Achtgang-Automatikgetriebe findet sich in der Bestellliste.

Der 2015 erstmals vorgestellte Hyundai H 350 ist im Reigen der etablierten Sprinter, Ducato und Co. noch immer ein Neuling. Jetzt haben die Koreaner ihr Garantieangebot erweitert. Käufer können kostenfrei ihre passende Variante wählen – entweder drei Jahre ohne Kilometerbegrenzung oder fünf Jahre bis 200.000 Kilometer Laufleistung. Eingeschlossen ist jeweils eine Mobilitätsgewährleistung mit kostenlosem Pannen- und Abschleppdienst.
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