Weltbild kommt nicht zur Ruhe. Erst die Zahlungsunfähigkeit des Besitzers von 67 Filialen, nun hat es den Logistiker erwischt. Doch der Geschäftsbetrieb soll normal weiterlaufen, betont der Buchhändler.

Knapp ein Jahr nach der Übernahme des insolventen Weltbild-Konzerns durch den Düsseldorfer Investor Droege muss der damals abgetrennte Logistikbereich erneut Insolvenz anmelden. Die Also Logistics Services GmbH in Augsburg habe am Dienstag den Betriebsrat informiert, dass die Geschäftsführung einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung stellen werde, teilte das Unternehmen mit.

Also Logistics kümmert sich seit 2014 um den Versand der Artikel des Augsburger Medienhändlers. Die Weltbild GmbH & Co. KG ist hingegen fürs Kerngeschäft zuständig. Beide Firmen gehören zur Droege-Gruppe.

"Ware von Lieferanten und Verlagen ist sicher"

Die Gewerkschaft Verdi bestätigte, dass die Also-Mitarbeiter über den geplanten Gang zum Insolvenzgericht informiert wurden. Insgesamt sind rund 450 Beschäftigte davon betroffen. Das ehemals der katholischen Kirche gehörende Unternehmen Weltbild hatte Anfang 2014 Insolvenz angemeldet. Nach der Mehrheitsübernahme des Augsburger Konzerns durch Droege war es aufgeteilt worden, die Weltbild-Logistik wurde in den Schweizer Also-Konzern eingegliedert.

Weltbild selbst ist von der Insolvenz-Ankündigung überrascht worden, teilt das Unternehmen mit. "Weltbild ist nicht betroffen. Alle Kunden, die bestellt haben, bekommen ihre Ware ganz normal. Bereits an Weltbild gelieferte Ware von Verlagen und Lieferanten ist sicher", betont Patrick Hofmann, Weltbild-Geschäftsführer, per Mitteilung. Die Geschäftsbeziehungen zu Kunden und Lieferanten liefen normal weiter, versichert das Unternehmen weiter. Also sei lediglich ein Dienstleister von Weltbild.

Verdi spricht von einem Gemeinschaftsbetrieb

Verdi betrachtet beide Unternehmen jedoch weiterhin als einen Gemeinschaftsbetrieb. Das Arbeitsgericht Augsburg hat zudem eine gemeinsame Einigungsstelle eingerichtet, bei der es um den Personalabbau bei beiden Unternehmen geht.

Die von Also angestrebte Insolvenz in Eigenverwaltung ermöglicht einem finanziell angeschlagenen Betrieb die Nutzung des Insolvenzrechts, ohne dass die Geschäftsführung die gesamte Verantwortung abgeben muss. Dem Unternehmen wird allerdings ein sogenannter Sachwalter zur Seite gestellt.

Bei der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen begründete die Also-Mutter am Dienstag den Schritt der Insolvenz-Anmeldung: "Die im letzten Jahr aus der Insolvenzmasse der Weltbild erworbene Logistikaktivität (...) hat im ersten Halbjahr Verluste von rund 4 Millionen Euro verursacht", hieß es. Zudem entwickelten sich die Umsätze rückläufig. "Das Unternehmen kann daher angesichts seiner Kostenstruktur ohne umfassende Restrukturierung nicht wettbewerbsfähig im Markt agieren."

Weltbild indes sieht sich auf einem guten Kurs. "Wir blicken zufrieden auf ein anspruchsvolles erstes Jahr zurück. Umsatz und Ergebnis liegen auf Plan", so Geschäftsführer Hofmann. "Wir hatten einen guten Start in den ersten Monat des neuen Geschäftsjahres im Juli. Unsere günstigen Eigenproduktionen im Buchbereich punkten richtig bei den Kunden." Demnächst würde eine Jokers-Filiale in Münster, danach in Bochum eröffnet. Das Unternehmen setze auf Wachstum mit einer klaren Multichannel-Strategie, betont Sikko Böhm, Weltbild-Geschäftsführer für Markt und Vertrieb.

Erst vor wenigen Tagen war für die Buchhandelskette Lesensart aus Ahaus in Nordrhein-Westfalen ebenfalls Insolvenz angemeldet worden. Die Kette hatte Anfang des Jahres 67 Weltbild-Filialen übernommen.