Seit sechs Jahren hält der Aufschwung der britischen Automobilbauer an – und soll sich nun mit neuen Modellen wie dem Jaguar F-Pace und dem Land Rover Evoque Cabrio sowie weiteren Produktoptimierungen fortsetzen.

Die Weltklimakonferenz in Paris im Dezember mit ihren Beschlüssen zur Begrenzung des Kohlendioxidausstoßes ist schon zwei Monate nach dem mühsam erarbeiteten Abschlussprotokoll praktisch vergessen, die mediale Aufregung im Januar um den ersten „Feinstaubalarm“ in Stuttgart ebenso verraucht. Die moderne Mobilitätsgesellschaft findet stets schnell zur Tagesordnung zurück. Dabei sind größte Anstrengungen und vor allem kleine Fahrzeuge, idealerweise mit alternativen Antrieben, gefragt, um Klima und Atemluft zu retten. Doch das Gegenteil ist der Fall: „Luxus läuft“ und „Geländewagen boomen“, so lauten auf allen relevanten Märkten die aktuellen Erfolgsformeln der Automobilhersteller.

Davon profitieren die 2008 unter dem Dach des indischen Tata-Konzerns zusammengeführten britischen Nobelmarken Jaguar und Land Rover in besonderem Maße. Seit 2010 steigt die Absatzkurve beständig, auf 487.065 Fahrzeuge im vergangenen Jahr und für 2016 haben die Briten erstmals „die halbe Million fest im Visier“, wie Unternehmenssprecherin Andrea Leitner-Garnell ankündigt.

Verheißungsvoller Jahresauftakt

Auch die Deutschland-Dependance in Schwalbach am Taunus trägt ihr Scherflein zum Aufschwung der Traditionsmarken bei. Jaguar legte nach den Erhebungen des Kraftfahrt-Bundesamtes im vergangenen Jahr um 17,9, Land Rover sogar um 24,1 Prozent zu. Und im Januar sah es noch verheißungsvoller aus: Plus 68,2 Prozent für Jaguar, plus 46,8 Prozent für Land Rover.

Eckpfeiler des Erfolges sind, neben den allgemeinen Trends, natürlich die neuen Modelle, die im Laufe der letzten Jahre mithilfe der indischen Elf-Milliarden-Euro-Investitionsspritze entwickelt werden konnten. Jetzt spreizt Jaguar mit dem F-Pace sogar sein Angebot um den ersten Geländewagen in der 80-jährigen Unternehmensgeschichte, während Land Rover dem stylischen Evoque auch noch eine Cabrio-Variante zur Seite stellt. Die Frühjahrsneuheiten dürften dem Zeitgeist ebenfalls entsprechen und den Aufschwung beflügeln.

Präsentationsflächen für den Handel

Zur Präsentation dieses Duos hat der Hersteller in verschiedenen deutschen Städten Präsentationsflächen angemietet, wo die örtlichen Händler ihre Kunden zum Kennenlerntermin einladen können. Auch mit der ersten Marken-Boutique am Münchner Odeonsplatz gehen die Briten neue Marketingwege. In dem 250 Quadratmeter großen Schauraum lädt der Importeur zu Veranstaltung, Ausstellungen – und zur typisch englischen „Teatime“. Gleichzeitig wird das Händlernetz ausgebaut, zuletzt um neue Standorte in Leipzig und Kronberg.

Auch die kontinuierliche Produktpflege gehört längst zum guten Ton. Nach der Neueinführung des XE und der umfangreichen Überarbeitung des XF erhält nun auch die 2010 eingeführte, achte Generation der Oberklasse-Baureihe XJ ein Update. LED-Scheinwerfer und ein größerer Kühlergrill künden vom Modelljahrgang 2016. Wichtiger sind allerdings die Optimierung des 3,0-Liter-Sechszylinder-Diesels mit nunmehr 221 kW/300 PS und einem maximalen Drehmoment von 700 Newtonmetern. Dazu gibt es eine neue Top-Ausstattung, die praktisch keine Wünsche offen lässt. Die Preise für das Jaguar-Flaggschiff, das hierzulande gegen Mercedes-Benz S-Klasse und Co. allerdings einen schweren Stand hat und 2015 lediglich 221 unverzagte Käufer fand, beginnen bei 81.000 Euro.

Preise bis 196.000 Euro

Foto: Land Rover
Foto: Land Rover
Noch deutlich mehr investieren müssen Interessenten für den Range Rover in der neuen „SV Autobiographiy“-High-end-Ausstattung. Je nach Radstand und Motorisierung werden zwischen 120.000 und 196.000 Euro fällig. Dann klappen die holzvertäfelten Tische im Fond auch elektrisch aus, stehen Multimedia-Bildschirme zur Verfügung und der Hörgenuss der 1.700-Watt-Soundanlage wird über 29 Lautsprecher vermittelt. Wie gesagt: „Luxus läuft“.

Doch auch die Basis lassen die Briten nicht ganz außer Acht: Der erst im vergangenen Jahr eingeführte Land Rover Discovery Sport geht mit einem neu und eigenständig entwickelten Dieselantrieb in zwei Leistungsstufen (110 kW/150 PS und 132 kW/180 PS) an den Start. Der Motor sei um 24 Kilogramm leichter und um 16 Prozent sparsamer als sein Vorgänger, schwärmt Technik-Chef Andreas Latt und spricht von Normverbrauchswerten von 4,7 beziehungsweise 4,9 Litern. Wahlweise stehen Sechsgang-Handschaltung oder Neungang-Automatik zur Wahl. Und immerhin: Die Preise für den „TD4“ beginnen bei vergleichsweise volkstümlichen 35.350 Euro.

Jetzt laufen bei Jaguar die Vorbereitungen für die Markteinführung des F-Pace im April auf Hochtouren. Mutmnaßlich aber noch wichtiger ist ein anderer Termin: Am 23. Juni stimmen die Briten darüber ab, ob sie weiterhin der Europäischen Union angehören wollen. Ein Austritt hätte sicher gravierende Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen im Königreich – und könnte den Höhenflug der Autobauer von der Insel unsanft bremsen.

Bernd Nusser