Der Premium-Autobauer Porsche setzt auf das Ende der Krise und stellt den überarbeiteten Supersportwagen 911 Turbo vor.

So schnell kann das gehen: „Krise war gestern", lautet der aktuelle Slogan der Banker. Die umstrittenen Bonuszahlungen sollen, laut den Recherchen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung", in diesem Jahr jedenfalls neue Rekordhöhen erreichen. Und auch so mancher Mittelständler ist gut im Geschäft.

"Ein bisschen Spaß muss sein"

Die zunehmend positiveren Nachrichten in den Wirtschaftsteilen des Blätterwaldes vernimmt man natürlich auch im Hause Porsche nur zu gern. Wenn es der traditionellen Kundschaft der Sportwagenschmiede gut geht, geht es auch dem Unternehmen gut - von selbst initiierten Übernahmeschlachten einmal abgesehen.

Luxus läuft weiter. Und so präsentieren die Schwaben in diesen Tagen auf dem Rennkurs im portugiesischen Estoril der internationalen Presse mit breiter Brust ihren überarbeiteten 911 Turbo, das Sahnehäubchen auf der Kernbaureihe der Marke. 

Beeindruckender Bollide

Frei nach dem Motto „ein bisschen Spaß muss sein", können die versammelten Autoexperten aus aller Herren Länder die beeindruckenden Kennzahlen des Bolliden auf der abgesperrten Piste selbst erfahren. 368 kW/500 PS, Höchstgeschwindigkeit 312 km/h, 3,4 Sekunden von 0 auf Tempo 100, bis zu 700 Newtonmeter Drehmoment - und Preise ab 145.871 Euro. Rallye-Legende Walter Röhrl, der gerade seinen Vertrag als Porsche-Repräsentant um ein weiteres Jahr verlängert hat, drückt das so aus: „Das Auto hat schon bei niedrigen Drehzahlen einen gewaltigen Bums."

Benzindirekteinspritzung und Doppelkupplungsgetriebe

Nachdem das Unternehmen nun binnen eines Jahres die gesamte Flotte  auf eine neue Motorengeneration mit Benzindirekteinspritzung umgestellt, dazu noch den ersten Diesel im Pkw-Bereich und mit dem Panamera eine neue Baureihe eingeführt hat, kommt als letztes Modell auch der Turbo in den Genuss des 3,8-Liter-Antriebes. Auch das Doppelkupplungsgetriebe (PDK) und die aktuelle Version der Navigation ist nun für den stärksten „11er" zu haben.

30 Prozent entscheiden sich für den Turbo

Trotz des spektakulären Auftritts des Supersportwagens, versucht Porsche nicht nur auf der Strecke sondern auch in der Kommunikation Bodenhaftung zu bewahren: „Verbrauch und CO-2-Emmision sind heutzutage die wichtigsten Werte", bemüht sich Baureihenleiter August Achleitner herauszustellen. So sei der Kraftstoffkonsum gegenüber dem Vorgängermodell auf 11,6 Liter (mit PDK 11,4 Liter) um bis zu 16,2 Prozent und der Kohlendioxid-Ausstoß um bis zu 17,8 Prozent gesenkt worden.

Zudem habe der Turbo, der 1974 und damit unmittelbar nach der ersten großen Ölkrise das Licht der automobilen Welt erblickte, stets seine Anhänger gefunden. Immerhin rund 30 Prozent aller 911-Käufer entscheiden sich für das aufgeladene und im Vergleich zum Basismodell Carrera (ab 84.705 Euro) deutlich teurere Fahrzeug.

Panamera gut gestartet

Dass die Begeisterung für den „Mythos Porsche" bei der zahlungskräftigen Kundschaft ungebrochen ist, belegen auch die aktuellen Verkaufszahlen. Trotz Wirtschafts- und Umweltkrise und ohne Unterstützung durch die Abwrackprämie setzte die Marke auf dem deutschen Markt in den ersten neun Monaten des Jahres mit 12.151 Einheiten lediglich zehn Prozent weniger ab als im Vergleichszeitraum 2008. 

Das Minus dürfte sich mit Blick auf das schwache vierte Quartal 2008 bis Jahresende eher noch verringern, „Und für den neuen Panamera liegen weltweit bereits 5.000 Kundenbestellungen vor. Damit liegen wir über Plan", erklärt Pressesprecher Hermann-Josef Stappen gegenüber derhandel.de.

Neuer Cayenne kommt 2010

Das Interesse an der Oberklasse-Limousine dürfte sich 2010 noch steigern. Dann wird das Motorenprogramm nach unten abgerundet und auch das nach dem 911 zweite Volumenmodell, der Geländewagen Cayenne, kommt im nächsten Jahr neu auf den Markt.

Bernd Nusser