Opel gewinnt mit dem Insignia immer mehr Kunden aus dem Premiumbereich und liefert sein Mittelklassemodell nun auch als 160-PS-Diesel mit Allradantrieb aus.

Opel spielt im Überlebenskampf weiter seinen wichtigsten Trumpf: Immer neue Varianten zaubern die Rüsselsheimer von ihrem Mittelklassemodell Insignia aus dem Hut. Von verbrauchsarm bis top-sportlich - die Baureihe wird gedehnt und gespreizt. Mit Erfolg: 230.000 Bestellungen, und damit deutlich mehr als erwartet, gingen seit der Ablösung des Vorgängers Vectra im Herbst 2008 ein.

Innovationskraft der Ingenieure

Rund 40 Auszeichnungen heimste das in drei Karosserievarianten lieferbare Fahrzeug seither ein - für Opel absoluter Rekord und ein Beleg für die Innovationskraft der Ingenieure im technischen Entwicklungszentrum des weiterhin von Existenznöten geplagten Unternehmens.

"Der Insignia kommt zur rechten Zeit", hatte der damalige Europachef Carl-Peter Forster immer wieder verkündet. Heute weiß man: Für den Insignia war es höchste Zeit. Ohne das Modell gäbe es die General Motors-Sparte vielleicht schon gar nicht mehr.

"Kunden werden immer anspruchsvoller"

Auf dem Weg zu neuer Profitabilität helfen inzwischen sogar die Premiumkunden. "Zehn Prozent der Insignia-Käufer kommen von Audi und VW, fünf Prozent von BMW und Mercedes", erklärt Opel-Marketingchef Alain Visser - nicht ohne Pathos in der Stimme - und spricht von einer „Luxussituation für die Händler", die man so "nicht erwartet" habe. "Unsere Kunden werden immer anspruchsvoller", hat Visser erkannt.

Opel reagiert mit einer neuen Ausstattungslinie, die sich blumig „Indian Summer" nennt. Mit Nappa-Softledergestühl, "von süddeutschen Zuchtbullen", wie Designer Malcom Ward betont, möchten die Hessen den Trend bedienen, den auch andere Hersteller einschlagen.

Die Motorleistung verliert zunehmend an Bedeutung, dafür stecken die Kunden immer mehr in die Komfortausstattung ihrer Gefährte. Einfaches Motto: Wenn man in den gesättigten Märkten Europas nicht mehr Autos verkaufen kann, dann muss man eben teurere Autos verkaufen. Für den "Indian Summer" mit cognacfarbenem Interieur werden jedenfalls nochmals 1.760 Euro auf die bisherige Top-Ausstaffierung fällig.

Allrad sorgt für Bodenhaftung

Gleichzeitig bewahrt Opel aber buchstäblich die Bodenhaftung und bietet den variablen Allradantrieb des schwedischen Herstellers Haldex nun nicht mehr ausschließlich mit den PS-starken Turbo-Benzinern, sondern auch mit dem überarbeiteten 2,0-Liter-Diesel mit 118 kW/160 PS zu Preisen ab 33.435 Euro an. Abgesehen von Geländewagen wie Frontera oder Antara ist dies der erste Opel-Diesel mit 4x4-Antrieb.

Damit steigen nicht nur der Preis um mehr als 3.000 Euro und die Verbrauchswerte um rund einen Liter, sondern auch die Anhängelast um rund 100 Kilogramm gegenüber dem Frontantrieb.

Zwar ist der Wert noch nicht endgültig freigegeben, doch zeigte sich bei einem Test auf einer abgesperrten Piste, dass der allradgetriebene Selbstzünder auch Anhänger mit zwei Tonnen Gesamtgewicht mühelos an den Haken nehmen und beherrschen kann. Dazu trägt maßgeblich das Anhängerstabilitätsprogramm bei, das beim Erwerb einer Anhängerkupplung serienmäßig mitgeliefert wird.

Sensoren an der Kupplung überwachen das Verhalten des Hängers und bremsen im Bedarfsfall die einzelnen Räder des Zugfahrzeugs ein, um das Gespann zu stabilisieren. Gewerbetreibende in bergigen Regionen mit mobilem Verkaufsstand oder Freizeitaktivitäten am Wochenende werden dies zu schätzen wissen.

Bernd Nusser