Werden Handels-Apps genutzt? Wie sieht es aus mit M-Couponing? Die Redaktion von Der Handel sprach mit Verbrauchern über das Einkaufen mit dem Smartphone, mobiles Marketing und das Handy als Geldbörse (Teil 2).

Nutzen Sie auch Apps von Handelsunternehmen?
Klaus: Ich habe ein Haus gebaut und daher die von Obi drauf, damit kann man Farben mischen und so etwas.

Costantini:
Mango, Esprit, Apotheken­finder, so etwas habe ich alles.

Prüser: So hoch spezialisierte Apps wie Apothekenfinder nutze ich nicht. Da würde ich nach einer Zeit vergessen, dass ich sie habe und dann wieder über Google suchen.

Wie sieht es mit Gutschein- oder Rabattierungs-Apps wie Payback oder Groupon aus?
Costantini: Das ist mir zu anstrengend, wenn man immer dran denken muss, da verliert man die Übersicht. Wenn man die immer alle nutzen wollte, da gibt es ja Millionen Angebote.

Nandelstädt: Das finde ich auch. Wenn es da etwas Übergeordnetes gäbe, wäre das gut. Schließlich denkt man ja nicht immer darüber nach: Habe ich eine App für diesen oder jenen Händler? Jede App von jedem Händler runterladen, immer aktualisieren und dann aufrufen, wenn ich dort einkaufen will - das macht keinen Sinn.

Prüser: Das wäre mir auch zu aufwendig, wenn ich vor dem Kauf erst dran denken muss ...

Klaus: Da bräuchte man ja für 300 Meter in der Fußgängerzone 20 Apps für Pizza Hut, H&M, Deichmann und so weiter. Ich habe zwar vente-privee und Groupon drauf, nutze sie aber kaum noch.

Hieke:
Ich fände aber zum Beispiel eine App interessant, die erkennt, dass ich jetzt bei Rewe bin, und die dann sagt „Hallo Herr Hieke, heute haben wir für Sie die Butter im Angebot, die Sie immer kaufen." So etwas würde ich bei dem Laden meines Vertrauens nutzen - und das kommt sicher auch. Über die Kundenkarten wissen die Händler ohnehin was man kauft - ob Tegut-Karte oder Payback.

Foto: Klaus Ohlenschläger
Foto: Klaus Ohlenschläger
Nandelstädt: Es kommt aber sehr auf die Form an. Ich will keine SMS-Werbung bekommen - grundsätzlich nicht. Und E-Mail-Spam bekomme ich schon genug. Das müsste schon freiwillig erfolgen, wenn ich mich in den Laden begebe.

Prüser: Die Vorstellung finde ich interessant: Ich habe einen ganz festen Rhythmus und kaufe immer samstags im gleichen Edeka ein. Wenn ich dann dort einchecke und der mir sagt: „Du kaufst immer diesen Wein, nimm heute doch mal sechs statt drei Flaschen mit, dann lege ich Dir was drauf." Das fände ich nett.

Hieke:
Ich auch, ganz genau. Es gibt ja Leute, die so ein Einkaufsverhalten haben, und ich gehöre dazu.

Klaus:
Das fände ich auch interessant, auch wenn sich das aktiviert, wenn ich in der Nähe des Geschäftes bin.

Prüser: Oder diese Amazon-Empfehlungen: „Du kaufst doch immer dies, probier doch mal das" oder „andere, die dies gekauft haben, haben auch das gekauft". Das könnte auch im stationären Handel interessant sein.

Hieke: Wenn man das individualisieren kann und es nicht so viel wird, dass man daran erstickt, wäre das sicher interessant. Die Daten sind ja vorhanden.

Prüser: Das ist doch besser als ein Coupon am Ende des Verkaufsprozesses auf dem Kassenbon, der mir nur ein schlechtes Gewissen bereitet, weil ich ihn vor dem nächsten Einlauf verloren habe.

Klaus: Der Lebensmittelhandel hat es noch nicht geschafft, sich darauf einzustellen. Das wäre eine große Chance, weg von diesen Prospekten. Aber die Händler sind wohl noch nicht so weit.

Themawechsel: Wie bezahlen Sie die Einkäufe, die mit dem Handy getätigt werden?
Costantini: Rechnung oder Nachnahme. Kreditkarten sind nicht so mein Fall.

Nandelstädt: Es kommt darauf an, welche Zahlungs­methoden angeboten werden und wo ich bestelle. Meine Kreditkartendaten vertraue ich nicht jedem an.

Foto: Klaus Ohlenschläger
Foto: Klaus Ohlenschläger
Klaus: Ganz genau. Ich nutze oft PayPal, wenn es ange­boten wird.

Prüser:
Das ist ja das Schöne bei Amazon, ich drücke einen Knopf und die wissen wo ich das hin haben will und wie ich bezahle - One-Click-Shopping.

Hieke: Mir wurden schon einmal 2.000 Euro wegen Kreditkartenmissbrauchs vom Konto abgebucht. Das wurde aber sofort anstandslos reguliert. Ich gebe die Kreditkartendaten bei Amazon oder bei anderen seriös wirkenden Shops an, damit habe ich kein Problem.

Klaus: Es kommt aber immer drauf an, bei wem man bestellt. (Allgemeine Zustimmung).

Prüser: ... und über ein offenes Netzwerk würde ich die Daten auch nie laufen lassen. (Allgemeine Zustimmung).

Würden Sie mit dem Handy auch an der Ladenkasse zahlen, wenn es möglich wäre?
Nandelstädt: Ich hoffe, dass das bald in der Breite kommt und rechne auch damit. Ich nutze das Handy bereits im öffentlichen Nahverkehr zur Zahlung. Ich will keine Karte oder Bargeld dabei haben. Beim Bäcker, im Supermarkt oder in der Kantine - ich warte darauf, dass man dort überall mit dem Handy zahlen kann.

Hieke:
Von wem soll das denn abgerechnet werden?

Da gäbe es verschiedene Möglichkeiten: Kreditkartenanbieter, Telekommunikationsunternehmen, Banken, Google, Apple oder Facebook. Wer wäre da ein Partner, dem Sie vertrauen würden? Den Tele­kommunikationsanbieter ...
Alle: ... nein!

Foto: Klaus Ohlenschläger
Foto: Klaus Ohlenschläger
Prüser: Ein Telekommunikationsunternehmen meines Vertrauens gibt es nicht! (Heiterkeit)

... Google, Facebook ...?
Alle: Nein!

Klaus: Eher die Bank, bei der ich auch mein Girokonto habe oder die Kreditkartenanbieter. Alles, was nicht Gerichtsstand Deutschland hat, wäre schwierig.
(Allgemeine Zustimmung)

Vielen Dank für das Gespräch!

Aufgezeichnet von Hanno Bender

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Dieses Round Table-Gespräch erschien in der Juli/August-Ausgabe von Der Handel im Rahmen des Specials "M-Commerce. Ein kostenfreies Probeexemplar erhalten Sie hier.