Die steigende Nutzung mobiler Internetdienste und die höhere Abonnentenzahl werden Umsatzrückgänge von 36% bei den traditionellen Mobilfunkbetreibern nicht wett machen.

Die steigende Nutzung mobiler Internetdienste und die höhere Abonnentenzahl werden Umsatzrückgänge von 36% bei den traditionellen Mobilfunkbetreibern nicht wett machen.

Zu diesem Ergebnis kommt Forrester Research. Das Marktforschungsunternehmen geht weiter davon aus, dass bis zum Jahr 2005 der durchschnittliche Umsatz je Nutzer (average revenue per user, ARPU) um 15% zurückgehen wird. Im Jahr 2007 würden die Betriebsgewinne der Betreibergesellschaften gegen Null tendieren und sich erst wieder nach sechs Jahren erholen. Diese Entwicklung wird zum Zusammenbruch vieler Unternehmen und zu einer massiven Konsolidierung führen.

"Europas Mobilfunkgesellschaften werden sich zusammenschließen müssen oder von der Bildfläche verschwinden. An UMTS wird man sich hauptsächlich als den Auslöser für die Implosion der europäischen Mobilfunkindustrie erinnern", prognostiziert Lars Godell. Er analysiert in der Forrester-Europazentrale in Amsterdam die Telekommunikationsbranche. "Die Konsolidierung wird nach unseren Erwartungen nur fünf Gruppierungen übriglassen, die von 2008 an alle mobilen Nutzer in Europa bedienen werden".

Um die Aussichten der Betreiber einschätzen zu können, hat Forrester ein Modell des durchschnittlichen Umsatzes von Betreibergesellschaften in 17 Märkten Westeuropas entwickelt. Wie Forrester mitteilt, würden die Berechnungen den Schluss nahe legen, dass trotz der explosionsartig wachsenden mobilen Nutzung des Internets der Umsatz je Abonnent zwischen den Jahren 2000 und 2005 im Jahresdurchschnitt um 15% von 490 Euro auf 419 Euro sinken wird.

Derzeit sorgen Sprachdienste, SMS-Nachrichten und die Datenübertragung von Faxen und Laptops für Umsatzzuwächse bei den Betreibergesellschaften. Nach Ansicht von Forrester dürften die Preise für alle drei Kategorien jedoch angesichts steigenden Wettbewerbs rasch sinken. Die Betreiber mobiler virtueller Netzwerke (mobile virtual network operators, MVNOs), unkonventionelle Anbieter wie Lebensmittelhändler und neue UMTS-Dienstleister würden in den kommenden fünf Jahren immer stärker auf den Markt für Mobiltelefonie drängen. Sie würden Sprachdienste bzw. dieSprachübermittlung als Lockvogel nutzen, um verstärkt die Nutzer mobiler Internetdienste von den etablierten Unternehmen wegzulocken. Diese Taktik werde den traditionellen Umsatzfluss zum Versiegen bringen. Die Folge: Der Umsatz mit Sprachdiensten soll um 44% zulegen, die Erlöse aus dem Versand von SMS-Nachrichten (Messaging) sollen zunächst zu- und dann abnehmen. Nur die traditionelle Datenübermittlung würde sich steigender Umsätze erfreuen. Alles in allem würden die Umsätze mit mobilen Diensten je Nutzer zwischen 2000 und 2005 um 36% zurückgehen und nur noch 313 Euro pro Jahr ausmachen.

Während die 26 befragten Mobilfunkbetreiber davon ausgehen, dass die neuen Umsätze aus mobilen Internetdiensten den Rückgang wett machen werden, sieht Forrester die Entwicklung weniger optimistisch. Umsätze für Internetzugang, -inhalte, -handel, -werbung, -Lokalisierungsdienste und andere mobile Dienstleistungen würden mit 106 Euro je Abonnent und Jahr aus Forrester Sicht die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Sie könnten höchstens 60% des Ausfalls traditioneller Umsätze auffangen. Es bliebe eine ARPU-Differenz von 69 Euro.

Um herauszufinden, ob die Betreibergesellschaften trotz des ARPU-Verfalls noch Gewinne erwirtschaften können, hat Forrester den Betriebsgewinn eines etablierten europäischen Anbieters bis zum Jahr 2015 errechnet. Der Zeitraum umfasst die typische Geltungsdauer einer UMTS-Lizenz. Werden konservative Schätzungen für Kosten und Umsatz zu Grunde gelegt, beginnt der Betriebsgewinn nach Berechnungen von Forrester im Jahr 2003 zu schrumpfen, rutscht 2007 in die Verlustzone und erholt sich nicht vor dem Jahr 2013. Die Frage nach dem Warum ist leicht beantwortet: Die mobile Penetration der Bevölkerung erreicht im Jahr 2005 mit 76% ihren Sättigungspunkt. Die Marketingkosten und der Wettbewerb verharren jedoch ebenso auf hohem Niveau wie die Churn-Rate. "Wenn trübe Gewinnaussichten und hoher Finanzbedarf ihren Tribut verlangen, wird Größe zum Schlüsselfaktor", ist Godell überzeugt. Die überlebenden Unternehmen würden sich nach seiner Ansicht deshalb in fünf Gruppen zusammenschließen. Vodafone, T-Mobile, France Telecom/Orange und BT Cellnet würden sich fast sicher auf der Gewinnerseite finden. Sie hätten bereits jetzt eine signifikante paneuropäische Präsenz vorzuweisen und seien kaum von einem Fehlschlag bedroht. KPN, Telefónica, Telecom Italia oder die japanische NTT DoCoMo dürften ebenfalls gute Aussichten auf ein Überleben in der Gruppe haben, schätzt Forrester. Dominante Marktgrößen in kleineren Märkten wie Norwegen oder Schweden müssten bis zum Jahr 2008 den Schulterschluss mit den genannten Gruppierungen suchen, um ihrerseits die Konsolidierungsphase zu überstehen. "Auf diese Weise wird kein einziger wirklich unabhängiger Anbieter mehr auf dem Markt übrigbleiben", meint der Forrester-Analyst.

"Wir rechnen nicht damit, dass irgendeines der neuen Unternehmen, die nach dem Erwerb einer UMTS-Lizenz auf den Markt drängen, das Jahr 2007 überleben wird", stellt Godell abschließend fest. Betreibergesellschaften aus der zweiten Reihe aus Ländern mit hohen Lizenzkosten wie Großbritannien oder Deutschland wiederum würden so schnell ohne finanzielle Polster dastehen, dass sie diese zeitliche Hürde erst gar nicht mehr zu überwinden brauchen. (RS)


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