Die Arcandor-Aktien von Madeleine Schickedanz sind Millionen wert. Doch die Quelle-Erbin muss dieses Geld abschreiben. Die Anteilseigener werden bei der Arcandor-Zerschlagung wohl leer ausgehen.

Das "Manager Magazin" bezeichnete sie als "Versandhaus-Diva". Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zog Parallelen zur fränkischen Landsfrau Elisabeth Schaeffler, deren Kugellagerfabrik sich ebenfalls in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten befand.

Aber so richtig Aufsehen erregte Madeleine Schickedanz, nachdem sie der "Bild am Sonntag" ("BamS") im Juli mitgeteilt hatte, dass sie mittlerweile von nur noch 600 Euro im Monat leben würde. Gewiss ist das eine arg zugespitzte Behauptung, denn diese 600 Euro dürften sich wohl lediglich auf die monatlichen Lebensmittelkosten von Madeleine Schickedanz und ihrem Mann Leo Herl beziehen.

Von drei Milliarden auf 27 Millionen Euro

In jedem Fall aber hat die Tochter des Quelle-Gründers Gustav Schickedanz seit der Arcandor-Krise infolge des Wertverlustes ihrer Aktien viel Geld verloren - und höchstwahrscheinlich wird sie noch mehr verlieren. "Mein Karstadt/Quelle-Aktienpaket war in der Spitze drei Milliarden Euro wert. Heute sind es gerade noch 27 Millionen Euro. Hinzu kommen 170 Millionen Euro Verlust aus meinem Privatvermögen für eine Kapitalerhöhung bei Arcandror im Jahr 2004 und noch zusätzlich ein dreistelliger Millionenbetrag, um das Unternehmen zu stabiliseren", sagte Madeleine Schickedanz ebenfalls der "BamS" im Juli.

Wertlose Arcandor-Aktien

Und heute schreibt das "Handelsblatt", dass der 65-Jährigen aus Hersbruck bezüglich ihrer noch verbliebenen Arcandor-Aktien ein Totalverlust drohe. Die Anteilseigner des insolventen Warenhaus- und Touristikkonzernzs (wozu auch die Gesellschafter der Privatbank Sal. Oppenheimer gehören), würden bei der Verwertung des Konzerns "mit ziemlicher Sicherheit" leer ausgehen, sagte Rolf Weidmann dem Blatt.

Weidemann ist Partner der Kanzlei des vorläufigen Arcandor-Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg.

Ein Wunder muss geschehen

Die Aktionäre des Konzerns seien im bevorstehenden Insolvenzverfahren (das nach Görgs Wunsch am 1. September beginnen soll) lediglich "nachrangige Gläubiger", wie es Weidmann formulierte. Diese Gruppe würde nur dann noch finanziell entschädigt, wenn zuvor alle Gläubiger zufriedengestellt worden sind - und darüber hinaus Eigenkapital übrig bleiben würde. "Dazu müsste schon ein Wunder geschehen", will das "Handelsblatt" aus "Konzernkreisen" erfahren haben.

Für Madeleine Schickedanz bedeutet diese Ankündigung, dass ihr derzeit auf rund 20 Millionen Euro taxiertes Arcancor-Aktienpaket im Prinzip wertlos ist.

Abwickeln und liquidieren

Nicht nur das: Auch eine Mitsprache bei der Verwertung einzelner Konzernteile werde es für Schickedanz nicht geben, schreibt das "Handelsblatt". Dies sei nur möglich, wenn Görg bei einem Insolvenzplan die Aktionäre eingebunden hätte, damit diese beispielsweise dem Verkauf von Konzernteilen zustimmen dürften. Laut Weidmann werde es aber dazu nicht kommen. Der Insolvenzfachmann sagte, dass die Arcandor AG nach Beginn des Insolvenzverfahrens eine sogenannte Abwicklungsfunktion erhalten - und danach liquidiert werde.

Hintergrund dieser radikalen Maßnahme ist die Weigerung der Großaktionäre, bei der Sanierung des Konzerns finanzielle Beiträge zu leisten. Daher ist es nicht überraschend, wenn auch die Gläubiger und Lieferanten für eigene Beiträge zur Unternehmensrettung nicht zu erwärmen sind.

Madeleine Schickedanz hatte 1999 den Zusammenschluss von Quelle mit Karstadt eingefädelt.