Nach dem Wechsel von der Sommer- auf die Winterzeit steht für die Uhrenbranche das umsatzstarke Weihnachtsgeschäft bevor. Neue Modelle sollen die Kauflust anregen.

In Zeiten der Wirtschaftskrise ist bei den Uhren vor allem schlichtes, funktionales Design angesagt. So liegt Stahl als Sinnbild für Beständigkeit im Trend, berichtet der Bundesverband Schmuck und Uhren, der 260 Hersteller vertritt. Goldtöne dominieren jedoch nach wie vor.

„Die deutschen Verbraucher haben wider Erwarten beschlossen, bei Schmuck und Uhren die Krise nicht mitzumachen", sagt der Geschäftsführer des Bundesverbands der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte, Joachim Dünkelmann, in Köln. Damit sei der deutsche und österreichische Markt derzeit in Europa die Ausnahme.

Wählerische Kundschaft, scharfer Wettbewerb

Die Kundschaft sei aber „sehr wählerisch und anspruchsvoll". Auf den Fachhandel entfallen nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung GfK rund 80 Prozent des Uhren-Gesamtumsatzes in Deutschland, der im vergangenen Jahr leicht auf 1,4 Milliarden Euro gestiegen war.

Aber auch Discounter, Internethändler und Warenhäuser mischen im Uhrengeschäft kräftig mit. Sie verkaufen bereits etwa jede zweite Armbanduhr. Während im Fachhandel auch Luxus-Uhren mit einem Preis von mehr als 3.000 Euro gut gekauft werden, bemerken deutsche Uhrenhersteller nach Verbandsangaben seit Jahresbeginn 2009 eine gewisse Kaufzurückhaltung gegenüber den Vorjahren.

Umsatzminus für Uhrmacher

Für das Uhrenhandwerk hält Horst Eberhardt für 2009 ein Umsatzminus von bis zu 8 Prozent verglichen mit 2008 für möglich. Der Geschäftsführer des Zentralverbandes für Uhren, Schmuck und Zeitmesstechnik in Northeim, sieht Chancen in der Krise. Gefragt sei „die Uhr als Wertanlage und weniger als Mode-Erscheinung."

Seit etwa zwei Jahren seien billigere Uhren immer mehr auf dem Rückzug, so der Verbandschef. „Das Bewusstsein der Käufer für hochwertige Mechanik statt Quarz ist wieder gestiegen", betont er.

China und Thailand Hauptursprungsländer

Im ersten Halbjahr 2009 wurden rund 15 Millionen Armbanduhren im Wert von 390 Millionen Euro nach Deutschland importiert. Das war ein Viertel weniger als im Vorjahreszeitraum. Allein China und Thailand lieferten 12 Millionen Uhren.

Im Schnitt kostete die Ware aus Fernost 9,70 Euro pro Stück. Der Durchschnittspreis der 800.000 importierten Schweizer Uhren betrug knapp 267 Euro. Der Gesamtumsatz mit Uhren dürfte nach Schätzung von Herstellern im ersten Halbjahr 2009 gestiegen sein.

Jeder Deutsche hat vier Armbanduhren

Jeder Deutsche besitzt statistisch gesehen schon etwa vier Armbanduhren. „Dass jemand eine einzige Uhr sein ganzes Leben lang trägt und sie danach weitervererbt wird, das gibt es immer seltener", schildert Eberhardt.

Laut Bundesverband Schmuck und Uhren verschwimmen die Unterschiede zwischen Damen- und Herrenuhren immer stärker. Das gilt nicht nur für die Optik, sondern auch für die Größe. Während Frauen hauptsächlich für sich selbst modische Zeitmesser kaufen, ticken Männer anders: Sie kaufen ebenso häufig eine Damenuhr als Geschenk.