Markenhersteller und Marktplatzbetreiber mochten einander lange nicht. Das ändert sich gerade, wie das Beispiel Ebay zeigt. Die Rechtstreitigkeiten werden beigelegt, die Zusammenarbeit beginnt.

Viele Markenhersteller tun sich bislang schwer damit, Händler zu beliefern, die ihre Artikel über Marktplätze verkaufen. Die Produzenten wollen ihre Vertriebsstandards kontrollieren, imageschädlichen Preisverhau unterbinden und gewährleisten, dass die Markenprodukte "wertig" dargestellt und der Kunde ordentlich beraten wird.

Doch Gerichte und das Kartellamt bremsen dieses so genannte selektive Vertriebssystem regelmäßig aus – zum Beispiel sind in letzter Zeit unter anderem Deuter, Scout-Schulranzen, Casio Europe und Asics mit ihren Lieferstopps unterlegen.
Also ändert sich langsam die Einstellung von Markenherstellern gegenüber Ebay, wie der Online-Marktplatzbetreiber gegenüber derhandel.de bestätigt. "Unsere Besonderheit ist, dass wir niemals in Wettbewerb mit den Markenherstellern treten und versuchen, ihnen eine markengerechte Nutzung des Marktplatzes zu bieten", wirbt die  Pressestelle.

Rechtstreit beigelegt, Zusammenarbeit begonnen

Der französische Luxusgüterkonzern LVMH hat beispielsweise Mitte Juli dieses Jahres eine Zusammenarbeit mit Ebay angekündigt, bei der die gewerblichen Schutz- und Urheberrechte geschützt und Fälschungen im Onlinehandel bekämpft werden sollen. "Aufgrund der Implementierung der gemeinschaftlichen Maßnahmen haben die beiden Unternehmen ihre Rechtsstreitigkeiten beigelegt", heißt es.

Auch Adidas hat im Juni seine Vertriebsbedingungen kartellrechtskonform geändert und lässt nun den Verkauf der Sportbekleidung auf offenen Marktplätzen zu. Der deutsche Sportmodehersteller argumentiert nun, dass ein offener Marktplatz die qualitativen Kriterien von adidas für die Markenpräsentation erfüllen kann und deshalb nicht länger als Vertriebsweg für die Produkte des Unternehmens ausgeschlossen sei.

Kosmetik und Software

Im Januar 2014 legten Ebay und der Kosmetikkonzern L'Oréal ihre Rechtsstreitigkeiten bei. Der Hersteller habe das Engagement im Kampf gegen die Verletzung geistiger Eigentumsrechte anerkannt, heißt es.

Bereits im vergangenen Jahr verglichen sich der Marktplatzbetreiber und der Kosmetikhersteller Coty vor dem Oberlandesgericht Stuttgart in zweiter Instanz. Die beiden Parteien verständigten sich auf ein "kooperatives Verfahren", wie gegen Markenverletzungen auf den Ebay-Marktplätzen vorgegangen und diese verhindert werden können.

Der Softwarehersteller Microsoft arbeitet Ebay zufolge auch in Deutschland mit dem Plattformbetreiber zusammen, um gegen Fälschungen vorzugehen. Außerdem nehmen ausgewählte Händler an den Aktionsprogrammen („Deals“) teil.

Markenshops, Markenwelten, autorisierte Händler

Seit Start des Programms "Autorisierte Händler" im Jahr 2013 haben rund 20 Hersteller zudem Verkäufer benannt, die für den Vertrieb ihrer Produkte autorisiert sind und das Markenlogo in die Artikelseite einbinden dürfen. Darunter sind beisieslweise Nokia, Acer, Bauknecht, Blaupunkt und Medion.

Seit dem vergangenen Jahr haben demnach zudem 27 Hersteller eigene Markenwelten bei Ebay.de eröffnet, darunter Nokia, Sony mobile, Medion und Blaupunkt. Dabei könne sich die Unternehmen präsentieren, ohne selbst als Verkäufer tätig zu werden. Außerdem können sie ausgewählte Händler nennen, die aktuell bei Ebay Produkte anbieten.

Viele Hersteller betreiben den Angaben zufolge zudem eigene "Markenshops" bei ebay.de, unter anderem Buffalo, Schiesser, Triumph, Napapijri, Wrangler, Mey und Seidensticker. Und auch das deutsche Modeunternehmen Gerry Weber, das seit August 2014 mit einem eigenen Markenshop bei Ebay vertreten ist.